Eselwanderung 2018 – von Le Pont de Montvert nach Cassagnas – Tag 1

Marie-Ange von Le Mas Des Anes hat uns eine große Freude gemacht. Sie hat uns, zusammen mit Esel Narzisse, bis nach Le Pont de Montvert gefahren und nun sind wir, diesmal ist meine Freundin mit dabei, endlich wieder gemeinsam unterwegs. Ich weiß nicht, wie ich dieses Gefühl richtig beschreiben kann und es mag vielleicht komisch klingen, doch ich bezeichne diesen Esel als meinen Freund.

Also stehen wir wieder gemeinsam nah bei der berühmten Brücke und bereiten uns auf die nächsten zwei Tage vor. Was im Klartext bedeutet, daß der Esel erstmal alles frißt was sich nicht Geranie nennt. Anschließend stellt er sich vor den Gemüse- und Gemischtwarenladen in der Voie Communale le Quai, tut niedlich und bekommt sofort ein ganze Tütchen voll frischer Möhren geschenkt. Was ich selbstverständlich auch sofort ausprobiere, doch im Gegensatz zum Esel muß ich den Tavel (Rosé) und alle anderen Dinge bezahlen. Die Welt ist ungerecht.

Schnell noch einen Espresso und dann geht es los. Narzisse folgt mir wie ein Hündchen über den Fluß. Gott habe ich den Burschen vermißt. Ob er auch weiterhin so brav läuft? Lassen wir uns überraschen.

Le Pont-de-Montvert war ein Zentrum der 1702 beginnenden Kamisardenkriege in den Cevennen. Nach der Ermordung des katholischen Inquisitors Abbé Chayla, der hier – zusammen mit seiner ganzen Polizeitruppe – erschlagen worden war, ließ man Pierre Séguier, einen Anführer der Kamisarden, am 12. August 1702 genau hier unterhalb des Brückenturms auf dem Scheiterhaufen hinrichten, woraufhin das Unheil seinen Lauf nahm. Die mehrheitlich protestantischen Hugenotten (Camisards) in den Cevennen, die sich bereits im 16. Jh. der Reformation angeschlossen hatten, und die seit der Rücknahme des Edikts von Nates 1685 einen schwelenden Partisanenkrieg gegen Ludwig XIV. und sein Edikt von Fontainebleau führten, erhoben sich gegen den König und am Ende des Krieges waren die Cevennen weitgehend entvölkert. Und warum? Nur weil ein despotischer Herrscher seinem Volk Vorschriften in Sachen Glauben machen wollte. So etwas ist immer Mist.

Forschen Schrittes überqueren wir den Tarn auf der zweibogige Brücke aus dem 17. Jahrhundert, biegen einmal links ab und machen ein Erinnerungsbild vor der Auberge des Cevennes, wo Robert L. Stephenson während seiner Wanderung zu Mittag aß.

ACHTUNG! Die Wanderung beginnt. Vor uns liegen gut 18 km bis Cassagnas/ Le Mimentois. Wer das Espace Stephenson zum Ziel hat, muß noch 2,5 km weiter. Man sollte auf jeden Fall mit 10 Stunden für den Weg rechnen und auf keinen Fall darf man Getränke und Verpflegung für unterwegs vergessen, weil es keine Einkaufsmöglichkeit gibt. Wegzeit ca. 10 Stunden, unbedingt Getränke/ Verpflegung mitnehmen)

Fast direkt gegenüber der Auberge des Cévennes führt ein schmaler Weg aus dem Städtchen heraus, nach wenigen Metern kommen Sie zu einer kleinen Koppel-Tür und direkt dahinter beginnt der Stephensonweg GR72. Stetig geht es bergauf und Sie haben eine schöne Aussicht auf die Stadt mit der berühmten Doppelbogenbrücke aus dem 17. Jh. über den Tarn.

Achten Sie einfach auf die weiß-roten Wegmarken und gönnen Sie sich und dem Esel während des Anstiegs auch mal eine kleine Pause.

Nach ca. drei Kilometern kommen Sie an eine Weggabelung, wo es in beiden Richtungen nach Florac geht.

Hier gehen Sie unbedingt links in Richtung Cassagnas, weiter auf dem GR72. Es folgt ein schönes Waldgebiet mit kleinen Bächen, wo man gut ein Picknick machen kann.

Picknick ist immer gut. Gleich mal schauen, was es zu futtern gibt. Nichts ist interessanter als die Taschen mit den Lebensmitteln. Und irgendwo sind doch die Wiesenbussies versteckt …

Nur dehnen Sie die Pausen nicht zu sehr aus. Der schwierige Teil des Weges liegt noch vor Ihnen.

Wenn Sie aus dem Wald herauskommen, stoßen Sie auf die D20. Gehen Sie nach links über die Brücke und bleiben Sie für ca. 500 Meter auf der Straße. Bevor die D20 in einer weiten Linkskurve abbiegt, führt auf der rechten Seite ein Weg bergauf in den Wald. Das ist Ihr Weg. Versuchen Sie langsam aber stetig den langen Anstieg zu meistern. Der Weg ist leicht zu finden. Nach einem km kommt auf der rechten Seite ein kleines Anwesen und Sie laufen geradeaus weiter.

Schwierig wird es kurz vor dem Col de la Planete, wo Sie an einer Wegkreuzung links abbiegen müssen. Sie erkennen die Stelle leicht an dem Gedenkstein für Raymond Senn.

Für eine kurze Strecke laufen Sie jetzt auf dem GR68.

Am Col de la Planete nehmen Sie den ersten Weg rechts, weiter auf dem GR72 in Richtung Cassagnas.

(Hier n. eine etwas größere Übersicht)

Es sind jetzt noch etwa 9 km und es geht nicht mehr bergauf. Achten Sie einfach auf die weiß-roten Wegmarken und schon bald gelangen Sie zum Col du Poulio, wo Sie sich zweimal rechts halten müssen. 

Nach ca. 500 Metern geht auf der linken Seite, zu erkennen an einem großen Baum mit der weiß-roten Farbmarke und einem Holzpfahl mit einem kleinen Schild daneben, ein schmaler Weg nach unten in den Wald.

Diesen Weg müssen Sie unbedingt finden und nehmen. Es ist ein schöner, romantischer Weg, der Sie am Ende mit einer tollen Aussicht belohnt.

