Die Bestie des Gévaudan – Teil 3

Rückblick: Die Bestie wütet und greift scheinbar wahllos und an unterschiedlichen Orten immer wieder Menschen an. Frauen, Kinder und Männer, niemand ist sicher vor ihr, nirgendwo. Doch wer oder was versetzte hier ein ganzes Land in Angst und Schrecken? War es ein Wolf, ein Hund oder gar ein Bär?

Die Bestie als Kunstwerk in Langogne

Niemand war sicher in dieser Zeit und selbst in den eigenen Gärten und den Straßen der Ortschaften schlug das Ungeheuer gnadenlos zu. So auch im Januar 1765, als der kleine Jean an einem kalten Wintertag mit einer ganzen Gruppe anderer Kinder unterwegs war. Gemeinsam gingen die sieben Jungs nach der Dorfschule zu den Viehweiden, als sie im Bergland von Margeride (Auvergne-Rhone-Alpes) angegriffen wurden. Lange wehrten sich die Kinder mit ihren Stöcken und Mistgabeln gegen das Ungeheuer, doch es gelang der Bestie, den kleinen Jean Veyrier zu packen und ins Sumpfland zu verschleppen. Doch an diesem Tag sollte es kein Opfer geben. Jacques Portefaix, der Anführer der Jungs, steckte die Bande mit seiner Tapferkeit an und gemeinsam verfolgten sie die Bestie. Immer und immer wieder stachen und schlugen die mutigen Jungs auf das Tier ein und es gelang ihnen, den nur leicht verletzten Jean zu befreien, der mit einer Wunde am Arm davonkam.

Nur was hatten die Jungs da für ein Tier gesehen? Gegen was für eine Bestie hatten sie gekämpft? Wölfe und Bären werden die Dorfkinder (vielleicht nur aus Erzählungen) sicher gekannt haben und mit Hunden dürften alle von ihnen vertraut gewesen sein. Gibt es überhaupt Hunde, die einen erwachsenen Menschen (was mehrfach passiert ist) über viele Kilometer hinweg verschleppen können? Welcher Hund ist in der Lage einem Menschen den Kopf abzubeißen? 15 Opfer wurden regelrecht geköpft. Hatte ein Seefahrer ein gezähmtes, bis dahin unbekanntes Tier aus Afrika mitgebracht und böse abgerichtet?

Heute geht man von ziemlich genau 100 Todesopfern und 80 Verletzten aus. Von 1764 bis 1767 wütete die Bestie im Gebiet des Gevaudan/ Departement Lozere und weil man immer wieder Tiere erlegte, die direkt mit Übergriffen in Verbindung gebracht werden konnten, gehen Historiker heute davon aus, daß mehrere Tiere an den Angriffen beteiligt waren. Womit auch die Theorie ausscheidet, es könne sich um ein einzelnes, von einer Reise mitgebrachtes Raubier handeln. Zumal man heute weiß, daß sich Wildtiere – Hyänen und Hyänenhunde, Wölfe, etc. – zwar zähmen, aber nicht in dieser Form abrichten lassen. Sie bleiben scheu und eher ängstlich und deshalb bleibt ungewiß, welche Bestie/ oder Bestien hier so viele Menschen tötete(n). Das National Geographic vertrat die Hypothese, es könne sich um einen aus Gefangenschaft entkommenen männlichen Löwen handeln.

Und während der Bischof von Mende, ein rückwärtsgewandter Mann, die Bestie des Gevaudan als Geißel Gottes beschrieb und den Leuten von der Kanzel herab vom Zorn Gottes predigte, schickte der König seine Jäger, später eine ganze Einheit seiner Dragoner und im Februar 1765 wurde die größte Treibjagd aller Zeiten organisiert: 20.000 Jäger und Soldaten, dazu zahlreiche für kurze Zeit bewaffnete Bauern, Treiber und natürlich Hunde. Interessant ist, daß die Bestie aufgestöbert wurde und dennoch entkam. Ein kluges Tier?

Wölfe, die oft im Verdacht standen, wurden mehrfach erlegt und ein besonders großes Exemplar wurde ausgestopft im Königspalast in Versailles ausgestellt. Doch es half alles nicht, die Angriffe gingen weiter, bis am 19. Juni 1767 ein großes Tier erschossen wurde.

