Daniil Charms und der Esel

Ich, Petka und der Esel zuletzt

Eine Geschichte von Daniil Charms, illustriert von Willi Glasauer, übersetzt von Ganna-Maria Braungardt und heute, hier und jetzt im Eselbook vorgestellt.

Wir setzten den langen Mann ins Auto, legten ihm den Esel auf den Schoß und reichten ihm das Boot.

(…) Wir fuhren und pfiffen uns eins.

Illustration von W. Glasauer zu D. Charms „Ich, Petka u.d. Esel zuletzt“, im Aufbau Verlag 2007

Kennen Sie Daniil Charms? Ich mag die Texte des russ. Schriftstellers. Sie sind so herrlich schräg und versponnen, es sind Sätze, die so wirr wie das Leben sind und die so gut unterhalten.

Wenn ich es richtig weiß, dann wurde er so um 1905 (das Revolutionsjahr) herum in St. Petersburg geboren. Damals lag das russische Kaiserreich schon im sterben und Daniil Iwanowitsch, der schon frühzeitig lesen und schreiben gelernt hatte, wußte wohl auch nicht so recht, wohin sein Weg ihn führen würde. Ein technisches Studium brach er ab und auch die Filmakademie konnte ihn nicht all zu lange begeistern. Er freundete sich mit modernen Theterschaffenden an, war fasziniert von der ins Absurde hinein übersteigerten Darstellung des Alltäglichen und wohnte in einer Kommunalka – einer Art WG aus eigener und angeheirateter Familie. Was sicher jede Menge Stoff lieferte. Er heiratete, wurde geschieden, heiratete wieder und unter seine kurzen Stücke schrieb er Charms.

Er war sogar Mitglied im Dichterverband. Doch weil er seine Beiträge nicht bezahlte, flog er postwendend wieder raus. Zusammen mit einem Freund gründete er eine Künstlervereinigung. Es gab wohl sogar eine Aufführung von einem Charms-Stück, dann entdeckte die politische Führung das respektlose Treiben und schon war die Künstlergruppe wegen staatsfeindlicher Aktivitäten verboten.

1932 wurde er erstmals wegen antisowjetischer literarischer Umtriebe verurteilt und in die Verbannung geschickt.

In seinen letzten Jahren schrieb er fast ausschließlich für Kinder und Jugendliche. Liebenswerten Nonsens, der unverfänglich war und vermutlich einen erträglichen Lebensunterhalt ermöglichte.

1937, jetzt begann der Terror erst richtig, wurde Charms wieder politisch verfolgt. 1941 wird er erneut verhaftet, irgendwann in die Psychiatrie überstellt und im Februar (während der Leningrader Blockade) ist Daniil Charms vermutlich verhungert.

Ja und trotz dieses Schicksals blieben seine Erzählungen bis weit in die 90er Jahre hinein mehr oder weniger verboten. Warum eigentlich?

Illustration v. Willi Glasauer zu D. Charms „Ich, Petka u.d. Esel zuletzt“ im Aufbau Verlag 2007

Ich liebe diesen Nonsens. Ich liebe auch Marschak und Bulgakow. Irgendwie ist wohl auch mein eigenes Leben so verworren wie diese Geschichten und es hat nie funktioniert, da wirklich Ordnung hineinzubringen. Konstant waren nur einige Freunde, meine Eltern, die Musik und seit einiger Zeit mein Esel …

Nun ging es uns allen gut, und wir pfiffen uns eins.

Illustration v. W. Glasauer zu D. Charms „Ich, Petka u.d. Esel zuletzt“ im Aufbau Verlag 2007

Wilhelm Busch und die doppelte Moral

O heiliger Antonius von Padua, bleib mir zu jeder Stunde nah, und laß mich doch auf dieser Erden, Auch so ein frommer Heil`ger werden! – O heiliger Antonius von Padua, Du kennst mich ja!

Da sitz ich nun am Sonntagmorgen und trinke Kaffee ohne Sorgen, ich lese hier und schmunzel da, über den Antonius von Padua aaa.