Jetzt kommt der schwierige Abstieg nach Cassagnas. Für einige hundert Meter liegen viele, lose Steinplatten auf dem Weg und es wird für den Esel sehr schwierig zu laufen. Helfen Sie dem Tier einen besseren Tritt im Gras neben dem Weg zu finden. Lassen Sie dem Tier Zeit für ein eigenes Tempo. Schon bald erreichen Sie die Dorfkirche von Cassagnas. Gehen Sie abwärts bis zur D62, Sie müssen sich rechts halten (weiter parallel zur N106) und in einer Rechtskurve verlassen Sie die D62 nach links. Le Mimentois ist ausgeschildert und Sie sind nur noch wenige Schritte von einer der schönsten Unterkünfte entfernt. Hofhund Lola bellt nur aus Freude.

Wenn Sie auch solch eine schöne Wanderung mit einem Esel, oder zusammen mit Freunden in einer größeren Gruppe und mehreren Tieren, erleben möchten, dann nehmen Sie ruhig Kontakt zu Marie auf. Sie spricht sehr gut Deutsch und Englisch. Marie-Ange Benoit: Le Mas Des Anes. 

 

 

Eselgrüße aus Hawaii

Wenn ich an Hawaii denke, oder besser … davon träume, dann sehe ich das Meer, die Wellen, Surfer, und mich mit einem Cocktail am Strand. Ich höre das Rauschen der Brandung und habe den Geruch tropischer Früchte und schöner Blüten in der Nase – Frangipani z.B. Auf Esel wäre ich dabei nie gekommen. Im Traume nicht und wie ich nun lernen mußte, waren meine geistigen Betrachtungen mal wieder viel zu einseitig. Jetzt, wo mir Freunde einen Eselgruß aus Hawaii schickten, kommt mir der Ort wirklich wie das Paradies vor. Pina Colada am Strand, Wellenrauschen, Frangipanibäume voller Blüten, aus einer alten Heule tönt Israel Kamakawiwo’Ole „Somewhere over the rainbow“ und dazu noch Esel. Das Paradies hat einen Namen, es heißt Hawaii.

Ok ok, es geht um die Donkey Balls – also keine ganzen Esel – aber man soll nicht immer nur meckern. Das Logo zeigt einen Esel und was will man denn noch? Die Frage ist nur, was sind Donkey Balls? In diesem Moment fällt mir ein, daß zeitgleich während ich hier schreibe in Paaren Glien ein Seminar zur Esel-Kotuntersuchung stattfindet und damit wären wir fast schon beim Thema. Nein, die verkaufen in Hawaii kein Eselkacka, die Donkey Balls sind kleine Schokoladenkügelchen in verschiedenen Geschmacksrichtungen und die heißen halt Donkey Balls, weil … na Sie wissen schon. So, jetzt is’es raus. Um echtes Eselkacka ging es heute in Paaren Glien und die leckeren Donkey Balls kommen aus Hawaii.

Auf nach Hawaii. Einige Bilder hab ich noch und damit bedankt sich das Eselbook bei Tanja und Markus und 1000 Kroküsse gehen hinaus in die Welt.

Und hier noch ein Link: Donkey Balls Factory auf tripadvisor

Schön, Dank Esel – ein Besuch in Halle

Noch nie zuvor war ich in Halle an der Saale. Irgendwie gab es wohl nichts, was mich hätte nach Halle locken können und so mußte ich erst 50 werden und wegen der neuen Arbeit eine Dienstreise dorthin unternehmen. Ich kannte zwar Burg Giebichenstein und die dortige Kunsthochschule, wo der berühmte Maler Willi Sitte Ende der 50er Jahre zum Professor für Bildende- und angewandte Kunst berufen wurde, nur mehr wußte ich nicht über die größte Stadt von Sachsen-Anhalt. An dieser Stelle fällt mir natürlich der Spruch „Lieber vom Leben gezeichnet als von Sitte gemalt“ ein. Doch wenn ich ehrlich bin, dann mag ich die großen und ausdrucksstarken Gemälde mit ihren kraftvollen Farben, und das Sitte als Präsident des Verbandes Bildender Künstler natürlich Staats- und linientreu war, ist mir bis heute ziemlich schnurz. Jedenfalls gingen mir genau diese Gedanken im Kopf herum, als ich nahe der Burg den ersten Termin hatte. Um ehrlich zu sein, ich erschrak beim Anblick der Straßen. So kaputte und traurige Häuser sah ich schon lange nicht mehr. Leerstand, bröckelner Putz und vernagelte Fenster, die Straßen in schlechtem Zustand. Es war zwar nur ein kleiner Bereich, der mich so empfing, doch genau dieser erste Eindruck paßte zum nasskalten, grauen Wintertag. Dann ging es weiter in die uniformen Betonklotz-Stadtbezirke, von denen ich noch nie einen Menschen gut sprechen hörte. Neubaublöcke so weit das Auge reicht, große Flächen mit Garagenplätzen, Einkaufszentren mit auffällig vielen, leerstehenden Ladeneinheiten und immer wieder diese langweiligen Schnäppchenparadiese. Woher kommt eigenlich die Idee, daß das Paradies immer billig/ ein Schnäppchen ist?

Halle und ich, wir taten uns zu Anfang recht schwer und in Gedanken war ich wieder zu Hause in Berlin, als ich am Nachmittag im Vorbeifahren plötzlich eine alte Mühle sah, die so gar nicht zur Umgebung paßte. Also fix umgereht und ausgestiegen. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht auch die schönen Seiten der Stadt würde entdecken können. Das Gartentor steht offen und Müll liegt herum, Türen und Fenster sind verrammelt – ich begreife es nicht. Gibt es denn zwischen all dieser architektonischen Langeweile, zwischen all diesen abgewirtschafteten Einkaufszentren und der offensichtlichen Ärmlichkeit (natürlich nur im Vergleich mit anderen Städten zu verstehen) keinen Bedarf für solch einen Ort, für eine Mühle mit Garten? Massenhaft Einkaufszentren und weitverbreitet prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse passen nicht zueinander. Zumal ich die Reduzierung des Menschen auf den Status des Konsumenten nicht sonderlich sympathisch finde.

Aber auch wenn die Mühle verlassen steht, so ist sie der erste Lichtblick des Tages. Um ehrlich zu sein, die Mühle ist die zweite, positive Erfahrung. Doch dazu komme ich noch. Erstmal gehe ich um die Mühle herum und entdecke zu meiner Freude … sehen Sie selbst.

ESELSMÜHLE (das schreib ich doch gleich in Versalien und fett), die haben in Halle eine ESELSMÜHLE! Ich bin natürlich schwer begeistert und übelege, ob ich nach Halle umsiedeln sollte. Die Stadt gefällt mir immer besser. Halle braucht mehr Eselsmühlen und weniger Einkaufszentren mit Schnäppchenparadiesen. Zumal ich das Pardies mit Esel logischer als mit Schnäppchen finde.