Was für ein Tier? Das ist bis heute nicht geklärt.

 

 

 

Eselsdistel – Æselfoder

Das schönste Mitbringsel aus Dänemark für das Eselbook ist natürlich ein Tütchen mit Æselfoder.

Was man aber nicht all zu wörtlich nehmen darf. ONOPORDUM, so der lat. Gattungsname, wurde durch Carl von Lenné festgelegt und er bedeutet so viel wie Eselblähung. Denn schon der Römer Plinius hatte davon gesprochen, daß diese Pflanze den Eseln schlimme Winde im Bauch machen würde. Also wurde bei Lenné aus Ônos (griechisch f. Esel) und Porde (griechisch f. Wind oder Blähung) Onopordum, die Distel, die den Eseln Blähungen macht. Ich möchte an dieser Stelle aber darauf hinweisen, daß ich meinen lieben Narzisse nie eine Distel hab fressen sehen … und der hat wirklich kaum eine Pflanze verschont. Gefurzt hat er aber viel.

Die Eselsdisteln sind meistens nur zweijährig. Im ersten Jahr wird eine flache, bodennahe Rosette ausgebildet, die sich im zweiten Wuchsjahr zu erstaunlicher Größe entwickeln kann. Oft erreichen sie eine Höhe von 2 metern und mehr, die Blütenstände sind stark verzweigt und auch der Durchmesser beträgt häufig einen Meter und mehr.

Die Gewöhnliche-Eselsdistel wird häufig auch als Gemeine-Eselsdistel, Wolldistel (wegen der baumwollartigen Samen) oder Krebsdistel bezeichnet und die Systematik sieht wie folgt aus: Ordnung: Asterales (Asternartige), Familie: Asteraceae (Korbblütler), Gattung: Onopordum (Eselsdisteln), Art: Acathium (Gewöhnliche Eselsdistel), Wissenschaftl. Name: Onopordum acanthium L.

In Schottland genießt die Distel hohes Ansehen. Denn als die kriegerischen Wikinger den Schotten bei Nacht und Nebel in den Rücken fallen wollten, trat einer der barfüßigen Nordmänner auf eine Distel und brüllte vor Schmerz laut auf. Die Schotten waren sofort alarmiert, fix schlüpften sie in ihre Röcke und hauten den Wikingern ordentlich eins drauf. Aus diesem Grund zierte eine Eselsdistel viele Jahre die Rückseite der 1-Pfund-Münze und mit dem Order of the Thistle (Schottischer Ritterorden) steht eine der höchsten Auszeichnungen im Zeichen der Distel … der Eselsdistel.

Abrafaxe

Sie waren die Helden meiner Kindheit und selbst heute, nach 42 Jahren, schaue ich gern in die Hefte, wenn diese mir irgendwo in die Hände fallen. Ja und vorgestern war so ein Tag. Ich war auf dem Rückweg von einer Dienstreise und kurz hinter dem schönen Örtchen Plau am See machte ich im Antik Café (einer Kombination aus Antikmarkt und Café) eine kurze Kaffeepause. Zuerst suchte ich mir einen schönen, alten, roten Holzklappstuhl aus, dann einen hübschen Blumenständer im 50er Jahrelook und als ich auf dem Weg zum Café einen Stapel Abrafaxe-Hefte entdeckte, griff ich mir den Stapel und machte es mir gemütlich – was im Antik Café kein Problem ist. Und während ich auf meinen Essen wartete, blätterte ich in den Comics, die inzwischen als längster Fortsetzungscomic der Weltgeschichte sogar im Guinnes-Buch der Rekorde stehen. Der einzige Unterschied zu früher ist, daß ich heute nicht mehr Zeile für Zeile lese und mittels der Helden gedanklich durch Welt und Geschichte reise, sondern interessiert schaue, ob ich nicht hier und da einen Esel entdecken würde. Hier ein Bsp. meiner Ausbeute. Es wären sicher noch ein paar Esel mehr geworden, doch dann kam das Essen und ich mußte ja auch weiter nach Hause fahren.

