Komödie.Esel.Malerei

EIN SOMMERNACHTSTRAUM

Oder was haben Shakespeare, Max Schwimmer, eine junge Künstlerin – nennen wir sie Paulina – und ich gemeinsam? Nun, vielleicht die Freude, den Esel irgendwie im Alltag zu verarbeiten. Jetzt aber erstmal einen Espresso, ein Stückchen Nougat und während ich es mir gutgehen lasse, empfehle ich meinen Lesern Google. Schauen Sie nach den Stichworten Max Schwimmer und Sommernachtstraum, dann gehen Sie auf Bildersuche und schon sollte sich das erste Geheimnis lüften. Voila, da haben wir den Esel. Zusammen mit einer schönen Frau ziert das Grautier ein Plakat, welches mein Großonkel Max Schwimmer 1956 für die Inszenierung des Sommernachtstraums an der Volksbühne Berlin als Aquarell zeichnete. Vielleicht ist meine Eselleidenschaft genetisch begründet? Jetzt Espresso.

Blogschreiben live und schnell im Flur ein Foto machen. Ich bin sogar der stolze Besitzer eines echten Max Schwimmer.

Federleicht huschen die Striche übers Papier, füllt die Farbe den Raum.
Zärtlich in so vielen Motiven.

Aber nun weiter im Text. Schauen Sie auf die Illustration zu Shakespeares Sommernachtstraums und vielleicht werden Sie verstehen, warum es heute um diese Zeichnung geht, die ich aus Datenschutzgründen leider nicht zeigen kann (deshalb der Hinweis auf die Suchfunktion des Internets). Doch weil ich Aquarelle, Esel, schöne Frauen, Shakespeare und Komödien liebe, bat ich eine junge Künstlerin, mir ein Bild zu malen. Ein Bild, welches sich am Thema anleht und mich ganz leicht an Max Schwimmer erinnert. Danke Paulina Ra.

Hier ist meine eigene, wunderbare Illustration des Sommernachtstraums.
Bei Gelegenheit werden Paulinas Bilder schöne Rahmen erhalten.
Illustration zu „EIN SOMMERNACHTSTRAUM“ von Paulina Ra.

EIN SOMMERNACHTSTRAUM (im Schnelldurchlauf) ist eine Komödie von William Shakespeare. Geschrieben Ende der 1590er Jahre und bereits 1598 uraufgeführt. Der engl. Titel lautet A Midsummer nights dream. Ort der Handlung sind das antike Athen und ein naher, verwunschener Wald. Erzählt werden die Ereignisse dreier Tage und zweier Nächte rund um die Hochzeit des Herrscherpaares Theseus (als Herzog von Athen) und Hippolyta (einer schicken Amazonenkönigin). Womit wir schon zwei der Hauptfiguren hätten. Dazu kommen noch etliche Handwerker – die im Wald ein Theaterstück proben – und um die Verwirrung auf die Spitze zu treiben, mischen noch einige Elfen und Feen mit. Jetzt heißt es tapfer sein und aufgepaßt! Die Herrscher und Adligen: Theseus und Hippolyta hatten wir schon. Egeus, ein Edelmann, ist der Vater von Hermia. Lysander, auch ein Adelsmann, ist in Hermia verliebt. Allerdings möchte Hermias Vater Egeus seine Tochter lieber mit Demetrius verheiraten. Ich sags gleich dazu: solche Arrangement gehen nie gut aus. Hermia, wie sollte es anders sein, liebt Lysander. Während ihre Freundin Helena in genau den Demetrius verliebt ist, den Hermias Vater Egeus für seine Tochter … sagen wir mal präferiert. Na, alles klar? Und weil die handelnden Personen vermutlich selber nicht wußten, wer da wo und mit wem, gab es einen, der auf den ordnungsgemäßen Ablauf zu achten hatte: Philostrat, der Zeremonienmeister am Hofe.

Zeitgleich geraten sich Oberon (König der Elfen) und seine Gattin Titania in die Haare, Puck (ursprünglich von Shakespeare als Robin Goodfellow benannt) ist der Hofnarr Oberons, während Peaseblossom, Cobweb und Moth der Elfenkönigin Titania dienen. Das wird ein schönes Durcheinander geben. Aber ich mach erstmal mit den Handwerkern weiter. Zumal ich echt grad nicht sicher bin, ob das alles so stimmt. Aber egal. Es geht in Athen und im Wald derart durcheinander, da fällt das gar nicht auf.

Der Zimmermann (bei Shakespeare Peter Quince) spielt den Prolog, Nick Bottom von Beruf Weber tritt als Pyramus auf, Blasebalgflickerin Francis Flute gibt die Figur der Thisbe (also der Geliebten des Pyramus) und dann kommen noch Kesselflicker Tom Snout und Schneider Robin Starveling dazu – deren Aufgaben sind schwer zu beschreiben: Snout spielt die Wand, Starveling den Mondschein und schlussendlich gibt Snug der Tischler den Löwen.

Sie werden mir doch nicht schlappmachen?

