Erich Honecker und der Esel

Das Eselbook wird politisch und erinnert sich und seine LeserInnen an das aufregende Jahr 1989. Ein Jahr voller wichtiger Ereignisse und eine Begebenheit ist dabei für das Eselbook von ganz besonderer Bedeutung: Am 15.8.1989 sprach mit Erich Honecker (1912-1994) endlich mal ein Regierungs-Chef von einer wirklich wichtigen Sache …. jaaaa, richtig gehört … an diesem Tage sprach Erich Honecker von einem Esel. Er dürfte damit zu den wenigen Politikern gehören, die überhaupt von Eseln sprachen und deshalb wird Erich Honecker an dieser Stelle ausdrücklich gelobt – natürlich nur in Bezug auf Esel. Was denn sonst.

Zur Vorstellung der ersten 32-Bit-Chips aus DDR Produktion bemühte der schwerverständliche Saarländer gar das Tierreich, um die Stärke der sozialistischen Planwirtschaft im Allgemeinen und die Überlegenheit des ganzen politischen Systems im Besonderen zu verdeutlichen.

Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

Ok, den Ochsen lassen wir jetzt mal links liegen. Um den soll sich das Ochsenbook kümmern, wenn es das gibt und falls nicht, dann hat der Ochse halt Pech gehabt. Wir interessieren uns hier ausschließlich für Esel und auch der hat den Sozialismus auf seiner Talfahrt nicht aufgehalten. Kluges Tier. Schließlich hätte man mit etwas Weitblick das Ende der DDR schon zu diesem Zeitpunkt vorhersagen können. Flüchteten doch gerade massenhaft DDR-Bürger über Ungarn in den Westen, während andere in der Prager Botschaft der Bundesrepublik ein Sommercamp eröffnet hatten. Wie sollte denn unter diesen Umständen ein 32-Bit-Chip den Sozialismus retten? Darüber lachen ja die Hühner bis heute.

Sucht man nach einer realistischen Vorstellung von den politischen Verhältnissen dieser Tage, dann wird man allerdings bei Horst Haitzinger (geb. 1939) fündig. Der politische Karikaturist nahm sich des gewagten Ausspruchs an und zeichnete ein viel passenderes Bild zum besagten Zitat. Und das Eselbook freut sich, diese Karikatur an dieser Stelle präsentieren zu dürfen.

Karikatur von Horst Haitzinger, München, http://www.horst-haitzinger.de

Horst Haitzinger hat dabei, wie schon viele andere politische Karikaturisten vor ihm, in ganz wundervoller Art und Weise die politischen Ereignisse vorweggenommen.

Das Zitat selber geht natürlich nicht auf Erich Honecker (der von 1971 bis 1989 Generalsekretär der SED und damit der mächtigste Politiker der DDR war) zurück und auch seine Redenschreiber haben es sich nicht ausgedacht. Er selbst hat wohl, angesprochen auf die Quelle, August Bebel genannt und genau hier wird es interessant, weil dies zum einen sehr wahrscheinlich und zum anderen bei Bebel selber leider nicht nachweisbar ist. Aber die Richtung – also die Gründungsphase d. deutschen Sozialdemokratie – wird mit Sicherheit stimmen.

 

 

Wilhelm Busch und die doppelte Moral

O heiliger Antonius von Padua, bleib mir zu jeder Stunde nah, und laß mich doch auf dieser Erden, Auch so ein frommer Heil`ger werden! – O heiliger Antonius von Padua, Du kennst mich ja!

Da sitz ich nun am Sonntagmorgen und trinke Kaffee ohne Sorgen, ich lese hier und schmunzel da, über den Antonius von Padua aaa.

Es geht also noch etwas weiter mit dem heiligen Antonius und seinem Esel. Wobei diese Geschichte hier für den Esel, das sage ich lieber gleich vorweg, kein gutes Ende nimmt. Das ist nichts für schwache Nerven und taugt sicherlich nicht als Gutenachtgeschichte für jüngere Eselfreunde. Ist aber auf jeden Fall gut geeignet um noch eins draufzusetzen und dem Ernst des Alltags mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Wilhelm Busch eignet sich prima für eine Esel-Sonntagsgeschichte.

Denkt man an Wilhem Busch, dann sicherlich in erster Linie an die Bildergeschichten von Max und Moritz (eine Bubengeschichte in sieben Streichen).