Abbildung: Mosaik Nr. 3/ 1981 „Der Trank des Vergessens“, S. 18

Das Mosaik erschien damals als „Bilderzeitschrift“ und wurde vom Zentralrat der FDJ herausgegeben. Unter d. Lizens-Nr. 1233 des Presseamtes wurde es beim Vorsitzenden des Ministerrates der DDR veröffentlicht. Ausgezeichnet mit einer Goldmedaille der Pionierorganisation, erscheint die Zeitschrift bis heute monatlich im VERLAG JUNGE WELT, Berlin. Der Abonnementspreis war 1,80 M. Verlagsdirektor war damals Manfred Rucht, Chefredakteur W. Altenburger und künstler. Leiter Lothar Dräger wurde 89 Jahre alt. Er verstarb 2016. Gestaltet wurde das Mosaik damals vom Mosaik-Kollektiv J. Arfert, I. Behm, H. Boche, B. Lehmann, E. Reitzl, Lona Rietschel (sie gilt als die Schöpferin der Hauptfiguren. Frau Rietschel verstarb 2017), H. Sott, U. Stephans, I. Wittig und S. Zahl. Gedruckte wurde in Dresden bei: Grafischer Druckbetrieb Völkerfreundschaft Dresden.

Bis heute gibt es die Geschichten und Abenteuer von Abrax, Brabax und Califax – zusammen sind sie die ABRAFAXE – jeden Monat neu zu kaufen. Die drei kleinen, koboldähnlichen Helden reisen auf der Welt und in der Weltgeschichte umher und ich verdankte ihnen und ihren Vorgängern, den DIGEDAGS von Hannes Hegen, damals einen Großteil meines Geschichtswissens und der geographischen Kenntnisse. Denn im Gegensatz zum normalen DDR-Bürger konnten die Abrafaxe sich ungehindert überall hin begeben. Heute ist das Mosaik mit 70.816 (Wikipedia) die auflagenstärkste Comiczeitschrift aus deutscher Produktion (im Feb. diesen Jahres überholte das Mosaik sogar das Micky Maus-Magazin) und ein Großteil der Leser und Leserinnen ist wohl älter als 30 Jahre. Ich vermute mal, daß derart schöne und intelligente Lese-Comic-Unterhaltung heutzutage mehr etwas für Erwachsene ist, während sich Kinder und Jugendliche mehr mit dem Telefon befassen.

Und so sahen und sehen die ABRAFAXE aus. Heft 1 der Serie von 1976. Hab ich natürlich gesammelt.

ABRAFAXE Heft 1 von 1976

Und wie gesagt, auch Eselfreunde kommen auf ihre Kosten.

Abbildung: Mosaik Nr. 9/ 1980, S. 5

Abbildung: Mosaik Nr. 7 von 1980, S. 3

 

Alles Gute zum Geburtstag

Das Eselbook gratuliert zum Geburtstag! Nur warum und wem, werden sich einige Leserinnen und Leser fragen und nichts macht mehr Freude, als dieses Rätsel aufzulösen. Als ich nämlich vor zwei Jahren zu meiner langen Eselwanderung aufbrach, hatte meine gute Freundin Anja (zusammen mit ihrem Matthias) die Idee zu diesem Blog. Ohne Anja und Matthias würde es das Eselbook überhaupt nicht geben, die beiden haben es sich ausgedacht und für mich eingerichtet, und niemand würde von meinen Abenteuern mit Esel Narzisse Kenntnis haben, wenn sie nicht gewesen wären. Und weil alle beide erst kürzlich ein Jahr älter geworden sind, gratuliert das Eselbook in aller Öffentlichkeit zum Geburtstag. Alles, alles Gute.

Danke für das Eselbook, bleibt gesund, glücklich und froh.

Die Bestie des Gévaudan – Teil 2

Rückblick: Zu unwirklich klangen die Berichte und niemand hier konnte sich erinnern, jemals von auch nur einem annähernd ähnlichen Vorfall gehört zu haben. Doch jetzt hatte die Bestie ihr erstes, verbürgtes Opfer gerissen und das Grauen nahm seinen Lauf – Bete du Gévaudan.

Die kommenden Wochen und Monate zeigten schnell, daß der grauenhafte Mörder sein schreckliches Treiben nicht einfach aufgeben würde. Immer wieder kam es zu Angriffen und ein ganzes Departement – die Angriffsorte wechselten stark – war in Aufruhr, Angst und Schrecken versetzt. Klar war inzwischen nur: Der Mörder war kein Mensch sondern eine Bestie, wie man sie vorher noch nie gesehen hatte.