Ich versuch mich zu beeilen. Versprochen. Also Theseus und Hipppolyta wollen heiraten und zwar so schnell wie möglich. Noch 4 Tage bis Neumond und voher soll alles erledigt sein. Philostrat, der Zeremonienmeister soll alles hübsch vobereiten. Ja, man muß auch delegieren können, wird Theseus sich da gesagt haben. Glauben Sie mir, nur wenig später wird er vermutlich gedacht haben wenn man nicht alles alleine macht. Jetzt tritt Egeus auf und der bringt seine Tochter Hermia sowie Lysander und Demetrius mit. Er will, daß Hermia den Demetrius heiratet, die Tochter weigert sich, weil sie Lysander liebt und im Zorn über den Ungehorsam der Tochter verlangt der Vater vom Herzog (Theseus) die Tochter nach Recht und Gesetz mit dem Tod zu bestrafen. Furchtbare Sitten waren das. Also Theseus stellt sich auf die Seite des Vaters und verlangt von Hermia, sie müssen sich binnen vier Tagen für Demetrius entscheiden, weil ihr sonst die Todesstrafe oder ein Leben in Verbannung drohen würde. Vor so viel Grausamkeit wollen Hermia und Lysander fliehen. Helena, Hermias in Demetrius verliebte Freundin, wird in den Plan eingeweiht – böser Fehler – und weiter gehts.

Im Wald proben die Handwerker. Nick Bottom der Weber wil alle Rollen spielen. Was natürllich nicht geht. Erstmal bis zum nächsten Abend die Rollen lernen. Derweil treffen sich Puck der Hofnarr und eine Fee im Wald, wo sie ordentlich über ihre Herrschaften herziehen. Dabei kommt raus, daß Elfenkönig Oberon ein Verhältnis mit der prallen Amazone Hippolyta hat und Theseus schon mehrfach Titania vernaschte. Im weiteren Verlauf der ganzen Geschichte soll Puck eine Blume besorgen, deren Saft eine Art Liebesraserei bewirkt. Einmal damit das Augenlied benetzt, verliebt man sich unsterblich in das Wesen, welches man nach dem Erwachen als erste Kreatur sieht. Inzwischen trifft Demetrius im Wald ein, wo er nach Lysander und Hermia sucht. Zuerst will er Lysander töten um sich dann selber von Hermia umbringen zu lassen. Auf was für Ideen die Leute kommen – unglaublich. Oberon, der Elf, bekommt das alles mit und gibt Puck eine weitere Aufgabe. Ja, ja, die jungen Leute brauchen auch etwas von dem Saft aufs Augenlied. Nur leider ist Puck überhaupt nicht multitasking fähig. Bringt alles durcheinander und jetzt bin ich raus …

Puck der Hofnarr verwandelt Nick Bottoms Kopf in den eines Esels und als der Weber auftritt fliehen all seine Freunde. Titania erwacht und verliebt sich in den Esel – DESHALB HIER DAS GANZE THEATER! Puck vergrößert das Chaos ins Unermeßliche, indem er Zaubersaft im Übermaß verteilt, muß es alles wieder gradebiegen und bringt zusammen was zusammen gehört: „Jeder Hengst kriegt seine Stute – alles Gute.“ Schluß und aus, ein Sommernachtstraum.

Titania wird etwas später ernüchtert aufwachen: „Ich liebte einen Esel ohne Scham.“

Ich glaub, Esel ohne Sommernachtstraum ist einfacher.

„Der Esel steht“ – Ein Eselbuch

Es ist nicht das schicke, vor dem Hotel geparkte Auto, was mich mit Stolz erfüllt. Nein, es ist der Esel in seiner Koppel hinten auf dem Hof. Narcisse hebt den Kopf, dreht die Ohren in meine Richtung und stimmt ein freudiges I-Ahhhh an. Mein Esel und ich, wir sind zwar sicher nicht die Schnellsten auf unserem Weg durch Südfrankreich, doch die gemeinsame Zeit steckt voller Abenteuer und Leidenschaft. Momentchen noch! Gleich bin ich bei dir, werde dich strigeln und bürsten, dir eine Möhre spendieren um mich anschließend entschleunigen zu lassen. Gemütlich treiben wir dahin und erfreuen uns, jeder auf seine Weise, an der wundervollen Landschaft – ich mit den Augen, mein Esel mit seinem Bauch. Mein Gott, er hat Großteile der Landschaft aufgefressen. Es sind nicht die zurückgelegten Kilometer, die den Reichtum des Erlebten ausmachen … nein, es ist die Unmittelbarkeit des Erlebten. Zu Fuß durch die Cevennen. Wie 138 Jahre vor mir Robert L. Stevenson. Das Abenteuer meines Lebens.

Und jetzt ist daraus ein Buch geworden. Ein kleines Reiseabenteuer, welches hoffentlich ansteckend wirkt. Welches mit etwas Glück neugierig auf die Langsamkeit macht. Erschienen bei HOLIDAY Reisebücher (Graefe und Unzer Verlag GmbH, München).

Schon als Kind mochte ich Reiseabenteuer und mit Wonne verschlang ich „Nils Holgersson“, „Die Reise zum Mittelpunkt der Erde“ oder „Die Reise um die Erde in 80 Tagen“. Später entdeckte ich im Bücherschrank der Eltern Humboldts „Reise zum Orinoco“ und die „Wundersamen Abenteuer des Caspar Schmalkalden“ (Ost/West Indien). Bis meine Mutter mir eines Tages ein kleines Büchlein von Robert L. Stevenson – den kannte ich durch „Die Schatzinsel“ – in die Hand drückte: „Reise mit dem Esel durch die Cevennen“. Wunderbar, das wollte ich auch. Allerdings vergaß ich in meinem jugendlichen Leichtsinn, daß eine Reise durch Südfrankreich für einen DDR-Bürger wenigstens so utopisch war wie eine Reise zum Mittelpunkt der Erde. Jedenfalls solange man noch keine 65 war.