Es geht also noch etwas weiter mit dem heiligen Antonius und seinem Esel. Wobei diese Geschichte hier für den Esel, das sage ich lieber gleich vorweg, kein gutes Ende nimmt. Das ist nichts für schwache Nerven und taugt sicherlich nicht als Gutenachtgeschichte für jüngere Eselfreunde. Ist aber auf jeden Fall gut geeignet um noch eins draufzusetzen und dem Ernst des Alltags mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Wilhelm Busch eignet sich prima für eine Esel-Sonntagsgeschichte.

Denkt man an Wilhem Busch, dann sicherlich in erster Linie an die Bildergeschichten von Max und Moritz (eine Bubengeschichte in sieben Streichen).

Max und Moritz gar nicht träge, sägen heimlich mit der Säge, Ritzeratze! voller Tücke, In die Brücke eine Lücke, und als diese Tat vorbei, hört man plötzlich ein Geschrei:

He, heraus! Du Ziegen-Böck, Schneider, Schneider, meck, meck, meck. – Alles konnte Böck ertragen, ohne nur ein Wort zu sagen; aber wenn er dies erfuhr, ging`s ihm wider die Natur. Schnelle springt er mit der Elle, über seines Hauses Schwelle, denn schon wieder ihm zum Schreck, tönt ein lautes: meck, meck, meck!

Nun, Sie wissen ja bestimmt, daß die Geschichte kein gutes Ende nimmt. Zuerst natürlich nicht für den Schneider und zum Schluß nicht für die beiden Bösewichter. Wobei das gute Ende nicht unbedingt Buschs Sache gewesen sein muß. Egal ob der Rabe Hans Huckebein oder die fromme Helene, Fipps der Affe oder Plisch und Plum, meist gibt es Ärger im Paradies und selbst das kleine Glück zum Schluß erscheint mitunter etwas zweifelhaft.

„Der heilige Antonius von Padua“ ist auch so eine Bildergeschichte von Wilhelm Busch und wenn man die Zeichnungen genauer betrachten, dann fällt die antiklerikale Einstellung mit der Busch hier zu Werke geht sofort ins Auge. Entstanden ist die Geschichte, die sich nicht in allen Ausgaben findet, in den Jahren von 1865 bis 1870 und es ist eine ausgesprochen hintersinnige Abrechnung mit der abergläubischen Frömmelei und dem Dogmatismus, die sich auch in den Überlieferungen zum heiligen Antonius finden. Versucht man sich jetzt noch das Umfeld der 1870er Jahre vor Augen zu führen, dann wird schnell klar, gegen wen und was W. Busch hier mittels Federstrich zu Felde zieht. Schon die zweite Zeichnung der Antonius-Geschichte – sie zeigt eine Nonne im Keller – spielt auf ein Vorkommnis in einem österreichischen Kloster an, wo eine Nonne von ihren Mitschwestern eingemauert worden sein soll, während die Heiligenmalerei sich steigender Beliebtheit erfreute … wegen ihrer Nützlichkeit. Da mußte sich einfach Widerspruch regen. Zumal die Geschichte im ersten Anlauf nicht einmal gedruckt werden konnte. Verleger Eduard Hallberger war nämlich auch für die Herausgabe der katholischen Bilderbibel verantwortlich und sah hier ein gewisses Konfliktpotential. Witzig ist, daß man daran dachte, Wilhelm Busch zum Teil mittels einer Ladung Zigarren zu entlohnen. Als die Geschichte vom Heiligen Antonius dann wenig später bei Schauenburg in Lahr erschien, war sie völlig unfreiwillig von höchster Aktualität. Kaum im Handel verkündete man auf dem 1. Vatikanischen Konzil unter Papst Pius dem IX. das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes und die badischen Behörden, in deren Amtsbereich die Veröffentlichung des Büchleins fiel, beschlagnahmten sofort alle Exemplare derer sie habhaft werden konnten. Was für eine Idiotie. Gegen den Verleger wurde wegen Erregung eines öffentlichen Ärgernisses, Herabwürdigung der Religion und Verbreitung unzüchtiger Schriften Anklage erhoben und vermutlich hätte man auch den Urheber der Bildergeschichte gern verhaftet. Doch weil dieser für die badische Staatsanwaltschaft nicht erreichbar war, stand am 27. März 1871 erstmal nur der Verleger selber vor Gericht. So kann`s gehen, wenn man in die Mühlen der Behörden gerät. Am Rande sei vermerkt, daß am gleichen Tage ein Pfarrer wegen Kindesverführung und Mißbrauch vor Gericht erscheinen mußte und sich der Prozess gegen Buschs Homor, der die Unnatürlichkeit des Zölibats aufs Korn nimmt, somit selber ad absurdum führte. An dieser Stelle sei das damals sehr beliebte katholische Erbauungsbuch „Unser Lieben Frauen Calender“ erwähnt, wo für jeden Tag wenigstens eine Wundertat zu Ehren der Jungfrau Maria zu finden ist und ein frommer Klosterbruder an den Brüsten der Heiligen Jungfrau saugen darf. Allein die Vorstellung paßt so gar nicht zur verordneten Prüderie und Moral jener Zeit. Der Verleger wurde zum Leidwesen der Staatsanwaltschaft freigesprochen und die beschlagnahmten Werke mußten zurückgegeben werden. Was aber nicht bedeutete, daß fortan frei gelacht werden durfte. Österreich, Preußen und das zaristische Rußland verboten das Werk auch weiterhin und ließen immer wieder ganze Auflagen konfiszieren, und im Königreich Bayern hat man Busch seine Respektlosigkeiten bis zu seinem Tode nie verziehen. Obwohl einstimmig von den Mitgliedern vorgeschlagen, wurde ihm die Aufnahme in den Maximiliansorden und die damit verbundene Erhebung in den Adelsstand verweigert. Gestört haben wird es ihn nicht. War ihm doch alles Getu von Herzen zuwider.