Abbildung Wikipedia.

Die einen sahen ein Tier von der Größe eines jungen Rindes, andere eine Art Raubtier mit rötlichem Fell auf dem Rücken und einem hellen Bauch. Mal mit dunklen Streifen an der Seite, dann wieder Flecken, buschiger Mähne und einer üppigen Schwanzquaste. Der Kopf riesig und flach auf der Oberseite, gedrungen die ganze Gestallt und stark wie ein Bär. Welches Tier  kann denn schon erwachsene Männer über eine weite Strecke verschleppen? Fährtensucher und Jäger konnten aus den Spuren lesen, daß die Bestie zu Sprüngen von fast 9 metern Weite in der Lage war und ihre schrecklichen Rufe wurden als „fürchterliches Bellen“ beschrieben.

Abbildung Wikipedia.

Oft griff die Bestie innerhalb von wenigen Tagen in ein und derselben Region mehrfach Menschen an, dann gab es mal längere und dann wieder kürzere Pausen, bevor das Grauen anderenorts weiterging. Und weil man die Bauern wegen der Kamisarden-Aufstände auf Befehl es Königs hin all ihrer Gewehre beraubt hatte – sogar die Schwerter waren von den Soldaten konfisziert worden – waren die Menschen zu ihrer Verteidigung nun auf ihre bäuerlichen Gerätschaften, Knüppel und Messer angewiesen.

Nur gegen wen oder was mußten sie sich da verteidigen? Was war das für ein Ungeheuer?

Für heute geht das Eselbook ins Wochenende. Bis bald.

Die Bestie des Gévaudan – Teil 1

Von einer wahren Geschichte des Grauens, einem Krimi und anderen spannenden Dingen, denen man unweigerlich begegnet, wenn man auf dem Stevenson Weg unterwegs ist.

Foto: Eselbook. Darstellung der Bestie in Langogne.

Der 30. 6. 1764 war ein kühler Tag, ein Sonnabend, und die junge, vierzehn Jahre alte Hirtin Jeanne Boulet eilte um nach Hause zu kommen. Die ganze Woche über hatte sie mit den Tieren auf den Weiden verbracht und nun freute sie sich auf den freien Sonntag, ein Bad mit warmem Wasser und das Abendbrot im Kreise der ganzen Familie. Mutter hatte sicher schon das hübsche Kleid für den morgigen Gottesdienst herausgelegt und Vater würde bestimmt eine Kleinigkeit spendieren, wenn sie alle aus der Kirche kamen. Schnellen Schrittes eilte sie in Richtung Saint-Étienne-de-Lugdarès, wo sie sich sicher fühlen konnte. Zu gut noch hatte sie die schrecklichen Berichte eines Händlers aus Saint-Flour-de-Mercoire im Gedächtnis, der von einem brutalen Überfall auf eine Hirtin sprach.  Die Frau war nie zu Hause angekommen und man hatte ihren grauenvoll zugerichteten Körper später im Wald aufgefunden. Ängstlich blickte sie sich um und lief schnell weiter in Richtung Dorf. Noch ein paar Biegungen und hinter dem nächsten Hügel könnte sie bereits den Kirchturm sehen. War sie wirklich allein hier draußen? So allein hier draußen fühlte sie sich plötzlich unwohl und beobachtet. Ein Frösteln jagde ihr über die Schultern den Rücken hinab, als sie für einen letzten, kurzen Moment einen Schatten auf dem sandigen Weg erkennen konnte. Ein gewaltiger Schatten, der sie packte und zu Boden riß.

Foto: Eselbook. Darstellung d. Bestie an einer Hauswand in Luc.

Am nächsten Tag fanden Bauern die ins Haut-Vivarais verschleppte und verstümmelte Leiche des Mädchens. Kaum wiederzuerkennen, zerfleischt und teilweise aufgefressen. Schlimmer als alles bisher Dagewesene. Bis zu diesem Tage hatte niemand den Schreckensmärchen der Leute aus Saint-Flour-de-Mercoire so richtig Glauben schenken wollen. Zu unwirklich klangen die Berichte und niemand hier konnte sich erinnern, jemals von auch nur einem annähernd ähnlichen Vorfall gehört zu haben. Doch jetzt hatte die Bestie ihr erstes, verbürgtes Opfer gerissen und das Grauen nahm seinen Lauf – Bete du Gévaudan.