Zum 50. Geburtstag war es dann so weit. Endlich konnte ich mir einen meiner größten Herzenswünsche erfüllen und zusammen mit einem Esel durch Südfrankreich wandern. Narcisse, so hieß mein eigenwilliger, vierbeiniger Begleiter, wandelte sich dabei vom Esel zum Freund. Gemeinsam, Seite an Seite, durchstreiften wir eine wundervolle Landschaft und teilten uns die Abenteuer.

Das Buch richtet sich an alle, die auf der Suche nach neuen Ideen und Urlaubskonzepten sind. Dringend benötigen wir Alternativen, die dafür sorgen, daß Mensch, Tier und Natur sich wieder näher kommen und es spielt keine Rolle, ob der Esel am Ende ein Esel oder ein Lama oder ein Planwagen mit Kaltblut davor ist. Wichtig allein ist die Alternative und in Zukunft werde ich regional, ohne einen dicken CO2-Fußabdruck zu hinterlassen, in Begleitung meines Esels durch Brandenburg und die Uckermark spazieren. Vor der Haustür, gelassen und in aller Ruhe. Nachmachen erwünscht. Und auch wenn so manch leidgeprüfte Ehefrau einwenden wird, sie wandere ja immer mit einem Esel, wenn sie wandere … glauben Sie mir, einen Esel mit vier Beinen kann nichts ersetzen.

Narcisse war und ist die Tücke des Objekts. Mal schnell, mal langsam, eigenwillig und immer für eine Überraschung gut, war er nicht der tierische Diener meiner Reise. Nein! Er war über weite Sttrecken hinweg der gleichberechtigte Patner dieser Tour. Nie würde ich von einem Tier erwarten, daß es mir bedingungslos immer und überall hin folgt. Das Nein-sagen des Esels als Tugend zu begreifen ist ein Lernerfolg der ganz besonderen Art.

Narcisse und ich, wir sind ein ganz besonderes Team und natürlich kann ich mich, wenn wir gemeinsam laufen, auf meinen Esel verlassen. Wir sind aneinander gewöhnt und ich weiß, wie sehr mir der Esel vertraut. Doch ich habe versucht zu beschreiben, wie man sich als Wanderer/Wanderin vielleicht fühlt, was man erleben kann, sollte man alleine mit einem Esel unterwegs sein. Die Schwierigkeiten dieser Kombination (für einen zudem ausgesprochen Esel problematisch – Esel sind Herdentiere) durften nicht unerwähnt bleiben. Es ist eine langsame Annäherung. Stück für Stück kommt man vorwärts, Stück für Stück kommt man sich näher.

Und niemals, wirklich NIEMALS, sollte man die 1Mensch-1Esel Wanderung ohne Vorbereitung starten. An diesem Punkte bleibt wirklich nur zu hoffen, daß sich KEIN Eselvermieter findet, der so etwas unterstützt. Üben Sie! Laufen Sie vorab kleine Tagestouren. Zu Anfang geführt und in Gruppe. Überlegen Sie, ob es nicht doch schöner ist zusammen mit Freunden oder der Familie und ein/zwei Eseln zu wandern. Diese Varianten sind für alle Beteilgten die bessere Alternative. Und wenn Sie am Ende einer guten Vorbereitung doch eine Wanderung allein mit Esel unternehmen möchten, dann akzeptieren Sie die Einsprüche des Esels. Seien Sie gut zu Ihrem Wandergefährten. Es lohnt auf jeden Fall.

Wer bin ich? Ich bin auf den Esel gekommen und die Stationen bis zu diesem Punkt waren vielfältig und oft ging es nur langsam vorwärts. Gelernter Tischler, Tätigkeit als archäologischer Ausgrabungstechniker, gelernter Kameraassistent, Bildjournalist für die Berliner Zeitung, abgeschl. Studium Kulturwissenschaft/Gender Studies an der HU-Berlin, Coach i.d. Jugendförderung, Hobbyparfumeur und Busfahrer. Esel.

Fundstücke – „Mein Esel Benjamin“

Alte Freunde aus Jugendtagen wiederfinden ist eine schöne Sache und spannend ist es, die vielen Erlebnisse auszutauschen, welche ein jeder von uns bisher machte. Wer hätte gedacht, daß die Freundin aus Jugendzeiten seit jeher einen Hang zu Eseln hat.

Ein Gruß mit Esel(buch) zum Wochenende aus München.

„Mein Esel Benjamin“ von Hans Limmer (der lebte von 1926 bis 2015), ist ein Erzähl-Foto-Kinderbuch, welches ursprünglich im Hanns Reichverlag erschien. Also da bin ich sicher und wenn ich mich recht an die Fotos von Lennart Osbeck erinnere und die ganze Aufmachung anschaue, dann würde ich die erste Auflage irgendwo Anfang der 70er Jahre einordnen.

Das Kinderbuch wurde in zig Sprachen übersetzt und erschien in unzähligen Auflagen. Vor vielen Jahren entdeckte ich es bei Bekannten im Bücherregal und konnte darin herumblättern. Längst vergessen war die Geschichte inzwischen. Und schwupp, ganz plötzlich, ist dieses Buch Teil einer schönen Erinnerung … Freude über eine wiedergefundene Freundin.

