Eselwandern in der Uckermark – die kulinarische Eselwanderung

Für alle, die gern einmal mit Eseln etwas wandern möchten, habe ich einen schönen Tip aus der Uckermark, den ich hiermit veröffentlichen möchte: Die kulinarische Eselwanderung von CELINE AKTIV REISEN.

Celine Aktiv Bild 1

Die ganzjährig angeboten Tour führt drei Tage (zwei Übernachtungen gehören dazu) auf einer schönen Route durch die Uckermark und da immer nur zwei Esel zusammen auf die Reise gehen – es ist für die Tiere nicht schön, alleine zu laufen – sollten auch wenigstens zwei Personen auf Wanderschaft gehen, damit jeder Esel auch einen Menschen als Begleitung hat. Kleine Gruppen von maximal fünf Personen sind ebenfalls möglich.

Eselwanderung Uckermark

Lassen Sie sich mal entschleunigen, üben Sie sich in Geduld oder nehmen Sie sich ein Herz und bringen dem Esel bei, daß Sie der Boss sind. Was immer Sie auch planen und egal welches Ziel Sie verfolgen, die Esel sind Teil der Reise und Kompromissfähigkeit wird von allen Seiten nötig sein. Mal sind Sie Freund und Weggefährte, mal EseltreiberIn oder vielleicht auch nur zweiter Sieger. Eine Erfahrung ist es auf jeden Fall und drei Tage Bewegung in freier Natur tuen jedem Stadtmenschen gut.

Celine Aktiv Reisen 2

Die Eselwanderung beginnt natürlich am Wohnort der Esel und zu diesem Zweck findet man sich am vereinbarten Tag, vielleicht so zwischen 9 und 10 Uhr in 17268 Flieth-Stegelitz, Suckow 41 bei Frau van Zwoll ein. Hier erfolgt eine Einweisung in die Eselführerkunde und selbstverständlich werden alle notwendigen Handgriffe erklärt: Esel beladen, füttern, trinken, Pausen, anbinden, Tips und Tricks zur Inbetriebnahme und kleine Wartungsempfehlungen. Glauben Sie mir, eine dicke Gebrauchsanweisung für eine Eselwanderung ist nicht nötig. Einen Esel führen setzt kein Studium voraus. Einfühlungsvermögen, Hartnäckigkeit, Ruhe und Geduld bringen Sie ans Ziel und für die drei Tage gibt es insgesamt zehn verschiedene Anlaufmöglichkeiten, wo man einfach, gut und schön, ländlich und ohne großen Schnickschnack zu Abend essen und prima übernachten kann.