Hier endet für heute Teil 1 der Geschichte und ich gebe unumwunden zu, die historisch überlieferten Fakten etwas ausgeschmückt zu haben. Doch die Namen, Orte und zeitlichen Fakten, die Sache an sich und selbst die pathologischen Befunde sind wahr und gut dokumentiert.

 

 

 

Allen Menschen kann man es nicht recht machen

Aus „Die schönsten Fabeln“ von Oldrich Syrovatka, illustriert von Jiri Trnka,  Artia Verlag Prag, 1962, 92 Seiten.

Ein Müller beschloß, seinen Esel zu verkaufen. Damit aber das Eselein auf sem Weg nicht müde werde und auf dem Markt hübsch munter sei, trugen der Müller und sein Sohn ihn huckepack auf ihren Schultern. Sie gingen langsam, Schritt für Schritt, seufzten und stöhnten unter der schweren Last. So begegneten sie einem Wanderer. Als dieser sie erblickte, brach er in lautes Gelächter aus.

Was seh ich da für eine Narretei? rief er. Was ist das doch für ein Einfall, sich so mit einem Esel abzurackern, zu schinden und anzustrengen! Das habe ich mein Lebtag noch nicht gesehen.

Da sagte der Müller zu sich: Er hat recht. Wozu sich mit dem Esel abmühen? Er setzte seinen Sohn auf ihn und so zogen sie weiter auf dem Weg zur Stadt.

Tja, so kann es gehen. Erst schleppt man selber den Esel, was wirklich ziemlich blöde ist, dann kommt ein Kerl und lacht einen aus und schon sitzt  der Bengel auf dem Esel. Dann kommt ein weiterer Wanderer der wir verrückt schimpft, weil der Junge reitet und der alte Herr laufen muß. Also wechselt man wieder die Positionen und kaum sitzt man selber auf dem Esel, kommt ein junges Frollein daher und schimpft einen aus, weil der unglückliche Knabe sich im Staube der Straße dahinschleppen muß, währen man selber protzig auf dem Esel sitzt. Es ist nicht zum aushalten … komm mein Sohn, setzen wir uns beide auf den Esel und reiten gemeinsam bis zur Stadt. Und nun kommt was kommen mußte. Der nächste Wanderer ist ein Tierschützer dem das Wohl des Esels am Herzen liegt. Was seid ihr doch für herzlose Menschen. Das arme, schwache Tier kann sich ja kaum noch auf den Beinen halten. Tja, man kann es wirklich nicht allen Leuten recht machen.

Ischka und Milka

Nach einem Wasserschaden waren wir gezwungen, große Teile der Wohnung umzuräumen, neu zu sortieren und gleichzeitig zu überlegen, an welchen Dingen das Herz hängt und welche Sachen vielleicht doch wegkönnen. Unzählige Bücher haben wir an Stadtteilbibliotheken und Lesecafes abgegeben und während wir so über den Kisten hockten um die Bestände zu sichten, fanden sich immer wieder alte Schätzchen und liebgewonnene Kindheitserinnerungen. Oft waren es die ersten, eigenen Bücher, die wir selber ohne elterliche Hilfe gelesen hatten. „Ein Teufel namens Fidibus“, „Ponny Pedro“, „Vierbeinige Freunde“ von Vera Tschaplina (ich wollte damals auch unbedingt einen kleinen Löwen zu Hause haben) und dann ist da noch dieses Büchlein im roten Leinen mit dem Eselchen vorne drauf: „Menschen und Tierkinder“ von Olga Perowskaja.

Die Ferien begannen. Als meine Schwestern und ich heimkamen, waren alle im Gemüsegarten. Wir liefen schnell hin und zeigten unsere Zeugnisse. Darauf stand MIT AUSZEICHNUNG! Tüchtige Mädels, lobte die Mutter. Dafür müssen Vater und ich euch etwas schenken. Was meinst du, Vater? Sonja stieß mich verstolen mit dem Ellenbogen an: Sagˋs jetzt …

Ich hüstelte vor Aufregung und brachte hervor: Wir brauchen keine Geschenke.