Max und Moritz gar nicht träge, sägen heimlich mit der Säge, Ritzeratze! voller Tücke, In die Brücke eine Lücke, und als diese Tat vorbei, hört man plötzlich ein Geschrei:

He, heraus! Du Ziegen-Böck, Schneider, Schneider, meck, meck, meck. – Alles konnte Böck ertragen, ohne nur ein Wort zu sagen; aber wenn er dies erfuhr, ging`s ihm wider die Natur. Schnelle springt er mit der Elle, über seines Hauses Schwelle, denn schon wieder ihm zum Schreck, tönt ein lautes: meck, meck, meck!

Nun, Sie wissen ja bestimmt, daß die Geschichte kein gutes Ende nimmt. Zuerst natürlich nicht für den Schneider und zum Schluß nicht für die beiden Bösewichter. Wobei das gute Ende nicht unbedingt Buschs Sache gewesen sein muß. Egal ob der Rabe Hans Huckebein oder die fromme Helene, Fipps der Affe oder Plisch und Plum, meist gibt es Ärger im Paradies und selbst das kleine Glück zum Schluß erscheint mitunter etwas zweifelhaft.

„Der heilige Antonius von Padua“ ist auch so eine Bildergeschichte von Wilhelm Busch und wenn man die Zeichnungen genauer betrachten, dann fällt die antiklerikale Einstellung mit der Busch hier zu Werke geht sofort ins Auge. Entstanden ist die Geschichte, die sich nicht in allen Ausgaben findet, in den Jahren von 1865 bis 1870 und es ist eine ausgesprochen hintersinnige Abrechnung mit der abergläubischen Frömmelei und dem Dogmatismus, die sich auch in den Überlieferungen zum heiligen Antonius finden. Versucht man sich jetzt noch das Umfeld der 1870er Jahre vor Augen zu führen, dann wird schnell klar, gegen wen und was W. Busch hier mittels Federstrich zu Felde zieht. Schon die zweite Zeichnung der Antonius-Geschichte – sie zeigt eine Nonne im Keller – spielt auf ein Vorkommnis in einem österreichischen Kloster an, wo eine Nonne von ihren Mitschwestern eingemauert worden sein soll, während die Heiligenmalerei sich steigender Beliebtheit erfreute … wegen ihrer Nützlichkeit. Da mußte sich einfach Widerspruch regen. Zumal die Geschichte im ersten Anlauf nicht einmal gedruckt werden konnte. Verleger Eduard Hallberger war nämlich auch für die Herausgabe der katholischen Bilderbibel verantwortlich und sah hier ein gewisses Konfliktpotential. Witzig ist, daß man daran dachte, Wilhelm Busch zum Teil mittels einer Ladung Zigarren zu entlohnen. Als die Geschichte vom Heiligen Antonius dann wenig später bei Schauenburg in Lahr erschien, war sie völlig unfreiwillig von höchster Aktualität. Kaum im Handel verkündete man auf dem 1. Vatikanischen Konzil unter Papst Pius dem IX. das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes und die badischen Behörden, in deren Amtsbereich die Veröffentlichung des Büchleins fiel, beschlagnahmten sofort alle Exemplare derer sie habhaft werden konnten. Was für eine Idiotie. Gegen den Verleger wurde wegen Erregung eines öffentlichen Ärgernisses, Herabwürdigung der Religion und Verbreitung unzüchtiger Schriften Anklage erhoben und vermutlich hätte man auch den Urheber der Bildergeschichte gern verhaftet. Doch weil dieser für die badische Staatsanwaltschaft nicht erreichbar war, stand am 27. März 1871 erstmal nur der Verleger selber vor Gericht. So kann`s gehen, wenn man in die Mühlen der Behörden gerät. Am Rande sei vermerkt, daß am gleichen Tage ein Pfarrer wegen Kindesverführung und Mißbrauch vor Gericht erscheinen mußte und sich der Prozess gegen Buschs Homor, der die Unnatürlichkeit des Zölibats aufs Korn nimmt, somit selber ad absurdum führte. An dieser Stelle sei das damals sehr beliebte katholische Erbauungsbuch „Unser Lieben Frauen Calender“ erwähnt, wo für jeden Tag wenigstens eine Wundertat zu Ehren der Jungfrau Maria zu finden ist und ein frommer Klosterbruder an den Brüsten der Heiligen Jungfrau saugen darf. Allein die Vorstellung paßt so gar nicht zur verordneten Prüderie und Moral jener Zeit. Der Verleger wurde zum Leidwesen der Staatsanwaltschaft freigesprochen und die beschlagnahmten Werke mußten zurückgegeben werden. Was aber nicht bedeutete, daß fortan frei gelacht werden durfte. Österreich, Preußen und das zaristische Rußland verboten das Werk auch weiterhin und ließen immer wieder ganze Auflagen konfiszieren, und im Königreich Bayern hat man Busch seine Respektlosigkeiten bis zu seinem Tode nie verziehen. Obwohl einstimmig von den Mitgliedern vorgeschlagen, wurde ihm die Aufnahme in den Maximiliansorden und die damit verbundene Erhebung in den Adelsstand verweigert. Gestört haben wird es ihn nicht. War ihm doch alles Getu von Herzen zuwider.