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  1. STRAUSSENHOF BERKENLATTEN: Holzhaus mit Doppelbett und neuen Toiletten, einfacher Waschgelegenheit / Freilanddusche auf dem Hof. Die kulinarische Besonderheiten kommt logischerweise vom Strauss.
  2. Das GESINDEHAUS 7 von Herbert Kaddatz ist ein privat geführter Hof, der durch seine Ursprünglichkeit bezaubert. Auf dem Hof darf beim Füttern der vorhandenen Tiere, wie Hühner, Enten, Gänse, Ziegen, Karnickel, Katzen und Hund gern geholfen werden. Das Abendmenü wird im überwiegend ländlichen Stil angeboten. Gemüse und Fleisch wird nach Möglichkeit vom eigenen Hof verwendet. Ein Abend am Lagerfeuer rundet oft das gastliche Essen ab.
  3. KLEINE SCHÄFEREI BIESENBROW, Dieser wunderschöne sonnige Dreiseitenhof wird von Peter Kloss und Sohn Luca geführt. Peter kümmert sich um die Tiere und Luca um das Kulinarische. Gemüse wird selbst angebaut und Fleisch nach Möglichkeit vom eigenen Hof verwendet. Morgens werden sie mit selbgebackenen Brötchen überrascht. Geschlafen wird hier auf der Tenne ( Schlafboden ) oder in Ferienzimmern mit Doppelstockbetten.
  4. QUITTENHOF FREDENWALDE. Klein Fredenwalde ist eines der wenigen Runddörfer in der Uckermark. Neun Häuser, ein Storchennest, ein Backofen und in der Mitte ein Kastanienbaum. Unser Dachgeschoss ist neu ausgebaut. Zwei Schlafzimmer, ein Schlafboden mit Sternenblick, ein Badezimmer und ein großer Mittelraum stehen für Gäste zur Verfügung. Der Garten und die ausgebaute Scheune können natürlich auch genutzt werden. Die Esel schlafen auf einer schönen Koppel neben Ziegen und Schafen. Wir kochen (und essen) sehr gerne und arbeiten nach Möglichkeit mit regionalen Produkten. Vegetarische Gerichte bereiten wir auf Nachfrage gerne zu. Wir freuen uns auf euch! Annette und Thomas Wagner.
  5. ALTE OBERFÖRSTEREI NEUHAUS, wo Sie Familie Hackbarth im liebevoll sanierten Haus begrüßt. Ein Ort mit Geschichte und Geschichten, die auf Wunsch gern erzählt werden.
  6. HERBERGE FREDENWALDE, wo man wunderbar entspannen kann. Der beschauliche Ort ist während der Eselwanderung nur eine mögliche Zwischenstation. Doch Gutshaus, Kirche, Feld-Wald-und-Wiesenschule, eine alte Burganlage (Bodendenkmal) und die höchste Erhebung der Uckermarkt Sollten auf jeden Fall neugierig machen.
  7. OBSTWEINSCHÄNKE WELSOW. Sind Sie Liebhaber von Selbstgemachtem? Die Obstweine und rustikalen Speisen sind da genau das Richtige. Die Schenke liegt direkt an zwei Fernwanderwegen und lädt Sie zum Verweilen ein und Kinder sind hier bestens aufgehoben. Unsere Menagerie an Hoftieren bietet viele Streichelmöglichkeiten. Wir freuen uns auf Euch! Herta Bentlage & Familie.
  8. DAS BISTRO ZUM KIRSCHBAUM, am Rande der Sernitz-Niederung gelegen bietet eine hübsche Ferienwohnung und einfache Kost. Ganz in der Nähe des Peetzigsee’s, wo man sich prima erholen kann und Ornithologen sich auf ein Vogelschutzgebiet freuen dürfen.
  9. HANNAS ESEL-OASE, Familie Koslowski wird sie herzlich auf ihrem Hof in Kerkow begrüßen. Sie bieten ihnen ausser herzhaften Mahlzeiten gute Gespräche über Land und Leute und wie der Name wohl schon erahnen läßt … auch über Esel.
  10. Landgasthof SCHWARZER ADLER, im Zentrum von Gerswald, wo größere Gruppen bestens aufgehoben sind.

(Die Beschreibungen der möglichen Stationen habe ich, manchmal leicht abgewandelt, der Internetseite von Celine Aktiv Reisen entnommen.

Bei der Planung der Tour werden Sie natürlich gern unterstützt. Kontaktieren Sie einfach Celine Aktiv Reisen, wandern Sie mit Eseln und lassen Sie sich kulinarisch verwöhnen.

Alle Informationen, weitere Angebote, Preise und viele Fotos finden Sie auf: http://www.celine-aktiv-reisen.de

Das Eselbook wünscht eine gute Reise und viel Spaß.

Eselwanderung und Hufpflege beim Wanderesel

Hufpflege beim Wanderesel 

Schon während der ersten Meter auf dem Stevensonweg habe ich mir vorzustellen versucht, wie der Weg wohl vor 138 Jahren ausgesehen haben mag. Ist Modestine auch über so viele Steine gelaufen? Wurden die Feldwege damals auch schon mit Kies und Splitt aufgefüllt und gab es hunderte von Metern, die aus scharfkantigen, zerschlagenen Dachschindeln bestehen? Mit Blick auf diese heutigen Gegebenheiten sollte sie der Hufpflege besonders viel Aufmerksamkeit widmen.

Hufpflege 1

Stellen sie sich dazu dicht neben den Esel, ich würde immer mit den Vorderhufen anfangen, fahren sie mit einer Hand am Bein vom Knie an abwärts, stützen sie sich dabei leicht gegen das Tier (sie werden merken, daß der Esel sich seinerseits nun bei ihnen abstützt) und wenn sie kurz über dem Huf angekommen sind, greifen ihre Finger dicht um die Fesseln und dann ziehen sie den Huf etwas nach oben. Anschließend beginnen sie vorsichtig, zuerst alle Verschmutzungen aus der Sohle zu entfernen – nutzen sie dafür den Hufkratzer und natürlich auch die Bürste. Sind alle weichen Verschmutzungen entfernt, schauen sie sich die Strahlenfurchen rechts und links des dornförmigen Strahls genau an. Besonders in diese Rillen (die Strahlenfurchen) drücken sich oft kleine Steinchen tief hinein und die sollten sie unbedingt vorsichtig entfernen.