Nanu, wieso denn?

“Das heißt, wir brauchen schon, gebt uns jedem einen Rubel, und so jedes Jahr, wenn wir mit Auszeichnung versetzt werden. Wir sparen nämlich für einen Esel.

(…)

Vater steiß den Spaten in die Erde, richtete sich auf und kramte in seinen Taschen. Ich sehe, ihr habt die Sache solide aufgezogen. Da möchte ich Teilhaber werden. Hier sind noch fünf Rubel. Das ist mein Beitrag. Nehmt eure Kröten und heidi auf zum Viehmarkt.

Olga Perowskaja, „Menschen- und Tierkinder“, mit Zeichnungen von W. Watagin und I. Godin, übersetzt von Leoni Labas, Progress Verlag, Moskau 1966, 264 Seiten.

Eselwanderung 2018 – von Le Pont de Montvert nach Cassagnas – Tag 1

Marie-Ange von Le Mas Des Anes hat uns eine große Freude gemacht. Sie hat uns, zusammen mit Esel Narzisse, bis nach Le Pont de Montvert gefahren und nun sind wir, diesmal ist meine Freundin mit dabei, endlich wieder gemeinsam unterwegs. Ich weiß nicht, wie ich dieses Gefühl richtig beschreiben kann und es mag vielleicht komisch klingen, doch ich bezeichne diesen Esel als meinen Freund.

Also stehen wir wieder gemeinsam nah bei der berühmten Brücke und bereiten uns auf die nächsten zwei Tage vor. Was im Klartext bedeutet, daß der Esel erstmal alles frißt was sich nicht Geranie nennt. Anschließend stellt er sich vor den Gemüse- und Gemischtwarenladen in der Voie Communale le Quai, tut niedlich und bekommt sofort ein ganze Tütchen voll frischer Möhren geschenkt. Was ich selbstverständlich auch sofort ausprobiere, doch im Gegensatz zum Esel muß ich den Tavel (Rosé) und alle anderen Dinge bezahlen. Die Welt ist ungerecht.

Schnell noch einen Espresso und dann geht es los. Narzisse folgt mir wie ein Hündchen über den Fluß. Gott habe ich den Burschen vermißt. Ob er auch weiterhin so brav läuft? Lassen wir uns überraschen.

Le Pont-de-Montvert war ein Zentrum der 1702 beginnenden Kamisardenkriege in den Cevennen. Nach der Ermordung des katholischen Inquisitors Abbé Chayla, der hier – zusammen mit seiner ganzen Polizeitruppe – erschlagen worden war, ließ man Pierre Séguier, einen Anführer der Kamisarden, am 12. August 1702 genau hier unterhalb des Brückenturms auf dem Scheiterhaufen hinrichten, woraufhin das Unheil seinen Lauf nahm. Die mehrheitlich protestantischen Hugenotten (Camisards) in den Cevennen, die sich bereits im 16. Jh. der Reformation angeschlossen hatten, und die seit der Rücknahme des Edikts von Nates 1685 einen schwelenden Partisanenkrieg gegen Ludwig XIV. und sein Edikt von Fontainebleau führten, erhoben sich gegen den König und am Ende des Krieges waren die Cevennen weitgehend entvölkert. Und warum? Nur weil ein despotischer Herrscher seinem Volk Vorschriften in Sachen Glauben machen wollte. So etwas ist immer Mist.

Forschen Schrittes überqueren wir den Tarn auf der zweibogige Brücke aus dem 17. Jahrhundert, biegen einmal links ab und machen ein Erinnerungsbild vor der Auberge des Cevennes, wo Robert L. Stephenson während seiner Wanderung zu Mittag aß.