Logischer und schöner! Fenstergitter mit Esel und restlos begeistert streife ich über das verlassene Grundstück. Da hinten entdecke ich noch einen alten Aufsteller und inzwischen suche ich mittels iPad nach etwas Geschichte und Information zur Eselsmühle.

Erbaut wurde die Mühle 1887 auf dem Grund der Gemeinde Nietleben, welcher heute zu Halle-Neustadt gehört, und bis Ende er 60er Jahre diente die Mühle wirklich als Mühle. Danach erfolgte der Umbau zur Ausflugsgaststätte und an den Wochenenden stürmten die Hallenser den gemütlichen Ort (was man von den zahlreichen Schnäppchenparadiesen wirklich nicht behaupten kann), wo die Kinder sogar manchmal auf einem Esel reiten konnten. Die Mühle wurde berühmt, das Eselchen natürlich auch, und bis 1974 war die Eselsmühle in Betrieb. Wegen der heranrückenden Braunkohle gab es eine Zwangspause von zwei Jahren, bis es von 1976 bis zur Wende weiterging. Oben auf der Mühle reitet der Teufel auf einem Esel im Wind und seit Jahren schon wartet die Mühle aus neue, glücklichere Tage … und einen Esel.

Und der zweite Lichtblick? Die Hallenser scheinen ein freundliches Völkchen zu sein.

Berliner Esel

Berlin ist wirklich eine sehr abwechslungsreiche Großstadt, von der böse Zungen behaupten, es würde sich dabei nur um ein Dorf handeln Und wer nach Marzahn (ein Stadtbezirk) fährt, wird die Meinung vielleicht bestätigt sehen, weil Alt-Marzahn ein wirklich wundervoller Dorfanger ist, den Besucher und Bewohner von Berlin auf jeden Fall anschauen sollten. Alt-Marzahn ist das Dorf im Dorf Berlin … wenn man so will und man wird in Berlin eher einen Esel als einen Flughafen finden.

Das Dorf Marzahn wurde bereits im Mittelalter gegründet und seit den 70er Jahren steht das Ensemble aus kleinen Häusern und der Dorfkirche unter Denkmalschutz. Im alten Schulgebäude ist das Museum untergebracht, der Hauptweg (heißt wie das Dörfchen selber) führt in einem spindelförmigen Bogen um die kleine Dorfkirche (Kirche von der Verklärung des Herrn) und das Pfarrhaus herum und auf dem kleinen Hügel steht die neue Bockwindmühle, die 1994 eingeweiht wurde und an dieser Stelle der insgesammt vierte Mühlenbau seit 1815 ist. Vor dieser Zeit mußten die Marzahner immer nach Ahrensfelde um ihr Korn mahlen zu lassen.

Berliner Esel

Dazu gibt es einige Tiergehege mit Gänsen, Schafen und Ziegen, eine hübsche Ausstellung alter Landmaschinen und einen Esel, der mit Ponnys ein schönes großes Gehege bewohnt und mit dem KulturGut in der Straße Alt Marzahn 23 gibt es ein kommunales Kulturzentrum wo viele Veranstaltungen angeboten werden.

 

Eselwandern in der Uckermark – die kulinarische Eselwanderung

Für alle, die gern einmal mit Eseln etwas wandern möchten, habe ich einen schönen Tip aus der Uckermark, den ich hiermit veröffentlichen möchte: Die kulinarische Eselwanderung von CELINE AKTIV REISEN.

Celine Aktiv Bild 1

Die ganzjährig angeboten Tour führt drei Tage (zwei Übernachtungen gehören dazu) auf einer schönen Route durch die Uckermark und da immer nur zwei Esel zusammen auf die Reise gehen – es ist für die Tiere nicht schön, alleine zu laufen – sollten auch wenigstens zwei Personen auf Wanderschaft gehen, damit jeder Esel auch einen Menschen als Begleitung hat. Kleine Gruppen von maximal fünf Personen sind ebenfalls möglich.

Eselwanderung Uckermark

Lassen Sie sich mal entschleunigen, üben Sie sich in Geduld oder nehmen Sie sich ein Herz und bringen dem Esel bei, daß Sie der Boss sind. Was immer Sie auch planen und egal welches Ziel Sie verfolgen, die Esel sind Teil der Reise und Kompromissfähigkeit wird von allen Seiten nötig sein. Mal sind Sie Freund und Weggefährte, mal EseltreiberIn oder vielleicht auch nur zweiter Sieger. Eine Erfahrung ist es auf jeden Fall und drei Tage Bewegung in freier Natur tuen jedem Stadtmenschen gut.

Celine Aktiv Reisen 2

Die Eselwanderung beginnt natürlich am Wohnort der Esel und zu diesem Zweck findet man sich am vereinbarten Tag, vielleicht so zwischen 9 und 10 Uhr in 17268 Flieth-Stegelitz, Suckow 41 bei Frau van Zwoll ein. Hier erfolgt eine Einweisung in die Eselführerkunde und selbstverständlich werden alle notwendigen Handgriffe erklärt: Esel beladen, füttern, trinken, Pausen, anbinden, Tips und Tricks zur Inbetriebnahme und kleine Wartungsempfehlungen. Glauben Sie mir, eine dicke Gebrauchsanweisung für eine Eselwanderung ist nicht nötig. Einen Esel führen setzt kein Studium voraus. Einfühlungsvermögen, Hartnäckigkeit, Ruhe und Geduld bringen Sie ans Ziel und für die drei Tage gibt es insgesamt zehn verschiedene Anlaufmöglichkeiten, wo man einfach, gut und schön, ländlich und ohne großen Schnickschnack zu Abend essen und prima übernachten kann.