Antonius jedenfalls beginnt seine Wallfahrt mit einem Esel.

Ein Christ verspüret großen Drang, das heil`ge Grab zu sehn, Drum will Antonius schon lang, Dahin wallfahren gehen. Es schickt sich, daß ein frommer Mann, die Sache überlegt; er schafft sich einen Esel an, der ihm den Ranzen trägt.

Und so ziehen Antonius und sein Esel gen Jerusalem.

Jetzt ist Mittagspause, dann Mittagsschlaf, anschließend werde ich mehrere Tassen Espresso benötigen und dann geht es weiter. Schließlich ist heute Sonntag.

So, pünktlich um 16:25 geht es mit der Eselei und dem heiligen Antonius bei Wilhelm Busch weiter. Versprochen ist versprochen.

Wie also der Antonius und der Esel so durch die Gegend ziehen, kommt hinter einem Gebüsch ein Bär hervorgesprungen und der frißt den Esel von hinten nach vorne komplett auf.

Wunderbar dargestellt ist an dieser Stelle die Seelenruhe, mit der unser frommer Antonius das Leid des Esels erträgt.

Um am Ende den Bären für seine Zwecke einzuspannen. Klar, Strafe muß sein und ich habe da wenig Mitleid mit Meister Petz. Doch die zur Schau gestellte Gleichgültigkeit des heiligen Mannes illustriert sehr schön, worum es wirklich geht: Um das alleinige Seelenheil des Antonius.

In diesem Sinne wünscht das Eselbook noch einen schönen Sonntagabend.

 

Deckengemälde mit Esel

Was macht ein Esel an der Kirchendecke?