Hufpflege 2

Denken sie immer daran und es schadet wirklich nicht, dies auch tagsüber zu tun, wenn sie eine Pause machen. Der Untergrund auf dem Stevensonweg von heute ist streckenweise sehr schädlich für die Hufe und der Esel trägt zudem ein spürbares Gewicht auf seinem Rücken. Wenn sie lange Strecken laufen, achten sie darauf, daß ihr Wanderesel, wenn es geht, auf dem weichen Grasrand der Wege läuft und sollten sie eine lange Strecke laufen wollen, wäre es sicher gut, wenn der Esel beschlagen ist. Asphaltstraßen sind für unbeschlagene Hufe nie gut. Doch das eigentliche Übel ist nicht der harte Untergrund sondern der massenhafte Splitt am Straßenrand. Achten sie etwas darauf, wohin sie ihren Esel führen.

Ich bin der König des Eselhofs

22.5.16

Bis 10 Uhr tut sich nichts. Mein erster Gedanke geht in die Richtung Vorwurf. So kommen die niemals auf einen grünen Zweig und wenn selbst die Landleute es derart gemütlich angehen lassen, sehe ich schwarz für La Grande Nation. Typisch deutsche Gedanken vielleicht, Gedanken, die mir nicht zustehen und die ich gern zu verscheuchen suche. Insgeheim dachte ich wohl doch, es könne jemand im Haus gewesen sein, der mich gestern am späten Abend noch nicht erwartet hatte und der morgens gern lange schläft. War ich wirklich ganz allein hier draußen, hat niemand mein Kommen bemerkt? Das Schöne an solchen Gedanken ist, sie werden oft schneller als gedacht von ganz alleine widerlegt, von Zauberhand zur Seite gewischt und so lange man sich der zum Glück unausgesprochenen Vorwürfe bewußt ist, darf alles was kommt, als freundlicher Fingerzeig des Schicksals begriffen werden, als Erinnerung und Mahnung, wie schnell und leichtfertig aus solchen Gedanken auch Vorverurteilungen und falsche Schlüsse gezogen werden. Ich fische etwas trockenes Brot aus dem Kofferraum und bevor ich mich auch nur umdrehen kann, steht der Esel von gestern Nacht wieder hinter mir und bedeutet mit einem Nicken seine Bereitschaft zur weiteren Nahrungsaufnahme. Mein Guter, du bist recht verfressen wie mir scheint. Woher weißt du eigentlich, was ich hier mache? Hat dir jemand gesagt, was es hier gibt? Bereitwillig stopfe ich ihm einige Stücken ins Maul und frage mich, welche Menge Futter wohl in einen Esel hineingeht, bis er selber denkt, jetzt wäre es genug. Ich fülle mir die Taschen mit Brot und gehe zu den anderen Tieren und während ich Leckerli verteile, kommt plötzlich ein kleines Auto auf den Hof und ich werde im breitesten Kanada-Englisch begrüßt. Gott sei Dank, denke ich, galt doch meine größte Sorge meinen nichtvorhandenen Französischkenntnissen. Was im Zusammensein mit dem Esel kein Problem sein würde, nur die ganze Vorbereitung, all die Erklärungen und Hinweise. Ich hatte Schlimmstes befürchtet und auch darüber hatte ich mir wieder viel zu viele Gedanken gemacht. Geht es etwa nur mir so?

Der Herr stellt sich als Vick vor, reicht mir sein Telefon und schon höre ich die Stimme von Marie, auf deutsch – noch so ein Fingerzeig – und kurz darauf streichle ich Balu über seinen Hundeschädel, werde ins Haus gelassen und bin dann wohl für einen Tag und die kommende Nacht der König des Hofs, der Herrscher über 26 Esel, einen hünenhaften Hund und Gänse und noch bevor ich überhaupt fragen kann, welcher Esel mich denn auf meiner Wanderung begleiten wird, stellt Vick mir Nassis vor, der gleich hinter uns her zur offenen Tür hinein mit ins Haus marschiert war. Na wir hatten uns ja schon kennengelernt. Und während Vick ihn mit lauter Stimme aus dem Hause jagd, schaut der Esel neugierig links und rechts, ob es nicht doch etwas gäbe, was im Rückwärtsgange noch zu erhaschen wäre. Dem schmeckts scheinbar gut.