Celine Aktiv Reisen 3

  1. STRAUSSENHOF BERKENLATTEN: Holzhaus mit Doppelbett und neuen Toiletten, einfacher Waschgelegenheit / Freilanddusche auf dem Hof. Die kulinarische Besonderheiten kommt logischerweise vom Strauss.
  2. Das GESINDEHAUS 7 von Herbert Kaddatz ist ein privat geführter Hof, der durch seine Ursprünglichkeit bezaubert. Auf dem Hof darf beim Füttern der vorhandenen Tiere, wie Hühner, Enten, Gänse, Ziegen, Karnickel, Katzen und Hund gern geholfen werden. Das Abendmenü wird im überwiegend ländlichen Stil angeboten. Gemüse und Fleisch wird nach Möglichkeit vom eigenen Hof verwendet. Ein Abend am Lagerfeuer rundet oft das gastliche Essen ab.
  3. KLEINE SCHÄFEREI BIESENBROW, Dieser wunderschöne sonnige Dreiseitenhof wird von Peter Kloss und Sohn Luca geführt. Peter kümmert sich um die Tiere und Luca um das Kulinarische. Gemüse wird selbst angebaut und Fleisch nach Möglichkeit vom eigenen Hof verwendet. Morgens werden sie mit selbgebackenen Brötchen überrascht. Geschlafen wird hier auf der Tenne ( Schlafboden ) oder in Ferienzimmern mit Doppelstockbetten.
  4. QUITTENHOF FREDENWALDE. Klein Fredenwalde ist eines der wenigen Runddörfer in der Uckermark. Neun Häuser, ein Storchennest, ein Backofen und in der Mitte ein Kastanienbaum. Unser Dachgeschoss ist neu ausgebaut. Zwei Schlafzimmer, ein Schlafboden mit Sternenblick, ein Badezimmer und ein großer Mittelraum stehen für Gäste zur Verfügung. Der Garten und die ausgebaute Scheune können natürlich auch genutzt werden. Die Esel schlafen auf einer schönen Koppel neben Ziegen und Schafen. Wir kochen (und essen) sehr gerne und arbeiten nach Möglichkeit mit regionalen Produkten. Vegetarische Gerichte bereiten wir auf Nachfrage gerne zu. Wir freuen uns auf euch! Annette und Thomas Wagner.
  5. ALTE OBERFÖRSTEREI NEUHAUS, wo Sie Familie Hackbarth im liebevoll sanierten Haus begrüßt. Ein Ort mit Geschichte und Geschichten, die auf Wunsch gern erzählt werden.
  6. HERBERGE FREDENWALDE, wo man wunderbar entspannen kann. Der beschauliche Ort ist während der Eselwanderung nur eine mögliche Zwischenstation. Doch Gutshaus, Kirche, Feld-Wald-und-Wiesenschule, eine alte Burganlage (Bodendenkmal) und die höchste Erhebung der Uckermarkt Sollten auf jeden Fall neugierig machen.
  7. OBSTWEINSCHÄNKE WELSOW. Sind Sie Liebhaber von Selbstgemachtem? Die Obstweine und rustikalen Speisen sind da genau das Richtige. Die Schenke liegt direkt an zwei Fernwanderwegen und lädt Sie zum Verweilen ein und Kinder sind hier bestens aufgehoben. Unsere Menagerie an Hoftieren bietet viele Streichelmöglichkeiten. Wir freuen uns auf Euch! Herta Bentlage & Familie.
  8. DAS BISTRO ZUM KIRSCHBAUM, am Rande der Sernitz-Niederung gelegen bietet eine hübsche Ferienwohnung und einfache Kost. Ganz in der Nähe des Peetzigsee’s, wo man sich prima erholen kann und Ornithologen sich auf ein Vogelschutzgebiet freuen dürfen.
  9. HANNAS ESEL-OASE, Familie Koslowski wird sie herzlich auf ihrem Hof in Kerkow begrüßen. Sie bieten ihnen ausser herzhaften Mahlzeiten gute Gespräche über Land und Leute und wie der Name wohl schon erahnen läßt … auch über Esel.
  10. Landgasthof SCHWARZER ADLER, im Zentrum von Gerswald, wo größere Gruppen bestens aufgehoben sind.

(Die Beschreibungen der möglichen Stationen habe ich, manchmal leicht abgewandelt, der Internetseite von Celine Aktiv Reisen entnommen.

Bei der Planung der Tour werden Sie natürlich gern unterstützt. Kontaktieren Sie einfach Celine Aktiv Reisen, wandern Sie mit Eseln und lassen Sie sich kulinarisch verwöhnen.

Alle Informationen, weitere Angebote, Preise und viele Fotos finden Sie auf: http://www.celine-aktiv-reisen.de

Das Eselbook wünscht eine gute Reise und viel Spaß.

Abschied in Le Plagnal – das Ende meiner Eselwanderung

3.6.16 Abfahrt

Nassis zum Schluss

Es ist ein kurzer, unsentimentaler Abschied. Zeitig bin ich auf und während ich hinausgehe um nach dem Eselbaby zu schauen, kommt Balu sofort herein und guckt in seinen Futternapf, ich schickte Marie ein großes Eselbaby-OK, packte meine Sachen ins Auto, Balu packte sich neben den Ölradiator und dann steckte ich Nassis die letzten Leckerli ins Maul. Der Esel läuft wieder frei in der Landschaft rum und weicht trotzdem seinem besten Kumpel, dem großen Poitou-Hengst, nicht von der Seite. Zusammen mit Marie, die auf einen Sprung vorbeikommt, trinke ich noch einen Kaffee, wir verabschieden uns und während Marie schon abfährt, trödele ich vor mich hin und suche Gründe, das Unausweichliche hinauszuzögern. Als irgendwann nichts mehr zu tun ist, schließe ich die Tür, kraule Balu den riesigen Schädel, hänge ihm den Schlüssel um den Hals, streichle ganz vorsichtig das Eselbaby und fahre ab. Kurz vor der Straße steht Nassis … Zwölf Tage waren der Esel und ich unzertrennlich, zehn Tage wanderten wir über 230km und haben viel gesehen und erlebt. Nicht heulen Erik sage ich mir, steige aus und drücke ihm einen Kuß zwischen die Ohren. Mach’s gut du lieber Esel.

Der letzte Blick.

Letztes Bild

Wir werden uns wiedersehen mein Lieber. Versprochen.

Eselwanderung – ein fauler Tag zum Schluß in Cassagnas

2.6.16 – der letzte Tag 

So lange habe ich während der letzten Tage nicht geschlafen und fast wäre ich zu spät zum Frühstück gekommen. Ich lasse zwar das Frühstück gern ausfallen, weil ich mir denke, der Körper kann erstmal was leisten, bevor es Nahrung gibt. Doch heute sitze ich mit Wonne im Speisesaal und bediene mich nach Herzenslust. Was der Esel kann, kann ich auch und schon lade ich mir den Teller wieder voll. Nassis wurde natürlich längst begrüßt und ich habe ihn aus der Koppel gelassen, damit er stromern kann.