Und die Geschichte? Im Schnelldurchlauf und sicherlich sehr lückenhaft, geht es um ein kleines Mädchen (Susi?), die zusammen mit ihren Eltern in einem Dorf lebt. Eines Tages findet die Familie einen kleinen Esel, der sich zwisch Steinen verfangen hat. Der Esel wird befreit, zu Hause mit der Flasche großgezogen, auf den Namen Benjamin getauft und als Familienmitglied betrachtet. So weit so gut. Doch eines Tages läuft der Esel weg und das Mädchen folgt ihrem Freund. Sie spürt ihn auf und nun ziehen beide gemeinsam los, verlaufen sich und die Kleine findet nicht den richtigen Weg zurück. Kein Problem! Der Esel kennt den Weg und kurze Zeit später sind alle wieder wohlbehalten zu Hause.

Wenn ich es richtig verstanden habe, dann ist die Erzählung ein Teil der Geschichte von Familie Limmer. Schöne Geschichte. Danke Karin.

Die Bestie des Gévaudan – Teil 3

Rückblick: Die Bestie wütet und greift scheinbar wahllos und an unterschiedlichen Orten immer wieder Menschen an. Frauen, Kinder und Männer, niemand ist sicher vor ihr, nirgendwo. Doch wer oder was versetzte hier ein ganzes Land in Angst und Schrecken? War es ein Wolf, ein Hund oder gar ein Bär?

Die Bestie als Kunstwerk in Langogne

Niemand war sicher in dieser Zeit und selbst in den eigenen Gärten und den Straßen der Ortschaften schlug das Ungeheuer gnadenlos zu. So auch im Januar 1765, als der kleine Jean an einem kalten Wintertag mit einer ganzen Gruppe anderer Kinder unterwegs war. Gemeinsam gingen die sieben Jungs nach der Dorfschule zu den Viehweiden, als sie im Bergland von Margeride (Auvergne-Rhone-Alpes) angegriffen wurden. Lange wehrten sich die Kinder mit ihren Stöcken und Mistgabeln gegen das Ungeheuer, doch es gelang der Bestie, den kleinen Jean Veyrier zu packen und ins Sumpfland zu verschleppen. Doch an diesem Tag sollte es kein Opfer geben. Jacques Portefaix, der Anführer der Jungs, steckte die Bande mit seiner Tapferkeit an und gemeinsam verfolgten sie die Bestie. Immer und immer wieder stachen und schlugen die mutigen Jungs auf das Tier ein und es gelang ihnen, den nur leicht verletzten Jean zu befreien, der mit einer Wunde am Arm davonkam.

Nur was hatten die Jungs da für ein Tier gesehen? Gegen was für eine Bestie hatten sie gekämpft? Wölfe und Bären werden die Dorfkinder (vielleicht nur aus Erzählungen) sicher gekannt haben und mit Hunden dürften alle von ihnen vertraut gewesen sein. Gibt es überhaupt Hunde, die einen erwachsenen Menschen (was mehrfach passiert ist) über viele Kilometer hinweg verschleppen können? Welcher Hund ist in der Lage einem Menschen den Kopf abzubeißen? 15 Opfer wurden regelrecht geköpft. Hatte ein Seefahrer ein gezähmtes, bis dahin unbekanntes Tier aus Afrika mitgebracht und böse abgerichtet?

Heute geht man von ziemlich genau 100 Todesopfern und 80 Verletzten aus. Von 1764 bis 1767 wütete die Bestie im Gebiet des Gevaudan/ Departement Lozere und weil man immer wieder Tiere erlegte, die direkt mit Übergriffen in Verbindung gebracht werden konnten, gehen Historiker heute davon aus, daß mehrere Tiere an den Angriffen beteiligt waren. Womit auch die Theorie ausscheidet, es könne sich um ein einzelnes, von einer Reise mitgebrachtes Raubier handeln. Zumal man heute weiß, daß sich Wildtiere – Hyänen und Hyänenhunde, Wölfe, etc. – zwar zähmen, aber nicht in dieser Form abrichten lassen. Sie bleiben scheu und eher ängstlich und deshalb bleibt ungewiß, welche Bestie/ oder Bestien hier so viele Menschen tötete(n). Das National Geographic vertrat die Hypothese, es könne sich um einen aus Gefangenschaft entkommenen männlichen Löwen handeln.

Und während der Bischof von Mende, ein rückwärtsgewandter Mann, die Bestie des Gevaudan als Geißel Gottes beschrieb und den Leuten von der Kanzel herab vom Zorn Gottes predigte, schickte der König seine Jäger, später eine ganze Einheit seiner Dragoner und im Februar 1765 wurde die größte Treibjagd aller Zeiten organisiert: 20.000 Jäger und Soldaten, dazu zahlreiche für kurze Zeit bewaffnete Bauern, Treiber und natürlich Hunde. Interessant ist, daß die Bestie aufgestöbert wurde und dennoch entkam. Ein kluges Tier?

Wölfe, die oft im Verdacht standen, wurden mehrfach erlegt und ein besonders großes Exemplar wurde ausgestopft im Königspalast in Versailles ausgestellt. Doch es half alles nicht, die Angriffe gingen weiter, bis am 19. Juni 1767 ein großes Tier erschossen wurde.

Was für ein Tier? Das ist bis heute nicht geklärt.