ACHTUNG! Die Wanderung beginnt. Vor uns liegen gut 18 km bis Cassagnas/ Le Mimentois. Wer das Espace Stephenson zum Ziel hat, muß noch 2,5 km weiter. Man sollte auf jeden Fall mit 10 Stunden für den Weg rechnen und auf keinen Fall darf man Getränke und Verpflegung für unterwegs vergessen, weil es keine Einkaufsmöglichkeit gibt. Wegzeit ca. 10 Stunden, unbedingt Getränke/ Verpflegung mitnehmen)

Fast direkt gegenüber der Auberge des Cévennes führt ein schmaler Weg aus dem Städtchen heraus, nach wenigen Metern kommen Sie zu einer kleinen Koppel-Tür und direkt dahinter beginnt der Stephensonweg GR72. Stetig geht es bergauf und Sie haben eine schöne Aussicht auf die Stadt mit der berühmten Doppelbogenbrücke aus dem 17. Jh. über den Tarn.

Achten Sie einfach auf die weiß-roten Wegmarken und gönnen Sie sich und dem Esel während des Anstiegs auch mal eine kleine Pause.

Nach ca. drei Kilometern kommen Sie an eine Weggabelung, wo es in beiden Richtungen nach Florac geht.

Hier gehen Sie unbedingt links in Richtung Cassagnas, weiter auf dem GR72. Es folgt ein schönes Waldgebiet mit kleinen Bächen, wo man gut ein Picknick machen kann.

Picknick ist immer gut. Gleich mal schauen, was es zu futtern gibt. Nichts ist interessanter als die Taschen mit den Lebensmitteln. Und irgendwo sind doch die Wiesenbussies versteckt …

Nur dehnen Sie die Pausen nicht zu sehr aus. Der schwierige Teil des Weges liegt noch vor Ihnen.

Wenn Sie aus dem Wald herauskommen, stoßen Sie auf die D20. Gehen Sie nach links über die Brücke und bleiben Sie für ca. 500 Meter auf der Straße. Bevor die D20 in einer weiten Linkskurve abbiegt, führt auf der rechten Seite ein Weg bergauf in den Wald. Das ist Ihr Weg. Versuchen Sie langsam aber stetig den langen Anstieg zu meistern. Der Weg ist leicht zu finden. Nach einem km kommt auf der rechten Seite ein kleines Anwesen und Sie laufen geradeaus weiter.

Schwierig wird es kurz vor dem Col de la Planete, wo Sie an einer Wegkreuzung links abbiegen müssen. Sie erkennen die Stelle leicht an dem Gedenkstein für Raymond Senn.

Für eine kurze Strecke laufen Sie jetzt auf dem GR68.

Am Col de la Planete nehmen Sie den ersten Weg rechts, weiter auf dem GR72 in Richtung Cassagnas.

(Hier n. eine etwas größere Übersicht)

Es sind jetzt noch etwa 9 km und es geht nicht mehr bergauf. Achten Sie einfach auf die weiß-roten Wegmarken und schon bald gelangen Sie zum Col du Poulio, wo Sie sich zweimal rechts halten müssen. 

Nach ca. 500 Metern geht auf der linken Seite, zu erkennen an einem großen Baum mit der weiß-roten Farbmarke und einem Holzpfahl mit einem kleinen Schild daneben, ein schmaler Weg nach unten in den Wald.

Diesen Weg müssen Sie unbedingt finden und nehmen. Es ist ein schöner, romantischer Weg, der Sie am Ende mit einer tollen Aussicht belohnt.

Jetzt kommt der schwierige Abstieg nach Cassagnas. Für einige hundert Meter liegen viele, lose Steinplatten auf dem Weg und es wird für den Esel sehr schwierig zu laufen. Helfen Sie dem Tier einen besseren Tritt im Gras neben dem Weg zu finden. Lassen Sie dem Tier Zeit für ein eigenes Tempo. Schon bald erreichen Sie die Dorfkirche von Cassagnas. Gehen Sie abwärts bis zur D62, Sie müssen sich rechts halten (weiter parallel zur N106) und in einer Rechtskurve verlassen Sie die D62 nach links. Le Mimentois ist ausgeschildert und Sie sind nur noch wenige Schritte von einer der schönsten Unterkünfte entfernt. Hofhund Lola bellt nur aus Freude.

Wenn Sie auch solch eine schöne Wanderung mit einem Esel, oder zusammen mit Freunden in einer größeren Gruppe und mehreren Tieren, erleben möchten, dann nehmen Sie ruhig Kontakt zu Marie auf. Sie spricht sehr gut Deutsch und Englisch. Marie-Ange Benoit: Le Mas Des Anes.