Antonius jedenfalls beginnt seine Wallfahrt mit einem Esel.

Ein Christ verspüret großen Drang, das heil`ge Grab zu sehn, Drum will Antonius schon lang, Dahin wallfahren gehen. Es schickt sich, daß ein frommer Mann, die Sache überlegt; er schafft sich einen Esel an, der ihm den Ranzen trägt.

Und so ziehen Antonius und sein Esel gen Jerusalem.

Jetzt ist Mittagspause, dann Mittagsschlaf, anschließend werde ich mehrere Tassen Espresso benötigen und dann geht es weiter. Schließlich ist heute Sonntag.

So, pünktlich um 16:25 geht es mit der Eselei und dem heiligen Antonius bei Wilhelm Busch weiter. Versprochen ist versprochen.

Wie also der Antonius und der Esel so durch die Gegend ziehen, kommt hinter einem Gebüsch ein Bär hervorgesprungen und der frißt den Esel von hinten nach vorne komplett auf.

Wunderbar dargestellt ist an dieser Stelle die Seelenruhe, mit der unser frommer Antonius das Leid des Esels erträgt.

Um am Ende den Bären für seine Zwecke einzuspannen. Klar, Strafe muß sein und ich habe da wenig Mitleid mit Meister Petz. Doch die zur Schau gestellte Gleichgültigkeit des heiligen Mannes illustriert sehr schön, worum es wirklich geht: Um das alleinige Seelenheil des Antonius.

In diesem Sinne wünscht das Eselbook noch einen schönen Sonntagabend.

 

Deckengemälde mit Esel

Was macht ein Esel an der Kirchendecke?

Augsburger Allgemeine vom 29. 8. 2012, Foto: G.R.Ranft

Nun, es geht auch heute noch einmal um den heiligen Antonius von Padua und dessen Eselwunder. Jener schönen Überlieferung, von der ich erst kürzlich berichtete und die uns noch etwas weiter beschäftigen wird – natürlich nur des Esels wegen. Schließlich war Antonius und sein Eselwunder immer wieder ein Quell für künstlerische Darstellungen aller Art. Allein im Landkreis Raunertshofen gibt es vier Kirchen – Nordholz, Unteregg und Weißenhorn – die dem Antonius von Padua gewidmet sind. Was vielleicht auch an der Vielseitigkeit des redegewandten Heiligen liegt. Wobei die Fähigkeit, verlorengegangene Dinge wieder zurückzubringen vermutlich von besonderem Interesse ist. Jedenfalls ist ein derart praktischer Nutzen vielleicht nicht ganz ohne Grund mit dem treuen Lasttier verknüpft, von dem selbst Jesus sich nach Jerusalem hineintragen ließ.

Die Abb. in der Augsburger Allgemeinen zeigt ein Deckengemälde in der Kirche von Raunertshofen, auf dem die wundersame Szene, in welcher der Esel bei Anblick der Hostie den Herrn erkennt und einen Kniefall andeutet, gut zu erkennen ist. Also auf liebe Eselfreunde, auf nach Raunertshofen.