 

 

 

Abrafaxe

Sie waren die Helden meiner Kindheit und selbst heute, nach 42 Jahren, schaue ich gern in die Hefte, wenn diese mir irgendwo in die Hände fallen. Ja und vorgestern war so ein Tag. Ich war auf dem Rückweg von einer Dienstreise und kurz hinter dem schönen Örtchen Plau am See machte ich im Antik Café (einer Kombination aus Antikmarkt und Café) eine kurze Kaffeepause. Zuerst suchte ich mir einen schönen, alten, roten Holzklappstuhl aus, dann einen hübschen Blumenständer im 50er Jahrelook und als ich auf dem Weg zum Café einen Stapel Abrafaxe-Hefte entdeckte, griff ich mir den Stapel und machte es mir gemütlich – was im Antik Café kein Problem ist. Und während ich auf meinen Essen wartete, blätterte ich in den Comics, die inzwischen als längster Fortsetzungscomic der Weltgeschichte sogar im Guinnes-Buch der Rekorde stehen. Der einzige Unterschied zu früher ist, daß ich heute nicht mehr Zeile für Zeile lese und mittels der Helden gedanklich durch Welt und Geschichte reise, sondern interessiert schaue, ob ich nicht hier und da einen Esel entdecken würde. Hier ein Bsp. meiner Ausbeute. Es wären sicher noch ein paar Esel mehr geworden, doch dann kam das Essen und ich mußte ja auch weiter nach Hause fahren.

Abbildung: Mosaik Nr. 3/ 1981 „Der Trank des Vergessens“, S. 18

Das Mosaik erschien damals als „Bilderzeitschrift“ und wurde vom Zentralrat der FDJ herausgegeben. Unter d. Lizens-Nr. 1233 des Presseamtes wurde es beim Vorsitzenden des Ministerrates der DDR veröffentlicht. Ausgezeichnet mit einer Goldmedaille der Pionierorganisation, erscheint die Zeitschrift bis heute monatlich im VERLAG JUNGE WELT, Berlin. Der Abonnementspreis war 1,80 M. Verlagsdirektor war damals Manfred Rucht, Chefredakteur W. Altenburger und künstler. Leiter Lothar Dräger wurde 89 Jahre alt. Er verstarb 2016. Gestaltet wurde das Mosaik damals vom Mosaik-Kollektiv J. Arfert, I. Behm, H. Boche, B. Lehmann, E. Reitzl, Lona Rietschel (sie gilt als die Schöpferin der Hauptfiguren. Frau Rietschel verstarb 2017), H. Sott, U. Stephans, I. Wittig und S. Zahl. Gedruckte wurde in Dresden bei: Grafischer Druckbetrieb Völkerfreundschaft Dresden.

Bis heute gibt es die Geschichten und Abenteuer von Abrax, Brabax und Califax – zusammen sind sie die ABRAFAXE – jeden Monat neu zu kaufen. Die drei kleinen, koboldähnlichen Helden reisen auf der Welt und in der Weltgeschichte umher und ich verdankte ihnen und ihren Vorgängern, den DIGEDAGS von Hannes Hegen, damals einen Großteil meines Geschichtswissens und der geographischen Kenntnisse. Denn im Gegensatz zum normalen DDR-Bürger konnten die Abrafaxe sich ungehindert überall hin begeben. Heute ist das Mosaik mit 70.816 (Wikipedia) die auflagenstärkste Comiczeitschrift aus deutscher Produktion (im Feb. diesen Jahres überholte das Mosaik sogar das Micky Maus-Magazin) und ein Großteil der Leser und Leserinnen ist wohl älter als 30 Jahre. Ich vermute mal, daß derart schöne und intelligente Lese-Comic-Unterhaltung heutzutage mehr etwas für Erwachsene ist, während sich Kinder und Jugendliche mehr mit dem Telefon befassen.

Und so sahen und sehen die ABRAFAXE aus. Heft 1 der Serie von 1976. Hab ich natürlich gesammelt.

ABRAFAXE Heft 1 von 1976

Und wie gesagt, auch Eselfreunde kommen auf ihre Kosten.

Abbildung: Mosaik Nr. 9/ 1980, S. 5

Abbildung: Mosaik Nr. 7 von 1980, S. 3

 

Die Bestie des Gévaudan – Teil 2

Rückblick: Zu unwirklich klangen die Berichte und niemand hier konnte sich erinnern, jemals von auch nur einem annähernd ähnlichen Vorfall gehört zu haben. Doch jetzt hatte die Bestie ihr erstes, verbürgtes Opfer gerissen und das Grauen nahm seinen Lauf – Bete du Gévaudan.

Die kommenden Wochen und Monate zeigten schnell, daß der grauenhafte Mörder sein schreckliches Treiben nicht einfach aufgeben würde. Immer wieder kam es zu Angriffen und ein ganzes Departement – die Angriffsorte wechselten stark – war in Aufruhr, Angst und Schrecken versetzt. Klar war inzwischen nur: Der Mörder war kein Mensch sondern eine Bestie, wie man sie vorher noch nie gesehen hatte.

Abbildung Wikipedia.

Die einen sahen ein Tier von der Größe eines jungen Rindes, andere eine Art Raubtier mit rötlichem Fell auf dem Rücken und einem hellen Bauch. Mal mit dunklen Streifen an der Seite, dann wieder Flecken, buschiger Mähne und einer üppigen Schwanzquaste. Der Kopf riesig und flach auf der Oberseite, gedrungen die ganze Gestallt und stark wie ein Bär. Welches Tier  kann denn schon erwachsene Männer über eine weite Strecke verschleppen? Fährtensucher und Jäger konnten aus den Spuren lesen, daß die Bestie zu Sprüngen von fast 9 metern Weite in der Lage war und ihre schrecklichen Rufe wurden als „fürchterliches Bellen“ beschrieben.

Abbildung Wikipedia.