Vick zeigt mir, wo ich die nächste Nacht schlafen werde, kocht Kaffee, packt mit mir zusammen das Gepäck auf den Esel und schon geht es auf zu einer ersten Proberunde. Ach wie schön, der Esel läuft. Denkste, zu früh gefreut. Erstmal 100 Meter und plötzlich steht er, der Esel stehen. Das fängt ja gut an. Über eine halbe Stunde lang tut sich nichts, wir stehen da und schweigen uns an. Zuerst versuche ich es mit Kreisen linksherum und rechtsherum, ein kräftiger Klaps auf den Hintern bringt natürlich nicht den gewünschten Effekt und als es mir zu bunt wird, gebe ich dann doch gleichbleibenden Zug auf den Führstrick. Man braucht für diese Variante viel Geduld und auch etwas Kraft, aber ich geh doch nicht jahrelang in die Muckibude um mir von einem Esel auf der Nase herumtanzen zu lassen. Der Führstrick ist straff gespannt und ich kann mir nicht vorstellen, daß das angenehm ist. Aber er hat die Wahl: Laufen oder in unbequemer Haltung stehen. Man muß bei der Übung aber sofort nachlassen, wenn der Esel eine Bewegung zeigt. Er täuscht dies auch zwei- dreimal an, doch auch diesen Trick kenne ich. Nach weiteren 10 Minuten gibt er auf, akzeptiert fürs erste, daß ich der Boss bin und folgt mir brav über die Dörfer.

Probelauf

Zwei Stunden später sind wir zurück und während es für mich Kaffee gibt, bekommt Nassis Trockenbrot. Balu beäugt mißfällig den Esel in der Küche und in diesem Moment fällt mir ein, daß ich nichts über die Stubenreinheit von Eseln weiß. Also hinaus mit dir, husch husch, geh zu deinen Artgenossen. In welcher Entfernung wohl grad der nächste Mensch zu finden wär? Die Tür geht auf und Vick kommt herein und wieder scheint die Welt kleiner als gedacht. Wir plaudern und warten auf Marie, die sich mit Pizzen angekündigt hat – der Abend vergeht wie im Flug. Marie ist klein, um die 50, hat lange blonde Haare und spricht wunderbar deutsch. Gemeinsam gehen wir die Route noch einmal durch, schauen wo es es Probleme geben könnte und wie diese zu umgehen wären, besprechen alles Notwendige und ich berichte von meinen bisher gemachten Erfahrungen im Umgang mit Eseln. Ganz unbeleckt bin ich nicht und nach dem heutigen Ausflug werde ich leicht optimistisch.

Eselwanderung – Willkommen in Le Plagnal

21.5.16

Ankunft in Le Plagnal/ Mas Lasseze 07590 auf dem Hof Les Mas Des Ânes von Marie-Ange Benoit um 20:30. Ein kalter Wind pfeift durch meine Sachen, weit und breit kein Mensch zu sehen und ich beschließe im Auto zu schlafen, zumal der Hofhund, ein riesiger Owtscharka, mich nicht so anguckt, als würde er mich freiwillig an sich vorbei in Richtung Haus lassen wollen. Er hat drei- viermal gebellt und wartet seitdem ruhig ab, ob ich mich für Distanz oder Kampf entscheide. Recht scheint ihm beides zu sein und ich muß dabei unweigerlich daran denken, daß man hierzulande meist zwei Hunde hält: einen der bellt und einen der beißt. Der Riese dort vor dem Haus tut bei Bedarf wohl beides. Aber wenn jemand da wär, hätte sein Gebell längst auf einen Ankömmling aufmerksam gemacht. Ich suche mir einen Stellplatz für das Auto, lehne den Sitz zurück und mache es mir gemütlich. Der Hund nimmt zum Glück keine weitere Notiz von mir und ich krieche in meinen Schlafsack. Ein erstes Urlaubsgefühl macht sich breit und ich überlege, welches der zahlreichen Grautiere, die ich von meinem Platz aus beobachten kann, mich wohl begleiten wird. In kleinen Gruppen stehen sie beisammen und fressen Stroh. Das Wetter macht ihnen offensichtlich nichts aus und während der Wind das Auto schaukelt werde ich müde und nicke ein, bis ein Geräusch mich aus meinen Träumen reißt. Irgendwas schleicht ums Auto und ich schrecke hoch, links nichts, rechts nichts und dann im Rückspiegel zwei Augen, die neugierig gucken. Gott sei Dank, nur ein freilaufender Esel. Müde drehe ich mich zur Seite und im nächsten Moment steht er auf der Fahrerseite und popelt am Außenspiegel. Ich schalte die Zündung ein, lasse die Scheibe herunter und habe sofort die samtweiche Eselnase in der Hand.