 

 

Antonius von Padua – heilig mit Esel

Kennen Sie Antonius von Padua? Nein? Also das geht so nicht. Wer sich für Esel begeistert, sollte Antonius unbedingt kennen. Ich z.B. bin zwar Heide mit Leib und Seele, doch immer wenn mir etwas wegkommt rufe ich den heiligen Antonius an … oder meine Freundin (das kommt auf`s Gleiche raus) und schneller als gedacht ist der gesuchte Gegenstand wieder zurück bei mir. Antonius ist toll … fast so gut wie Freundin. Am Kühlschrank klebt ein Magnet mit dem Bildnis – des Antonius!, die Freundin hängt natürlich nicht am Kühlschrank – und davor werfe ich mich dann auf die Knie und hoffe auf Erinnerung. Manchmal finde ich lecker Vanille-Eis. Sie sehen, es funktioniert.

Der so um das Jahr 1190 als Antonius Patavinus in Lissabon geborene Antonius war Theologe, Franziskaner und Prediger und wurde schon wenige Monate nach seinem Tod 1231 heiliggesprochen – das ist Rekord. Und auf dem Wege dorthin gab es wenigstens ein überliefertes Esel-Erlebnis und davon möchte ich heute berichten. Vielleicht läßt sich die besonders schnelle Heiligsprechung auch durch die Eselgeschichte erklären. Ich könnte mir kaum einen besseren Grund vorstellen – heilig durch Esel. Also will ich mal versuchen, die Geschichte des Antonius zu erzählen.

Soweit bekannt, entstammte der Junge einer portugisischen Adelsfamilie und schon im Jugendalter begann seine Ausbilung zum Prister. Er trat dann wohl den Franziskanern bei, zog später als Missionar nach Marokko, wurde krank, mußte Afrika verlassen, geriet in einen schweren Sturm und kam in Sizilien an. Was nach Odyssee klingt ist auch ohne antike Monster ausgesprochen spannend. Antonius verbrachte etwas Zeit als Einsiedler, als ihm das zu langweilig wurde vertrat er die Franziskaner bei wichtigen Versammlungen und auf einem Konvent lernte er sogar den Ordensgründer Franz von Assisi kennen. Beeindruckt von derart viel Glaubenskraft legte sich Antonius richtig ins Zeug und weil er sehr gut formulieren konnte und seine Worte von großer Überzeugungskraft waren, wurde er nach Norditalien entsandt, wo er in der von Glaubensunruhen erschütterten Romagna den katholischen Gedanken unter Katharern und Waldensern verbreiten sollte.

Und glauben Sie mir, der Antonius war mit seinen Predigten sehr erfolgreich. Schließlich gehörte er zu den besten Rednern seiner Zeit. Am Ufer es Rimini z.B. sprach er zu den Fischen, weil die Bürger (damals garantiert nur Männer) ihn nicht hören wollten, und die steckten ihre Köpfe aus dem Wasser und lauschten andächtig seiner Stimme. Anschließend traten fast alle Bürger von Rimini umgehend zum katholischen Glauben über. Das nenne ich Überzeugungskraft. Da schnappen die Fische nach Luft, vermutlich wegen Umweltverschmutzung, und schon lassen sich die Leute taufen. Wunder über Wunder. Aber Fische sind noch lange kein Esel und deshalb geht die Geschichte jetzt weiter.

Es begab sich einmal, daß Antonius mit sturen Häretikern, die unbedingt an ihrer Irrlehre festhalten wollten, im Disput lag und Antonius wußte nicht, wie er diesen Herren Erleuchtung hätte beibiegen könnte (das Verbrennen von Ketzern kam erst später in Mode). Zugegeben ist es auch wirklich nicht besonders leicht, einem Ungläubigen die rettenden Eigenschaften des Sakraments der Eucharistie zu vermitteln. Ich käme auch nicht auf die Idee, beim Anblick einer geweihten Hostie sofort an die Anwesenheit von Jesus Christus zu denken. Doch derlei Zweifel hielten Antonius nicht vom missionieren ab. Er befahl, daß man sein Lasttier, einen braven Esel, für drei Tage ohne Futter einsperren sollte. Nach dieser Zeit würde er in Gegenwart der ganzen Zweifler den Grauen wieder herauslassen und das ausgehungerte Tier zwischen einer Schüssel mit Hafer und einer Hostie postieren. Antonius war unerschütterlich im Glauben und seiner Überzeugung nach würde selbst der hungrige Esel in der Hostie seinen Herrn erkennen und nicht sofort losfressen. Gesagt, getan, der Esel mußte drei Tage hungern, wurde anschließend zwischen Hafer und Hostie postiert und …

neigte seinen Kopf vor der Hostie und deutete einen Kniefall an.