Augsburger Allgemeine vom 29. 8. 2012, Foto: G.R.Ranft

Nun, es geht auch heute noch einmal um den heiligen Antonius von Padua und dessen Eselwunder. Jener schönen Überlieferung, von der ich erst kürzlich berichtete und die uns noch etwas weiter beschäftigen wird – natürlich nur des Esels wegen. Schließlich war Antonius und sein Eselwunder immer wieder ein Quell für künstlerische Darstellungen aller Art. Allein im Landkreis Raunertshofen gibt es vier Kirchen – Nordholz, Unteregg und Weißenhorn – die dem Antonius von Padua gewidmet sind. Was vielleicht auch an der Vielseitigkeit des redegewandten Heiligen liegt. Wobei die Fähigkeit, verlorengegangene Dinge wieder zurückzubringen vermutlich von besonderem Interesse ist. Jedenfalls ist ein derart praktischer Nutzen vielleicht nicht ganz ohne Grund mit dem treuen Lasttier verknüpft, von dem selbst Jesus sich nach Jerusalem hineintragen ließ.

Die Abb. in der Augsburger Allgemeinen zeigt ein Deckengemälde in der Kirche von Raunertshofen, auf dem die wundersame Szene, in welcher der Esel bei Anblick der Hostie den Herrn erkennt und einen Kniefall andeutet, gut zu erkennen ist. Also auf liebe Eselfreunde, auf nach Raunertshofen.

 

 

Antonius von Padua – heilig mit Esel

Kennen Sie Antonius von Padua? Nein? Also das geht so nicht. Wer sich für Esel begeistert, sollte Antonius unbedingt kennen. Ich z.B. bin zwar Heide mit Leib und Seele, doch immer wenn mir etwas wegkommt rufe ich den heiligen Antonius an … oder meine Freundin (das kommt auf`s Gleiche raus) und schneller als gedacht ist der gesuchte Gegenstand wieder zurück bei mir. Antonius ist toll … fast so gut wie Freundin. Am Kühlschrank klebt ein Magnet mit dem Bildnis – des Antonius!, die Freundin hängt natürlich nicht am Kühlschrank – und davor werfe ich mich dann auf die Knie und hoffe auf Erinnerung. Manchmal finde ich lecker Vanille-Eis. Sie sehen, es funktioniert.

Der so um das Jahr 1190 als Antonius Patavinus in Lissabon geborene Antonius war Theologe, Franziskaner und Prediger und wurde schon wenige Monate nach seinem Tod 1231 heiliggesprochen – das ist Rekord. Und auf dem Wege dorthin gab es wenigstens ein überliefertes Esel-Erlebnis und davon möchte ich heute berichten. Vielleicht läßt sich die besonders schnelle Heiligsprechung auch durch die Eselgeschichte erklären. Ich könnte mir kaum einen besseren Grund vorstellen – heilig durch Esel. Also will ich mal versuchen, die Geschichte des Antonius zu erzählen.

Soweit bekannt, entstammte der Junge einer portugisischen Adelsfamilie und schon im Jugendalter begann seine Ausbilung zum Prister. Er trat dann wohl den Franziskanern bei, zog später als Missionar nach Marokko, wurde krank, mußte Afrika verlassen, geriet in einen schweren Sturm und kam in Sizilien an. Was nach Odyssee klingt ist auch ohne antike Monster ausgesprochen spannend. Antonius verbrachte etwas Zeit als Einsiedler, als ihm das zu langweilig wurde vertrat er die Franziskaner bei wichtigen Versammlungen und auf einem Konvent lernte er sogar den Ordensgründer Franz von Assisi kennen. Beeindruckt von derart viel Glaubenskraft legte sich Antonius richtig ins Zeug und weil er sehr gut formulieren konnte und seine Worte von großer Überzeugungskraft waren, wurde er nach Norditalien entsandt, wo er in der von Glaubensunruhen erschütterten Romagna den katholischen Gedanken unter Katharern und Waldensern verbreiten sollte.

Und glauben Sie mir, der Antonius war mit seinen Predigten sehr erfolgreich. Schließlich gehörte er zu den besten Rednern seiner Zeit. Am Ufer es Rimini z.B. sprach er zu den Fischen, weil die Bürger (damals garantiert nur Männer) ihn nicht hören wollten, und die steckten ihre Köpfe aus dem Wasser und lauschten andächtig seiner Stimme. Anschließend traten fast alle Bürger von Rimini umgehend zum katholischen Glauben über. Das nenne ich Überzeugungskraft. Da schnappen die Fische nach Luft, vermutlich wegen Umweltverschmutzung, und schon lassen sich die Leute taufen. Wunder über Wunder. Aber Fische sind noch lange kein Esel und deshalb geht die Geschichte jetzt weiter.