Hund auf Esel

Zusammen mit dem kleinen Wuffi streift er jetzt umher und bettelt die Wanderer an, die das Hotel zu ihren Tagestouren verlassen. Er weiß, ein jeder von denen hat ein Lunchpaket dabei und versuchen kann man es ja einmal. Anschließend bespreche ich mit Annabel, wo ich mein Zelt aufstellen kann; da kein Bett frei ist, werde ich eine Nacht auf dem Campingplatz schlafen und meinem Süßen damit eine große Freude machen. Er liebt es, wenn er in meiner Nähe sein kann und zum Campingplatz nehme ich ihn natürlich mit. Wenn er könnte, würde er sofort mit ins Zelt krabbeln. Nimm deinen dicken Kopp da raus, ich muß den Reißverschluß zumachen damit keine Mücken reinkommen. Ich räume meine Sachen ins Zelt und weil die Sonne scheint, zupfe ich den Grauen am Ohr und gemeinsam drehen wir eine kleine Runde zum Fluß. Es ist die Mimente, die in unmittelbarer Nähe vorbeifließt. Zurück in der Unterkunft packt mich der Tatendrang und ich miste die Eselkoppel richtig aus und während ich den Dreck wegschaffe und neues Stroh auslege, kommt plötzlich Armand angeschlendert und setzt sich auf einen Espresso kurz hin, wir plaudern über seine letzten beiden Wandertage, tauschen Adressen und Telefonnummern aus und nachdem er Nassis eine Möhre spendierte marschiert er auch schon wieder weiter. Die Möhre ist ein gutes Stichwort, denke ich mir und schlendere zurück zum Hotel, wo ich mir anschaue, was es zum Mittagessen alles geben wird. Der gesunde Appetit meines Esels scheint ansteckend gewesen zu sein. Zur zeitlichen Überbrückung gönne ich mir noch einen Espresso, schreibe noch eine Postkarte, schaue hoch und da steht Marie vor mir – einen Tag eher als geplant – und lacht über das ganze Gesicht. Wir packen alle Sachen in den Transporter und ich muß Nassis herbeiführen, weil der so tut, als würde er Marie nicht kennen. Ich verabschiede mich von Annabel, schiebe Nassis in den Hänger und keine halbe Stunde später sind wir unterwegs und machen einen kleinen Umweg über La Borie,

La Borie

wo wir an der Station La Ferme de Cévennes, ein Ort, den ich nur empfehlen kann, noch einen anderen Esel abholen, der mit einem schweizer Ehepaar für eine kleine Strecke unterwegs war. Nassis darf während wir warten aus dem Hänger, ich streife umher und schaue mir die kleine Käsefabrik an, die sich unterhalb des Gites befindet.

Käserei

In Gedanken mache ich Pläne für den nächsten Urlaub, hier muß ich auch unbedingt mal übernachten und während ich Nassis in meinen Plan einweihe, spitzt der die Ohren und hebt den Kopf. Ich folge seinem Blick und da kommen die beiden Wanderer mit dem anderen Esel. Jetzt gibt es kein Halten mehr. Nassis stürmt los und vor lauter Freude reiben die Tiere ihre Köpfe aneinander und während wir Menschen noch etwas plaudern, bleiben die beiden ganz dicht beieinander. Da war ich wohl für fast zwei Wochen der menschliche Ersatzesel, Bezugspunkt und dringen benötigte Gesellschaft. Man sollte nicht allein mit einem Esel wandern. Ich sitze, den Kopf voller Erlebnisse, neben Marie im LKW, schaue immer wieder durch das kleine Fenster nach hinten zu den Eseln. Unterwegs entdecken wir unsere gemeinsame Liebe zur Musik der Sinti und Roma, Marie sucht die Suite Armenienne Les Yeux Noirs, ein junger Mann am Straßenrand entpuppt sich als Maries Sohn, in Langogne kaufen wir Pizza und dann ist es nur noch ein kleines Stück bis nach Le Plagnal, wo eine kleine Überraschung in Gestalt eines entzückenden Eselbabys auf uns wartet.

Eselbaby u. marie

Da steht sie, die kleine Eseldame, steht auf wackligen Beinen, mit riesigen Schlappohren und Marie ist außer sich vor Glück. Ich lasse die beiden Esel aus dem Hänger, stoße mir den Kopf das es blutet, dann beißt mich im Gedränge ein Esel in den Daumen, was noch heftiger blutet und irre schmerzt. Was für ein Tag. Marie verarztet mich, fährt erstmal heim und ich stehe noch eine Weile an der Koppel und betrachte voller Freude das kleine Poitou-Eselbaby. Dann schiebe ich Balu vor die Tür, damit er Wache hält, lege mich hin und schlafe sofort ein. Für eine letzte Nacht bin ich der König vom Eselhof.