Wie schon gesagt: Manche Dinge muß man glauben. Aber das ist ja das Schöne daran und wenn Sie mal etwas verbummeln, dann können Sie den heiligen Antonius anrufen. Der ist nämlich ein sehr vielseitiger Patron. Achtung, aufgemerkt. Antonius beschützt neben Bäckern und Schweinehirten, auch Bergleute, Reisende und Sozialarbeiter und er ist für das Auffinden verschwundener Dinge zuständig – weswegen er auch den Spitznamen Schlampertoni trägt.

Drahtesel

Da sich das Eselbook der Pflege des Eselbegriffs verschrieben hat, ist kein wie auch immer gearteter Esel vor dem Eselbook sicher und heute ist nicht ganz ohne Grund der Drahtesel dran. Nur denken Sie mal nicht, Sie wüßten sofort worum es gehen würde. Einfach nur an das Fahrrad denken, welches teils scherzhaft als Drahtesel bezeichnet wird, dies wäre viel zu einfach. Radfahren kann jeder – ich z.B. bin in meiner Jugend mehrfach über den Harz und den Kyffhäuser und einmal sogar weiter bis nach Prag geradelt und habe zudem beste Erinnerungen an eine 700km Radtour mit Freunden durch Südfrankreich – und oft wird um die fahrbaren Untersätze ein großes Primborium gemacht. Das Besondere ist gerade gut genug und manch einer läßt sein Rad nur ungern aus den Augen. Martin z.B., unser Pianist, schiebt seinen Edelrenner zu jeder Probe zwischen allen Stuhlreihen der Bigband hindurch, um das gute Stück hinterm Piano vor Dieben zu verstecken – sicher ist sicher. Wenn er doch nur die Schuhe anbehalten würde …

Sie sehen, man kann um einen Drahtesel einen mächtigen Rummel veranstalten und vielleicht ist radfahren besser als gar kein Hobby. Nicht ganz uninteressant ist ja auch die Entwicklung des Wortes selber. Was lange Zeit Bicycle (engl.) oder  le vélocipède bicycle (franz.) genant wurde, mußte im Zuge nationaler Bewußtseinsbildung während der Weimarer Republik natürlich eingedeutscht werden und auf Drängen deutscher Radfahrvereine – ohne Verein geht hier gar nichts – setzten sich die Begriffe Fahrrad, Radfahrer und Radler zunehmend durch. Doch was ein echter Drahtesel ist, war mir bis letzte Woche noch gar nicht klar und vermutlich wäre ich in meiner Jugend auch gekränkt gewesen, wenn jemand mein schickes Rennrad als Drahtesel bezeichnet hätte – heute wäre es in meinen Ohren natürlich so etwas wie der Ritterschlag für den fahrbaren Untersatz. E S E L! Was für ein schönes Wort und hier präsentiere ich Ihnen den einzig wahren und unglaublich kunstvollen DRAHTESEL.

Das tolle Drahteseltier wurde von der Mama meiner lieben Tanzfreundin Anja in Lagos (Algarve/ Portugal) aufgenommen und wie mir scheint, taugt der deutsche Drahtesel für viel mehr als nur zwei Räder mit Sattel, Lenker und Klingel … Platz da, jetzt komm ich. Merke! Ein echter Drahtesel nervt nicht.

Ein Esel auf Rosen und kein Jubel für den Kaiser

Schön ist es Postkarten zu bekommen und ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die immer wieder, mal von hier und mal von dort, eine Postkarten im Briefkasten finden. Es sind kleine Zeichen der Freundlichkeit, schau her, du wurdest nicht vergessen und deshalb ist es auch schnurzpiepegal, woher die Postkarte kommt – die Geste zählt. Und weil solche Dinge wichtig sind, schreibe ich natürlich selber immer viele Postkarten und vergesse nie mich zu bedanken. Das ist ganz einfach, es macht die Welt immer auch ein Stück größer und ganz plötzlich wird man an Halle a.d. Saale und den Eselbrunnen erinnert. So ist das mit den Freunden die ein Wochenende in Halle verbringen, dort den Eselbrunnen bestaunen, justament an den Erik und sein Eselbook denken, eine Karte schreiben, mir eine Freude machen, mich eine Geschichte erzählen lassen (geht gleich los) und sich schon jetzt auf eine Karte aus Paris freuen dürfen – weil der Erik dort Weihnachten und Silvester verbringen wird.