Oft griff die Bestie innerhalb von wenigen Tagen in ein und derselben Region mehrfach Menschen an, dann gab es mal längere und dann wieder kürzere Pausen, bevor das Grauen anderenorts weiterging. Und weil man die Bauern wegen der Kamisarden-Aufstände auf Befehl es Königs hin all ihrer Gewehre beraubt hatte – sogar die Schwerter waren von den Soldaten konfisziert worden – waren die Menschen zu ihrer Verteidigung nun auf ihre bäuerlichen Gerätschaften, Knüppel und Messer angewiesen.

Nur gegen wen oder was mußten sie sich da verteidigen? Was war das für ein Ungeheuer?

Für heute geht das Eselbook ins Wochenende. Bis bald.

Allen Menschen kann man es nicht recht machen

Aus „Die schönsten Fabeln“ von Oldrich Syrovatka, illustriert von Jiri Trnka,  Artia Verlag Prag, 1962, 92 Seiten.

Ein Müller beschloß, seinen Esel zu verkaufen. Damit aber das Eselein auf sem Weg nicht müde werde und auf dem Markt hübsch munter sei, trugen der Müller und sein Sohn ihn huckepack auf ihren Schultern. Sie gingen langsam, Schritt für Schritt, seufzten und stöhnten unter der schweren Last. So begegneten sie einem Wanderer. Als dieser sie erblickte, brach er in lautes Gelächter aus.

Was seh ich da für eine Narretei? rief er. Was ist das doch für ein Einfall, sich so mit einem Esel abzurackern, zu schinden und anzustrengen! Das habe ich mein Lebtag noch nicht gesehen.

Da sagte der Müller zu sich: Er hat recht. Wozu sich mit dem Esel abmühen? Er setzte seinen Sohn auf ihn und so zogen sie weiter auf dem Weg zur Stadt.

Tja, so kann es gehen. Erst schleppt man selber den Esel, was wirklich ziemlich blöde ist, dann kommt ein Kerl und lacht einen aus und schon sitzt  der Bengel auf dem Esel. Dann kommt ein weiterer Wanderer der wir verrückt schimpft, weil der Junge reitet und der alte Herr laufen muß. Also wechselt man wieder die Positionen und kaum sitzt man selber auf dem Esel, kommt ein junges Frollein daher und schimpft einen aus, weil der unglückliche Knabe sich im Staube der Straße dahinschleppen muß, währen man selber protzig auf dem Esel sitzt. Es ist nicht zum aushalten … komm mein Sohn, setzen wir uns beide auf den Esel und reiten gemeinsam bis zur Stadt. Und nun kommt was kommen mußte. Der nächste Wanderer ist ein Tierschützer dem das Wohl des Esels am Herzen liegt. Was seid ihr doch für herzlose Menschen. Das arme, schwache Tier kann sich ja kaum noch auf den Beinen halten. Tja, man kann es wirklich nicht allen Leuten recht machen.

Ischka und Milka

Nach einem Wasserschaden waren wir gezwungen, große Teile der Wohnung umzuräumen, neu zu sortieren und gleichzeitig zu überlegen, an welchen Dingen das Herz hängt und welche Sachen vielleicht doch wegkönnen. Unzählige Bücher haben wir an Stadtteilbibliotheken und Lesecafes abgegeben und während wir so über den Kisten hockten um die Bestände zu sichten, fanden sich immer wieder alte Schätzchen und liebgewonnene Kindheitserinnerungen. Oft waren es die ersten, eigenen Bücher, die wir selber ohne elterliche Hilfe gelesen hatten. „Ein Teufel namens Fidibus“, „Ponny Pedro“, „Vierbeinige Freunde“ von Vera Tschaplina (ich wollte damals auch unbedingt einen kleinen Löwen zu Hause haben) und dann ist da noch dieses Büchlein im roten Leinen mit dem Eselchen vorne drauf: „Menschen und Tierkinder“ von Olga Perowskaja.

Die Ferien begannen. Als meine Schwestern und ich heimkamen, waren alle im Gemüsegarten. Wir liefen schnell hin und zeigten unsere Zeugnisse. Darauf stand MIT AUSZEICHNUNG! Tüchtige Mädels, lobte die Mutter. Dafür müssen Vater und ich euch etwas schenken. Was meinst du, Vater? Sonja stieß mich verstolen mit dem Ellenbogen an: Sagˋs jetzt …

Ich hüstelte vor Aufregung und brachte hervor: Wir brauchen keine Geschenke.

Nanu, wieso denn?

“Das heißt, wir brauchen schon, gebt uns jedem einen Rubel, und so jedes Jahr, wenn wir mit Auszeichnung versetzt werden. Wir sparen nämlich für einen Esel.

(…)

Vater steiß den Spaten in die Erde, richtete sich auf und kramte in seinen Taschen. Ich sehe, ihr habt die Sache solide aufgezogen. Da möchte ich Teilhaber werden. Hier sind noch fünf Rubel. Das ist mein Beitrag. Nehmt eure Kröten und heidi auf zum Viehmarkt.

Olga Perowskaja, „Menschen- und Tierkinder“, mit Zeichnungen von W. Watagin und I. Godin, übersetzt von Leoni Labas, Progress Verlag, Moskau 1966, 264 Seiten.

Daniil Charms und der Esel

Ich, Petka und der Esel zuletzt

Eine Geschichte von Daniil Charms, illustriert von Willi Glasauer und übersetzt von Ganna-Maria Braungardt, wird heute, hier und jetzt im Eselbook vorgestellt.

Wir setzten den langen Mann ins Auto, legten ihm den Esel auf den Schoß und reichten ihm das Boot.

(…) Wir fuhren und pfiffen uns eins.