Eselwanderung – auf dem Stevensonweg von Mijavols nach Cassagnas

1.6.16 – der zehnte Wandertag auf dem GR 70

Inzwischen ist Armand aufgestanden und entpuppt sich als großer Katzenfreund; das Katzentier selber allerdings als ordentlicher Raufbold, doch das soll meine Sorge nicht sein. Ich bemuttere meinen Nassis und prüfe etwas sorgenvoll seine Hufe, die sich im Verlauf unserer Tour deutlich abgelaufen haben. Es ist alles ok, aber ich entscheide mich für die kürzere Strecke und nehme ihm noch etwas Gewicht ab und nach einer herzlichen Verabschiedung geht es sofort los in Richtung Cassagnas. Der Graue läuft ohne jedes Kommando, ohne Führstrick und Stöckchen neben mir, gemeinsam schlendern wir dahin und folgen diesmal nicht den Anweisungen der Routenbeschreibung, sondern gehen kurz hinter dem Dorfeingang auf die Straße, die in einer Haarnadelkurve rechts abbiegt und uns somit erstmal unterhalb des Gites fast zurücklaufen läßt. Ein Herr bestätigt die Richtigkeit des gewählten Weges und obwohl wir auf einer kleinen, alten Straße ins Tal laufen, kann ich diesen Weg nur empfehlen. Niemand außer uns ist auf der Straße unterwegs und keinem Auto mußten wir ausweichen. Alles, was in den letzten Tagen noch im Kopf hin- und herbewegt wurde, was ich immer wieder neu durchdachte und mitschleppte, ist wohl irgendwo da oben in den Bergen geblieben und jetzt läuft es sich so ungemein fröhlich und beschwingt. Der Eselkopf neben mir pendelt leicht hin und her, ganz so als wolle er zustimmend nicken und ich überlege kurz, ob es ein gutes Zeichen ist, daß der Kopf nach zehn Tagen Wanderung leer ist. Endlich leer. Gab es nicht mehr, was bedenkenswert sein sollte? Ist das alles? Sollte es da nicht mehr geben? Umsäumt von Wiesen und Wäldern, die zugleich etwas Schutz vor dem Nieselregen bieten, laufen wir zügig bergab, im Tal rauscht ein kleiner Bach und die Kastanienwälder zeigen das schönste Grün. Castanea sativa, die Ess- oder Edelkastanie, gibt es zwar in ganz Südfrankreich, doch hier in den Cevennen wurden die Kastanien seit dem Mittelalter großflächig angepflanzt und die häufig anzutreffende Bezeichnung Brotbaum verdeutlich ihre regionale Bedeutung. Interessant finde ich die Zugehörigkeit der Edelkastanie (Gattung Castanea) zur Familie der Buchengewächse Fagaceae. Die Nussfrüchte, die Kastanien, enthalten viel Stärke und sind damit nahrhaft, was Mensch und Tier erfreut. Gekocht, gegrillt, oder roh, gar eingelegt und auch zu Mehl vermahlen, als Brotaufstrich und Marmelade, die Blätter für das liebe Vieh und aus dem Holz der Bäume konnte alles hergestellt werden, was irgendwie notwendig war. Allein die geringe Anbaufläche an den Berghängen war für jede Art von Landwirtschaft ein Problem und so finden sich bis heute die typischen, von kleinen Steinmauern abgegrenzten Terrassenfelder. Mir gefällt das leuchtende Grün der gezackten Blätter und wer schon einmal eine so richtig alte Kastanie gesehen hat, wird wissen, wie groß die Bäume werden können und wie ehrwürdig sie erscheinen. Das Wetter wird besser und besser, der Nieselregen setzt für immer größerwerdende Phasen aus und wir kommen unglaublich schnell voran. Nassis frißt zwar unentwegt, doch er ist wieder zur Technik des Freßlaufens übergegangen und bleibt nur selten stehen. Noch einmal kontrolliere ich seine Hufe und überlege, ob die restliche Strecke zum Problem werden könnte. Im Moment jedoch ist alles in Ordnung und Nassis läuft prima. Schnell sind wir in St. Julien d‘ Arpaon, treffen einen liebenswerten Herrn, der die Gelegenheit nutzt um sein eingerostetes Deutsch auszuprobieren und spazieren durch die alte Burgruine. Das Örtchen, ein kleiner Weiler, liegt oberhalb des Stevensonweges und wird leicht übersehen. Doch wir sind derart schnell und haben es nicht mehr weit, daß ich mich zu dem kleinen Umweg entschließe. An diesem Punkt der Wanderung stoßen wir wieder auf den markierten Stevensonweg – Mijavols, unser letztes Ziel, lag ja etwas abseits von der üblichen Route – und laufen jetzt auf der alten Eisenbahntrasse weiter.

Tunnel

Mimente

Die Mimente rechts unter uns schlängelt sich durch ein malerisches Tal und ich nutze das inzwischen schöne Wetter für ein kühles Bad. Das Wasser ist klar und leuchtet in den tollsten Farben und kleine Wasserfälle gibt es auch. Die Leichtigkeit und Schönheit dieser Tour scheint eine Art Belohnung für die Strapazen der vorangegangenen Etappen zu sein und erst jetzt nach mehr als fünf Stunden treffen wir auf andere Wanderer. Doch heute darf allein Nassis das Tempo bestimmen (ob er deshalb so rennt? Hej mein Freund, dies soll eine Wanderung sein, ein gemeinsamer Spaziergang. Von Dauerlauf war nicht die Rede) und niemand ist schneller als wir. Nur eine Sekunde später wechselt er ohne jede Vorwarnung in einen flotten Galopp, spurtet über eine kleine Wiese auf eine Gruppe von drei Wanderern zu, die auf Baumstämmen sitzend beim Picknick sind. Ok denk ich mir, er wird wohl nachschauen wollen, was die Herrschaften auf ihren Broten haben. Ich lasse ihn laufen, weil mein Süßer freundlich begrüßt wird und es scheint, als hätte man ihn längst erwartet. Vielleicht schmeichelt es auch ein wenig, wenn ein Esel angetrabt kommt und sein Interesse bekundet. Der Kumpel von einem Esel zu sein hat was. Doch Vorsicht bei der Interpretation eselischer Ausdrucksformen, weil aus Freude leicht Entsetzen wird und Interesse durchaus in Peinlichkeit umschlagen kann. Nassis stellt sich ins Zentrum des Picknicks, entspannt sich und läßt es laufen. Er pißt und pißt und pißt. Ich könnte im Boden versinken und eile, um ihn von dort wegzuholen. Allein es ist zu spät. Schämst du dich denn gar nicht? Was soll denn das? Ich entschuldige mich umständlich und während sich die Leute neue Plätze suchen, schleife ich meinen Esel zurück auf den Weg. Mein Gott, was war denn das für eine Aktion? Wie kommt ein Tier auf so eine verrückte Idee? Wir ziehen eilig weiter und es dauert Minuten, bis ich mich wieder an der Schönheit der Landschaft erfreuen kann und Nassis scheint sich durch Einsatzbereitschaft entschuldigen zu wollen.

Bahnweg

Er läuft neben mir her und drückt manchmal seinen Kopf gegen meinen Arm – ist alles gut mein Süßer? Sein Kopf pendelt leicht im Rhythmus der Schritt hin und her und er legt noch einen Zahn zu. Wir schaffen gute 5km in einer Stunde und sind noch vor 12 Uhr im Espace Stephenson, der nächsten Unterkunft, die ca. drei Kilometer unterhalb von Cassagnas liegt. Für Nassis das Ende der Reise, aber das sage ich ihm noch nicht. Seine Hufe sind am Ende und es wäre unverantwortlich, ihn noch weiter laufen zu lassen – diesen Entschluß faßte ich während der letzten Stunden. Ich höre lieber auf, so lange er sich noch wohlfühlt. Ein unachtsamer Schritt, ein scharfkantiges Steinchen und leicht könnte er Schmerzen haben und verletzt werden. Gedanken, die ich nur schwer ertrage. Damit entfällt die letzte Etappe und Marie kann uns auch hier in Cassagnas abholen. Ich kenne den Zielort von früheren Reisen, habe nicht das Gefühl etwas zu verpassen, mein Ziel nicht erreicht zu haben. Stattdessen freue ich mich auf einen faulen Tag ohne Ziel. Ich werde bei meinem Nassis sein, Tagebuch schreiben, schlafen und viel essen … so der Plan. Die Eselkoppel ist wunderbar, der kleine Hotelwuffi freut sich über den großen Freund und ich nehme, da das Zimmer noch nicht fertig ist, vor der Bar Platz.