Eselpostkarte Eselbrunnen Halle

Und jetzt will ich mal die Geschichte zu dem Brunnen erzählen, der auf der Postkarte zu sehen ist. Schließlich sind Eselbrunnen ziemlich selten und diesen Eselbrunnen sollte man unbedingt kennen (wenn man sich für Esel interessiert).

Foto: OmiTs/ Wikipedia entnommen.

Foto: OmiTs/ Wikipedia entnommen.

Und wie jede gute Geschichte fängt auch diese Geschichte vor vielen, vielen Jahren an, man könnte auch „es war einmal …“ schreiben. Da war ein großer König, ein Müllerbursche und ein Esel und heute, viele Jahre später, hat man dem Jungen und seinem Esel ein Brunnendenkmal errichtet. Denk mal … an den Esel und den Müllerburschen, denke mal.

Aber zuerst beginnt alles mit dem König, der damals schon Kaiser war. König Otto 1, der große Liudolfinger, lebte von 912 bis 973 und weil sonst nichts zu tun hatte, sammelte er Adelstitel wie andere Leute Schuhe (Briefmarken gab es damals noch nicht): Herzog von Sachsen, König der Ostfranken, König von Italien und am Ende gar Römisch-Deutscher Kaiser. Sein Sohn, Otto II., wurde besonders durch seine byzantinische Ehefrau Theophanu bekannt. Doch darum geht es hier nicht. Unser Otto I. wollte eine Reise unternehmen (man war damals als König viel auf Achse, zog von Ort zu Ort, von Kaiserpfalz zu Kaiserpfalz, Tilleda im Harz z.B., weil kein Landstrich auf Dauer i.d. Lage war, so einen Hofstaat längere Zeit durchzufüttern. War die Gegend leergefressen zog man einfach weiter) und zu diesem Zwecke hatte er sich die schöne Stadt Halle an der Saale als Reiseziel ausgesucht. Sie können sich ja vorstellen, wie die Stadt in Aufregung war, der Kaiser kommt, der Kaiser kommt. In Ermangelung von Tageszeitungen machte die Nachricht von Mund zum Ohr usw. schnell die Runde und weil man keinen roten Teppich zur Hand hatte, über den der König hätte reiten können, wurden massenhaft Rosenblüten auf die Wege gestreut, damit der Kaiser sich beim Einzug in die Stadt nicht verreiten würde. Doch wie so oft kam es anders als geplant, ein schlimmes Hochwasser zwang den Kaiser die Route zu ändern, die vielen Rosenblüten lagen völlig umsonst auf der Erde, also fast, und kein Volk rechts und links der Straße, was dem Kaiser zujubelnd wollte. Ach ja richtig, der kam ja auf einem anderen Weg in die Stadt eingeritten und während er dies tat und sich wegen der ignoranten Hallenser wunderte, kam ein Müllersbursch mit seinem Esel auf genau der Route daher, die der Kaiser ursprünglich hatte nehmen wollen. Muß man sich mal vorstellen: Das ganze Volk, welches auf den Kaiser wartete, säumt die mit Rosenblüten bedeckten Straßen, vom Kaiser keine Spur und dann kommt ein jungscher Kerl mit seinem Esel daher. Tolle Sache und schon damals muß die Szene nicht einer gewissen Komik entbehrt haben, und weil die Hallenser an diesem Tage einen Jubeltag fest eingeplant hatten, jubelten sie trotzdem und hießen den Müllerburschen und seinen Esel herzlich willkommen.

Eine schöne Geschichte und weil Geschichten (ich hab die natürlich etwas ausgeschmückt) immer schön sind, wurde dem Burschen und dem Esel ein Denkmal errichtet. Der ESELBRUNNEN ist wirklich ein ganz bekannter Brunnen von Halle und wer sich die Bronze von Heinrich Keiling anschauen will, der findet den Brunnen in Halle auf dem Alten Markt.

Kleiner weißer Esel – Jacques François Antoine Ibert

Die Idee zu diesem Beitrag ist musikalischer Natur und weil ich selber  musiziere – Klavier und Saxophon – höre ich natürlich gern Musik. Musik gehört einfach dazu, mit Musik geht vieles besser und natürlich ist die gemeine Kreatur oft Ausgangspunkt von Tönen und Rhythmus.