Illustration von W. Glasauer zu D. Charms „Ich, Petka u.d. Esel zuletzt“, im Aufbau Verlag 2007

Kennen Sie Daniil Charms? Ich mag die Texte des russ. Schriftstellers. Sie sind herrlich schräg und versponnen, es sind Sätze, die so wirr wie das Leben sind und die mich jedenfalls gut unterhalten.

Wenn ich es richtig weiß, dann wurde er um 1905 (das Revolutionsjahr) herum in St. Petersburg geboren. Damals lag das russische Kaiserreich schon im sterben und Daniil Iwanowitsch, der schon frühzeitig lesen und schreiben gelernt hatte, wußte wohl auch nicht so recht, wohin sein Weg ihn führen würde. Ein technisches Studium brach er ab und auch die Filmakademie konnte ihn nicht all zu lange begeistern. Er freundete sich mit modernen Theterschaffenden an, war fasziniert von der ins Absurde hinein übersteigerten Darstellung des Alltäglichen und wohnte in einer Kommunalka – einer Art WG aus eigener und angeheirateter Familie. Was sicher jede Menge Stoff lieferte. Er heiratete, wurde geschieden, heiratete wieder und unter seine kurzen Stücke schrieb er Charms.

Er war sogar Mitglied im Dichterverband. Doch weil er seine Beiträge nicht bezahlte, flog er postwendend wieder raus. Zusammen mit einem Freund gründete er eine Künstlervereinigung. Es gab wohl sogar eine Aufführung von einem Charms-Stück, dann entdeckte die politische Führung das respektlose Treiben und schon war die Künstlergruppe wegen staatsfeindlicher Aktivitäten verboten.

1932 wurde er erstmals wegen antisowjetischer literarischer Umtriebe verurteilt und in die Verbannung geschickt.

In seinen letzten Jahren schrieb er fast ausschließlich für Kinder und Jugendliche. Liebenswerten Nonsens, der unverfänglich war und vermutlich einen erträglichen Lebensunterhalt ermöglichte.

1937, jetzt begann der Terror erst richtig, wurde Charms wieder politisch verfolgt. 1941 wird er erneut verhaftet, irgendwann in die Psychiatrie überstellt und im Februar (während der Leningrader Blockade) ist Daniil Charms vermutlich verhungert.

Ja und trotz dieses Schicksals blieben seine Erzählungen bis weit in die 90er Jahre hinein mehr oder weniger verboten. Warum eigentlich?

Illustration v. Willi Glasauer zu D. Charms „Ich, Petka u.d. Esel zuletzt“ im Aufbau Verlag 2007

Ich liebe diesen Nonsens. Ich liebe auch Marschak und Bulgakow. Irgendwie ist wohl auch mein eigenes Leben so verworren wie diese Geschichten und es hat nie funktioniert, da wirklich Ordnung hineinzubringen. Konstant waren nur einige Freunde, meine Eltern, die Musik und seit einiger Zeit mein Esel …

Nun ging es uns allen gut, und wir pfiffen uns eins.

Illustration v. W. Glasauer zu D. Charms „Ich, Petka u.d. Esel zuletzt“ im Aufbau Verlag 2007

Wilhelm Busch und die doppelte Moral

O heiliger Antonius von Padua, bleib mir zu jeder Stunde nah, und laß mich doch auf dieser Erden, Auch so ein frommer Heil`ger werden! – O heiliger Antonius von Padua, Du kennst mich ja!

Da sitz ich nun am Sonntagmorgen und trinke Kaffee ohne Sorgen, ich lese hier und schmunzel da, über den Antonius von Padua aaa.

Es geht also noch etwas weiter mit dem heiligen Antonius und seinem Esel. Wobei diese Geschichte hier für den Esel, das sage ich lieber gleich vorweg, kein gutes Ende nimmt. Das ist nichts für schwache Nerven und taugt sicherlich nicht als Gutenachtgeschichte für jüngere Eselfreunde. Ist aber auf jeden Fall gut geeignet um noch eins draufzusetzen und dem Ernst des Alltags mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Wilhelm Busch eignet sich prima für eine Esel-Sonntagsgeschichte.

Denkt man an Wilhem Busch, dann sicherlich in erster Linie an die Bildergeschichten von Max und Moritz (eine Bubengeschichte in sieben Streichen).

Max und Moritz gar nicht träge, sägen heimlich mit der Säge, Ritzeratze! voller Tücke, In die Brücke eine Lücke, und als diese Tat vorbei, hört man plötzlich ein Geschrei:

He, heraus! Du Ziegen-Böck, Schneider, Schneider, meck, meck, meck. – Alles konnte Böck ertragen, ohne nur ein Wort zu sagen; aber wenn er dies erfuhr, ging`s ihm wider die Natur. Schnelle springt er mit der Elle, über seines Hauses Schwelle, denn schon wieder ihm zum Schreck, tönt ein lautes: meck, meck, meck!

Nun, Sie wissen ja bestimmt, daß die Geschichte kein gutes Ende nimmt. Zuerst natürlich nicht für den Schneider und zum Schluß nicht für die beiden Bösewichter. Wobei das gute Ende nicht unbedingt Buschs Sache gewesen sein muß. Egal ob der Rabe Hans Huckebein oder die fromme Helene, Fipps der Affe oder Plisch und Plum, meist gibt es Ärger im Paradies und selbst das kleine Glück zum Schluß erscheint mitunter etwas zweifelhaft.