Hunde freund 1

Die junge Dame spricht leider nicht ein Wort englisch, Internet für Gäste gibt es nicht, das Telefon hier unten im Tal ist nichts weiter als ein Fotoapparat und als nach über einer halben Stunde das Zimmer benutzbar ist, sind auch hier die Heizkörper kalt. Ich dusche, sehe mich morgen schon wieder in feuchten Schuhen und Klamotten, fange wieder an mich zu ärgern und entdecke den gelben Dreckrand am unteren Ende des Duschvorhanges. Mein Gott, dies hier ist keine einfache Hütte in den Bergen, die nichts weiter tun soll als den Wanderer vor den Unbilden der Natur zu schützen, dies ist ein Hotel und in der Hoffnung auf etwas Wärme und Verbindung in die Außenwelt, laufe ich die vier Kilometer nach Cassagnas, wo man bei Lichte betrachtet auch nicht tot überm Zaun hängen möchte. Wozu dieses Nest eine öffentliche Toilette hat wird mir ein ewiges Rätsel bleiben; immerhin, es gibt eine Post. Ein Cafe, eine Bäckerei, irgend etwas, was die Sinne frohstimmt und für Frieden sorgt ist nicht zu finden und ich bin schon wieder auf dem Rückweg, als mich ein Mann über seinen Zaun hinweg anspricht und fragt, ob er mir helfen könne. Er freut sich mich zu sehen, schaltet sofort um auf englisch, seine Frau öffnet die Tür und schon sitze ich in der guten Stube, habe Internet für die nötigen eMails bezüglich des Rücktransportes aus Cassagnas, informiere Marie über den Zustand des Tieres und gleichzeitig wird mir etwas warm – ums Gemüt. Sie sind nett die Franzosen. Zurück im Hotel stelle ich fest, daß einer der beiden Zimmergenossen es geschafft hat, einen alten Ölradiator aufzutreiben. Das Zimmer ist warum und nun wasche ich doch fix meine schmutzigen Sachen und lege mich für ein Stündchen hin, bis mich Nassis‘ I Aahh aufweckt. Vor seiner Koppel stehen gut 10 Leute die ihn freudig streicheln, was mich daran erinnert, daß er heute noch nicht gestriegelt wurde (einen nassen Esel darf man nicht striegeln). Der Gute läßt sich die Fellpflege sichtlich gefallen, hält mir inzwischen bereitwillig die abgelaufenen Hufe hin und ich überlege, ob er den Rest der Tour nicht doch noch ohne Probleme geschafft hätte. Es sind nur noch 35 km bis ins Ziel, der Weg ist weich und größere Anstrengungen sind nicht mehr zu erwarten. Aber nein, ich will kein Risiko eingehen und ich kenne St. Du Gard sehr gut. Nassis war mir trotzdem ein treuer und lieber Begleiter und meine Reise wird so ein besseres Ende nehmen, als wenn ich mich später ständig fragen würde, ob ich dem Esel zu viel zugemutet, ihn gar gequält hätte. So ist es auch gut. Nein, wir werden heute und morgen schön faulenzen und danach geht es für uns in Auto und Hänger zurück nach La Plagnal, wo er erstmal Urlaub von den Strapazen der Reise machen kann und ich mich verabschieden muß. Über all diesen Gedanken ist mein Ärger verflogen und ich setze mich runter vor die Bar, wo es einen kleinen Tisch mit Ausblick auf meinen Esel gibt. Der Espresso ist, wie schon auf der ganzen Reise, lausig und verdient den Namen wirklich nicht, aber als Kaffee ist er ok und die letzte Stunde bis zum Abendbrot wird schnell vergehen. Ich entdecke im Nacken der jungen Dame die kein Wort englisch spricht die Tätoowierung „Love is a Battlefield“ bestelle mir eine Cola und beschließe, mich einfach zu freuen. Noch dreißig Minuten bis zum Abendbrot, durchs Fenster beobachte ich meinen Esel wie er friedlich sein Stroh kaut, werde immer wieder vom Wanderern angesprochen, die mir die Bilder von uns auf ihren Telefonen zeigen und klebe Briefmarken auf Postkarten. Ob die Leute wohl vor zehn Tagen auf diesen erfolgreichen Abschluß der Wanderung gewettet hätten? Der Tag, der mit Sturm und Regen begann, endet in den freundlichsten Farben und das Abendbrot, ein überreichliches Buffet mit zahlreichen lokalen Spezialitäten, ist wunderbar, Annabel die Chefin stellt mir am Ende gar ihren eigenen Computer hin, damit ich die wichtige Korrespondenz erledigen kann und während ich an der Bar sitze und noch einen Pernod trinke, ertönt aus dem Speiseraum schöner Gesang. Die große Reisegruppe, die mir schon einen Rotwein spendierte, hat angefangen Volkslieder zu singen, dann folgen Gedichte und Geschichten, einzelne Mitglieder tragen etwas vor und es wird reichlich gelacht.
21 Uhr gehe ich überglücklich ins Bett.

Eselwanderung – auf dem Stevensonwanderweg von Le Pont-de-Montvert nach Mijavols

31.5.16 – der neunte Wandertag auf dem GR 70

Es ist ein nasser, kalter Morgen und ich überlege, wo ich den Süßen wohl finden werde. Habe ich von dem Esel auf der Brücke nur geträumt, war es vielleicht ein anderer Esel? Geh ich rechtsrum zur Brücke und suche im Dorf oder schaue ich doch gegenüber in der Koppel nach. Allein den Kopf aus der Herberge zu stecken ist ein Akt der Überwindung.

Auberge des Cevennes

Es regnet und mir ist kalt. Doch kaum bin ich auf der Straße höre ich ein freudiges, mir sehr vertrautes Schnaufen und Prusten, ein freudiges IAhhh und schon steht mein Eselchen neben mir. Kann losgehen Süßer. Ich nehm den Grauen am Führstrick und binde ihn an einem Geländer an. Leckerli, Hufe, Gepäck aufladen, ein Kuß und noch ein Leckerli, dann geht es los und auf den Abstieg von gestern folgt, es war ja klar, ein langer, schwieriger Aufstieg. Stetig laufen wir bergauf in Richtung Mijavols, der Weg bietet tolle Blicke zurück in Richtung Montvert.