Wie komme ich nun darauf? Ganz einfach. Heute Morgen fielen mir alte Noten von Camille Saint-Saëns in die Hände, dessen Karneval der Tiere hoffentlich jeder kennt. Es beginnt mit dem MARSCH DER LÖWEN, die von HÜHNERN UND HÄHNEN gefolgt werden, bevor dann die ESEL ihren Auftritt zusammen mit GAZELLEN und ZEBRAS haben. Die SCHILDKRÖTEN sind zugleich ein Spottlied auf J. Offenbachs Can-Can und Orpheus in der Unterwelt, der ELEFANT trampelt auf Hector Berlioz „Fausts Verdammnis“ herum und Mendelssohns „Sommernachtstraum“ gerät ebenfalls unter die Elefantenfüße. Dann gibt es noch KÄNGURUS, das AQUARIUM und FOSSILIEN und sicher habe ich ein Tierchen vergessen. Doch wenn ich an Saint-Saëns denke fällt mir sofort immer auch Jacques François Antoine Ibert ein, den kennen sollte, wer Esel liebt! Er war ein franz. Komponist, der von 1890 bis 1962 lebte und von ihm stammt das Stück „Le Petit Ane Blanc“ (Kleiner Weißer Esel). Ibert orientierte sich musikalisch ganz sicher am Neoklassizismus, seine Kompositionen sind sehr geschliffen und voller Eleganz, was leider wie ich finde zu Lasten der Tiefe geht. Da ist irgendwie kein Leben drin – na ja, halt Neoklassizismus. Aber egal, wir verdanken ihm ein Eselstück und dies kann man gar nicht hoch genug wertschätzen.

Ich hab sogar ein Bild von einem kleinen, weißen Esel gefunden.

Weißer esel

So kam ich heute über die Musik … auf den Karneval der Tiere und von dort zu einem kleinen, weißen Esel. Ganz einfach. Und so klingts: Kleiner Weißer Esel

 

Eselbild von Anna Nordgren und Grüße aus Schweden

Komischerweise muss ich beim Anblick eines Esels zuletzt immer an unseren Erik denken … Liebe Grüße vom extrem stürmischen Vättern See!

Anna Nordgren (1847-1916), Bretagniska på åsna, gemalt 1887

Anna Nordgren (1847-1916), Bretagniska på åsna, gemalt 1887

Es war ein Urlaubsgruß meiner lieben Freunde Christine & Gregor, die gerade in Schweden Urlaub machen und dabei wohl an mich denken mußten. Dies zu spüren ist ein großes Glück und manchmal reicht selbst der kleinste Gruß, ein Bild, eine Nachricht. Ganz einfach und schön und wichtig.

Und außerdem habe ich auf diesem Wege auch von der schwedischen Künstlerin/ Malerin Anna Nordgren erfahren, die mir schon wegen dieses Bildes sehr sympathisch ist. Bildern mit Eseln gehört meine ganze Aufmerksamkeit … ok, ich übertreibe mal wieder. Aber es ist ein schönes Bild und jetzt weiß ich, wer Anna Nordgren war.

Die Bremer Stadtmusikanten – ein Märchen mit Esel

Illustrationen von Werner Klemke, Kinderbuchverlag Berlin, 1963, S. 454

Illustrationen von Werner Klemke, Kinderbuchverlag Berlin, 1963, S. 454

Es hatt ein Mann einen Esel, der schon lange die Säcke unverdrossen zur Mühle getragen hatte, dessen Kräfte aber nun zu Ende gingen, so daß er zur Arbeit immer untauglicher ward. Da dachte der Herr daran, ihn aus dem Futter zu schaffen, aber der Esel merkte, daß kein guter Wind wehte, lief fort und machte sich auf den Weg nach Bremen: Dort, so meinte er, könne er Stadtmusikant werden.