„Der heilige Antonius von Padua“ ist auch so eine Bildergeschichte von Wilhelm Busch und wenn man die Zeichnungen genauer betrachten, dann fällt die antiklerikale Einstellung mit der Busch hier zu Werke geht sofort ins Auge. Entstanden ist die Geschichte, die sich nicht in allen Ausgaben findet, in den Jahren von 1865 bis 1870 und es ist eine ausgesprochen hintersinnige Abrechnung mit der abergläubischen Frömmelei und dem Dogmatismus, die sich auch in den Überlieferungen zum heiligen Antonius finden. Versucht man sich jetzt noch das Umfeld der 1870er Jahre vor Augen zu führen, dann wird schnell klar, gegen wen und was W. Busch hier mittels Federstrich zu Felde zieht. Schon die zweite Zeichnung der Antonius-Geschichte – sie zeigt eine Nonne im Keller – spielt auf ein Vorkommnis in einem österreichischen Kloster an, wo eine Nonne von ihren Mitschwestern eingemauert worden sein soll, während die Heiligenmalerei sich steigender Beliebtheit erfreute … wegen ihrer Nützlichkeit. Da mußte sich einfach Widerspruch regen. Zumal die Geschichte im ersten Anlauf nicht einmal gedruckt werden konnte. Verleger Eduard Hallberger war nämlich auch für die Herausgabe der katholischen Bilderbibel verantwortlich und sah hier ein gewisses Konfliktpotential. Witzig ist, daß man daran dachte, Wilhelm Busch zum Teil mittels einer Ladung Zigarren zu entlohnen. Als die Geschichte vom Heiligen Antonius dann wenig später bei Schauenburg in Lahr erschien, war sie völlig unfreiwillig von höchster Aktualität. Kaum im Handel verkündete man auf dem 1. Vatikanischen Konzil unter Papst Pius dem IX. das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes und die badischen Behörden, in deren Amtsbereich die Veröffentlichung des Büchleins fiel, beschlagnahmten sofort alle Exemplare derer sie habhaft werden konnten. Was für eine Idiotie. Gegen den Verleger wurde wegen Erregung eines öffentlichen Ärgernisses, Herabwürdigung der Religion und Verbreitung unzüchtiger Schriften Anklage erhoben und vermutlich hätte man auch den Urheber der Bildergeschichte gern verhaftet. Doch weil dieser für die badische Staatsanwaltschaft nicht erreichbar war, stand am 27. März 1871 erstmal nur der Verleger selber vor Gericht. So kann`s gehen, wenn man in die Mühlen der Behörden gerät. Am Rande sei vermerkt, daß am gleichen Tage ein Pfarrer wegen Kindesverführung und Mißbrauch vor Gericht erscheinen mußte und sich der Prozess gegen Buschs Homor, der die Unnatürlichkeit des Zölibats aufs Korn nimmt, somit selber ad absurdum führte. An dieser Stelle sei das damals sehr beliebte katholische Erbauungsbuch „Unser Lieben Frauen Calender“ erwähnt, wo für jeden Tag wenigstens eine Wundertat zu Ehren der Jungfrau Maria zu finden ist und ein frommer Klosterbruder an den Brüsten der Heiligen Jungfrau saugen darf. Allein die Vorstellung paßt so gar nicht zur verordneten Prüderie und Moral jener Zeit. Der Verleger wurde zum Leidwesen der Staatsanwaltschaft freigesprochen und die beschlagnahmten Werke mußten zurückgegeben werden. Was aber nicht bedeutete, daß fortan frei gelacht werden durfte. Österreich, Preußen und das zaristische Rußland verboten das Werk auch weiterhin und ließen immer wieder ganze Auflagen konfiszieren, und im Königreich Bayern hat man Busch seine Respektlosigkeiten bis zu seinem Tode nie verziehen. Obwohl einstimmig von den Mitgliedern vorgeschlagen, wurde ihm die Aufnahme in den Maximiliansorden und die damit verbundene Erhebung in den Adelsstand verweigert. Gestört haben wird es ihn nicht. War ihm doch alles Getu von Herzen zuwider.

Antonius jedenfalls beginnt seine Wallfahrt mit einem Esel.

Ein Christ verspüret großen Drang, das heil`ge Grab zu sehn, Drum will Antonius schon lang, Dahin wallfahren gehen. Es schickt sich, daß ein frommer Mann, die Sache überlegt; er schafft sich einen Esel an, der ihm den Ranzen trägt.

Und so ziehen Antonius und sein Esel gen Jerusalem.

Jetzt ist Mittagspause, dann Mittagsschlaf, anschließend werde ich mehrere Tassen Espresso benötigen und dann geht es weiter. Schließlich ist heute Sonntag.

So, pünktlich um 16:25 geht es mit der Eselei und dem heiligen Antonius bei Wilhelm Busch weiter. Versprochen ist versprochen.

Wie also der Antonius und der Esel so durch die Gegend ziehen, kommt hinter einem Gebüsch ein Bär hervorgesprungen und der frißt den Esel von hinten nach vorne komplett auf.

Wunderbar dargestellt ist an dieser Stelle die Seelenruhe, mit der unser frommer Antonius das Leid des Esels erträgt.

Um am Ende den Bären für seine Zwecke einzuspannen. Klar, Strafe muß sein und ich habe da wenig Mitleid mit Meister Petz. Doch die zur Schau gestellte Gleichgültigkeit des heiligen Mannes illustriert sehr schön, worum es wirklich geht: Um das alleinige Seelenheil des Antonius.

In diesem Sinne wünscht das Eselbook noch einen schönen Sonntagabend.