Im Ginster

Es ist die gleiche, schöne Landschaft, die wir schon gestern so bewunderten – Nassis mit dem Magen, ich mit den Augen – und trotz der grauen Wolken läßt der blühende Ginster die Landschaft so leuchtend gelb erscheinen. Die Welt um uns herum besteht aus grünen Wiesen, grauen Granitfelsen und gelben Ginster Wenn nur der Himmel ein Erbarmen hätte. Grau in grau ist es über uns, doch so lange es wenigstens nicht regnet will ich nicht meckern. Nach anfänglichen Startschwierigkeiten läuft Nassis langsam aber stetig bergauf. Man sollte nicht denken, daß es nach Überwindung von Mont Lozère und Sommet de Finiels nicht mehr bergauf gehen würde. Der Anstieg hat es in sich. Allein die zauberhafte Landschaft entschädigt für alle Mühen und mein lieber Nassis läuft mehr oder weniger gleichmäßig vor sich hin. Ich habe schon mehrfach beobachten können, wie wenig es ihm gefällt, wenn der Tag mit Kletterei anfängt. Doch ich kann es ja nicht ändern und außerdem weiß ich, daß es nicht wirklich eine Anstrengung für ihn ist. Eher ein mentales Problem und da gibt es zum Glück Abhilfe. Das Hauptproblem auf unserer Reise ist nämlich die geringe Gruppengröße. Er möchte gern mit vielen anderen unterwegs sein. So ist er es gewohnt, so kennt er es und inzwischen nutze ich das manchmal auch aus, indem ich einfach vor einer Steigung eine kleine Pause einlege und warte, bis die nächste Gruppe kommt. Haben die uns erst einmal erreicht, ist der Rest ein Kinderspiel. Auf die üblichen Fotowünsche mit meinem Esel folgen Tips, wie man einen Esel antreibt. Danke sehr, wir warten nur auf sie, nun machen sie mal hin … denke ich mir still und kaum setzt sich der ganze Haufen in Bewegung, läuft mein Nassis brav hinterher. Gelernt ist gelernt und heute paßt alles zusammen. Vor jeder großen Steigung, und davon gibt es reichlich, lang und steil, passe ich eine Gruppe ab und es läuft wie geschmiert. Danach lasse ich ihn trödeln und über seiner Fresserei verliert er das Tempo aus dem Blick; keine fünf Minuten später sind wir wieder für uns und laufen gemütlich, still, kauend (er), Seite an Seite durch die schönste Waldlandschaft. Als der Weg an einem Abhang entlang verläuft, bietet sich uns ein unglaubliches Schauspiel dar. Einige tiefhängende Wolken ziehen etwas unter uns zwischen den Bergen dahin und es ist, als könnte man in die Watteschicht hineingreifen. Ich halte mein langes Stöckchen über den Abhang und rühre damit wie in Zuckerwatte – was mein Esel angesichts meines kindlichen Benehmens denkt will ich gar nicht wissen -, bis ein Windstoß plötzlich ein Wölkchen direkt auf uns zu treibt und für Sekunden verschwinden wir beide und die ganze Landschaft um uns herum im Nebel. Nassis hat die Ohren angelegt und ich sehe, daß er in die Hocke gegangen ist. Ich könnt ihn knuddeln. Mich stören weder Regen noch Wind und wahrlich frohgemut durchwandern wir ein kleines Tal, bevor ein wirklich langer und schwieriger Anstieg seinen Anfang nimmt.

Gruppenfoto mit Esel 2

Sollte ich rückblickend einschätzen müssen, welche dieser Klettertouren die längste war, dann ist es wohl die heutige gewesen. Zugleich ist es aber auch die wohl schönste Strecke und nur dieser Eindruck zählt. Nachdem die letzte Wandergruppe außer Sichtweite ist, schlendern mein Esel und ich ohne jede Hast bis nach Mijavols, wo wir im Gite de Etape übernachten sollen. Beim ersten Anblick bekomme ich einen Schreck und schaue mich hilfesuchend um. Ein mit Folie und Autoreifen abgedecktes Dach nebenan, das Haus selber sieht auch nicht gerade gut aus, kein Mensch weit und breit, doch Nassis scheint zu wissen wo er hingehört. Zielstrebig strebt er Richtung Koppel und während ich überlege, wo ich mein Zelt einigermaßen windgeschützt und trocken aufbauen könnte, kommt ein weiterer, junger Wandersmann daher der nicht gleich aufgibt und viel energischer auf die Türklinke drückt als ich. Auf geht sie die Tür, 10 Minuten später brennt das Feuer im Kamin und wir teilen Essen und Kaffee, entdecken die sauberen Toiletten und den großen Elektroheizkörper an der Wand, auf dem wir unsere Sachen trocknen. Wir sind beide überrascht, hier hat scheinbar jemand an die wirklich wichtigen Dinge gedachte. Der Herd in der Küche funktioniert, Holz ist reichlich da – alles was man tatsächlich braucht – und schnell liegt mein Schlafsack auf einem der Betten und ich darin. Auf dem großen Tisch ein Zettel mit dem Hinweiß auf das Abendbrot um 20 Uhr im Dorf bei Frau Chaptal und nach und nach treffen acht weitere WanderInnen ein, die alle klatschnass und trotzdem guter Dinge sind; meine Laune hat sich deutlich verbessert, was durchaus mit dem netten Franzosen zu tun hat, mit ich mein Essen teilte. Die Hütte ist warm, wir besprechen für morgen die möglichen Routen für mich, weil der Weg über Florac nicht zu schaffen ist, und kurz vor 20 Uhr schließe ich mich den anderen an. Gemeinsam gehen wir ins Dorf, wo wir von vielen Hunden und Katzen und einer ganz liebenswerten Frau begrüßt werden. Nur Minuten später finde ich mich in einem Wohnzimmer an einem langen Tisch wieder, es gibt Pastis, Brot, Schinken und Salat, und darf teilhaben an einer großartigen Erfahrung. Der Hauptgang ist sensationell – alles was es hier gibt kommt aus eigener Produktion, weil man weit und breit nichts kaufen kann – die  Walnußwürstchen mit den typisch grünen Linsen sind eine echte Überraschung und Rotwein, Ziegenkäse und Kuchen schmecken fantastisch. Gegen 21 Uhr kommt der Bauer von draußen rein, lacht und reibt sich mit seinen großen, schweren Händen freundlich das Kinn, nimmt sich die Schüssel mit den Salatresten und nun beginnt scheinbar jeder hier etwas zu erzählen, was mein Nachbar so weit wie möglich für mich übersetzt. Kein Hotel könnte dies bieten. Ich bekomme noch eine große Schale mit Eselfutter, worüber sich mein Nassis sichtlich freut, liege kurz darauf im Schlafsack und wache erst 5:30 auf, weil ein klägliches Miau mich weckt. Wir haben ein Kätzchen zu Besuch und während ich den Kamin neu entfache, damit die anderen es nachher warm haben, mir einen Tee koche und Käsewürfel für die Mietz schneide, hört es draußen sogar zu regnen und zu stürmen auf. Wir haben den 1.6.16