Illustrationen von Werner Klemke, Kinderbuchverlag Berlin, 1963, S. 454

Illustrationen von Werner Klemke, Kinderbuchverlag Berlin, 1963, S. 454

Gute Idee wie ich finde. Mit Straßenmusik Geld verdienen ist genau das, was ich auch vorhabe, um die spätere Rente aufzubessern. Der Esel lief also los und kurze Zeit später traf er auf einen alten Jagdhund, der altersbedingt nicht mehr richtig jagen konnte. Die beiden wurden sich fix einig und schon gingen sie gemeinsam des Wegen, dem sich noch eine alte Katze und ein Hahn, dem der Kochtopf drohte, anschlossen … schon war es eine kleine Kapelle. Der Esel wollte die Laute spielen, für dem Hund waren die Pauken, was die Katze darbieten sollte ist nicht überliefert und der Hahn mußte natürlich singen.

Im Wald, als sie ein Nickerchen machen wollten, entdeckten sie ein schönes Haus, darin Räuber beim Abendbrot, und weil unsere Bremer Stadtmusikanten hungrig waren und einen guten Schlafplatz suchten, vertrieben sie die bösen Räuber aus dem Haus, verputzten die ganzen Lebensmittel und legten sich gemütlich schlafen.

Illustration von Werner Klemke, in " Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm", Kinderbuchverlag Berlin, 1963, S. 454

Illustration von Werner Klemke, in “ Die Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm“, Kinderbuchverlag Berlin, 1963, S. 454

Es geht dann noch ein wenig weiter, weil ein Räuber zurückkam und nachschauen sollte, vor wem man da Reißaus genommen hatte. Doch auch diese Hürde nahmen die vier Weggefährten und am Ende war alles gut.

Und das Märchenbuch mit Illustrationen von Prof. Werner Klemke (1917-1994) ist für mich eine der schönsten Kindheitserinnerungen. Sein Nachlaß übrigens ging ans Klingspor-Museum in Offenbach am Main.

 

Gesners Esel – das Eselbook unternimmt einen Ausflug in die Kulturgeschichte des Esels

Wer sich für Esel interessiert, oder so wie ich auf den Esel gekommen ist, wird vielleicht die folgende Abbildung kennen.

Gesners Esel

Der etwas zu langestreckte Esel mit der Löwenmähne und den zu kurzen Ohren. Ein Holzschnitt, den der berühmte schweizer Gelehrte Conrad Gesner vor rund 451 Jahren zur Illustration der Abhandlung über den Esel benutzte, und bevor das Eselbook sich mit dem dazugehörigen Textteil beschäftigen wird, werfen wir doch kurz einen Blick auf den Arzt und Naturforscher, Altphilologen und Künstler, den in der Schweiz jedes Kind kennt, dem man im Botanischen Garten von Zürich ein kleines Denkmal setzte, dessen Konterfei die 50-Franken-Banknote ziert und der neben dem berühmten Thierbuch von 1565 auch noch ein Buch über die Fische und eins über Vögel schrieb. Fische, Vögel und Tiere, eine erste Systematik (die sich natürlich an den Schriften von Aristoteles orientierte) und postum kamen noch Schlangen und Insekten dazu.

Gesner

Conrad Gesner (1516 bis 1565) – manchmal mit doppeltem ss oder ß geschrieben – nutze für seine Schriften nicht ausschließlich antike Aufzeichnungen und Erzählungen dem Hörensagen nach, sondern setzte auf seine eigenen Naturbeobachtungen, die er sorgfältig niederschrieb. Bebildert sind die Bücher mit ausgesuchten Holzschnitten – so finden sich z.B. Dürers Rhinocerus

Dürrers Rhino

und Breidenbachs Giraffe – und weil Gesner selber ganz wunderbar zeichnen konnte, stammen viele der Abbildungen von ihm selber. Ob der Esel von ihm ist, weiß ich aber nicht.

Gesner war jedenfalls ein echtes Universalgenie. Die Gründung des ersten botanischen Gartens der Schweiz geht auf ihn zurück, er legte Pflanzensystematiken an, galt als guter Arzt und noch 300 Jahre später war sein Werk die Arbeitsgrundlage für Charles Darwin. Und wer sich für Pflanzen interessiert, wird vielleicht die Gesneriengewächse kennen, die Charles Plumier in Erinnerung an Conrad Gesner benannte (C. von Linné machte daraus dann etwas später die Gattung Gesneria). Conrad Gesner starb im Alter von 49 Jahren an der Pest. Doch weil sein berühmtes Thierbuch eine ausführliche Abhandlung über den Esel beinhaltet, die in Kürze hier näher vorgestellt wird, sollte Gesner auf jeden Fall im Eselbook erwähnt werden.