Erster Kontakt

Na mein Freund, du bist ja gar nicht neugierig. Er riecht gut, nach Wind und Heu, frischem Gras und einer herrlichen Musknote. Ein dicker Brotkanten wechselt den Besitzer und ich bewundere die unglaublich flauschigen Ohren. Was für ein schönes Tier. Warum mein Freund läufst du draußen rum, während alle anderen in Koppeln stehen? Mit gespitzten Lippen sucht er, ob die Tüte, aus der das Brot kam, noch etwas mehr hergibt, was ihm vielleicht schmeckt. Vorsichtig streichle ihn unterm Kinn und mache einige Fotos. Nichts, was ihn abhält sich neugierig umzuschauen. Scheint ein echter Gemütsesel zu sein und während er seine neugierige Nase in meinen Schlafsack schiebt, schlafe ich wohlig eingehüllt ein. Sorgen habe ich nicht. Was stört mich der Wind. Mitten in der Nacht weckt mich dann eine Windböe plötzlich auf und ich bemerke das noch offene Seitenfenster. Fröstelnd mache ich für einen Moment die Heizung an und schließe das Fenster, bemerke, daß ich wieder beobachtet werde, schaue, ob ich in der Finsternis etwas erkennen kann. Dieses Gefühl, nicht alleine zu sein, hat keine bestimmt Richtung und ich vergewissere mich der verriegelten Türen, blicke mich ängstlich um und dann endlich entdecke ich in der Dunkelheit den auf der Beifahrerseite stehenden Esel, welcher mich unentwegt anschaut. Mußt du mir so einen Schreck einjagen? Die Umgebung hat etwas Unheimliches und ich schalte kurz das Fernlicht an, sehe den riesigen, friedlich schlafenden Hund und bin sofort wieder beruhigt. Solange der sich nicht rührt, droht garantiert keinerlei Gefahr. In Kürze sollte ich seinen Namen erfahren.

Kurze Statusmeldung – Tag 1&2 – Nassis und Erik auf Tour

Le Monastier sur Gazeille, Goudet, Bouchet St. Nicolas

Wir haben uns zusammengerauft und er war ein dickköpfiger Gegner. Doch nun steht fest, wer Esel und wer Boss ist. Wir hatten stehenbleiben, flüchten, alle 20 Meter anhalten, rückwärtslaufen, trödeln, schleichen, schnaufen, das volle Programm und ich habe zu keiner Minute mein Ziel aus den Augen verloren. Ich habe ihn durch steile Abhänge und schwierige Aufstiege geleitet, manchmal auch getrietzt, ich habe ihn vor Hunden beschützt und ihn sicher im Straßenverkehr geleitet. Jetzt verläßt er sich auf mich und heute haben wir 30km geschafft.

Startbild in Monastir

Das erste Bild. Fünf Minuten später waren wir auf uns allein gestellt.

Bouchet St. Nicolas – Langogne

Inzwischen sind wir ein Team. Nassis hat akzeptiert, dass er mir folgen muß und er vertrat mir. Ich habe ihn auch nicht mehr kurz am Führstrick sondern laufe mit einem langen Zweig wedelnd hinter ihm her (wenn er trödelt) oder bin neben ihm und er folgt mir wie ein Hündchen. Dafür lasse ich ihn fressen was er will und er frißt permanent. Er beherrscht die Kunst des fressenden Laufens oder wohl eher umgekehrt und hinterläßt dabei eine Spur der botanischen Verwürstung. Ihn im Cafe am Zaun anzubinden war ein Fehler, weil die Blumenkästen jetzt wieder kahl sind und die beiden Rosenstöcke rechts und links der Tür vor dem nahegelegenen Touristenbüro werden dieses Jahr wohl keine Blüten tragen – alle Knospen und die jungen Triebe, alles abgefressen. Wie, sie hatten da auch einen Kübel mit Ziergras? Können sie das beweisen? Ich seh da nichts mehr. Na bei Gras macht mein Esel keine Unterschiede … aber das da, das können sie gut als Dünger für den zweiten Ziergrasversuch benutzen. Nichts für ungut, aber wir müssen jetzt weiter. Eilig verlassen wir Pradelles, ein Ort, der unglaublich schön gepriesen wird. Mein Esel hat alles ruiniert.

Im Cafe

Mehr gibt es erstmal nicht zu berichten. Ich bin in wunderbaren Hotels untergebracht, werde mit mehrgängigen Menüs verwöhnt und wenn ich heute aus dem Fenster schaue, sehe ich meinen Grauen auf der Weide. Was könnte es schöneres geben und morgen ist es nur eine kurze Etappe von 15 km. Da sind wir zum Mittagessen mit durch.