Es begab sich einmal, daß Antonius mit sturen Häretikern, die unbedingt an ihrer Irrlehre festhalten wollten, im Disput lag und Antonius wußte nicht, wie er diesen Herren Erleuchtung hätte beibiegen könnte (das Verbrennen von Ketzern kam erst später in Mode). Zugegeben ist es auch wirklich nicht besonders leicht, einem Ungläubigen die rettenden Eigenschaften des Sakraments der Eucharistie zu vermitteln. Ich käme auch nicht auf die Idee, beim Anblick einer geweihten Hostie sofort an die Anwesenheit von Jesus Christus zu denken. Doch derlei Zweifel hielten Antonius nicht vom missionieren ab. Er befahl, daß man sein Lasttier, einen braven Esel, für drei Tage ohne Futter einsperren sollte. Nach dieser Zeit würde er in Gegenwart der ganzen Zweifler den Grauen wieder herauslassen und das ausgehungerte Tier zwischen einer Schüssel mit Hafer und einer Hostie postieren. Antonius war unerschütterlich im Glauben und seiner Überzeugung nach würde selbst der hungrige Esel in der Hostie seinen Herrn erkennen und nicht sofort losfressen. Gesagt, getan, der Esel mußte drei Tage hungern, wurde anschließend zwischen Hafer und Hostie postiert und …

neigte seinen Kopf vor der Hostie und deutete einen Kniefall an.

Wie schon gesagt: Manche Dinge muß man glauben. Aber das ist ja das Schöne daran und wenn Sie mal etwas verbummeln, dann können Sie den heiligen Antonius anrufen. Der ist nämlich ein sehr vielseitiger Patron. Achtung, aufgemerkt. Antonius beschützt neben Bäckern und Schweinehirten, auch Bergleute, Reisende und Sozialarbeiter und er ist für das Auffinden verschwundener Dinge zuständig – weswegen er auch den Spitznamen Schlampertoni trägt.

Eselbrücke – Quintenzirkel

Die Frage, was eine Eselsbrücke ist, wurde ja bereits schon vor einiger Zeit besprochen und ich bin versucht, wieder ein schönes Foto hervorzuzaubern auf dem ein Esel auf einer Brücke zu sehen ist. Aber darum soll es natürlich heute nicht gehen. Wobei, was soll´s, trotzdem erstmal ein hübsches Bild von einer Eselsbrücke (oder ist´s ein Brückenesel?) Hier folgt mir der Narcisse über eine Brücke und damit erkläre ich diese Brücke zur Eselsbrücke.

Doch nun zurück zum eigentlichen Thema, der Eselbrücke zum Quintenzirkel: Geh Du Alter Esel Hole Fische. Ja, richtig gelesen, der alte Esel soll Fische hole. Und jetzt komme ich zum Quintenzirkel.

Wenn man sich selber mit Musik beschäftigt, dann kommt man auf Dauer nicht ganz ohne Theorie aus. Da sind z.B. die verschiedenen Tonschritte wie Terz, Quarte und Quinte, Dur und Moll und es gibt auch verschiedene Tonarten, die durch unterschiedliche Vorzeichen und eine unterschiedliche Anzahl dieser Vorzeichen gekennzeichnet sind.

Von C-Dur hat bestimmt jeder schon einmal etwas gehört. C-Dur ist die einzige Tonart ohne Vorzeichen. Und wenn man jetzt vom C aus fünf Töne nach rechts geht – das ist eine Quinte! – dann landet man beim G. G-Dur ist die nächste Tonart im Quintenzirkel und G-Dur hat als Vorzeichen genau 1 Kreuz. Weitere fünf Töne im Quintenzirkel nach rechts und man kommt zum D, was 2 Kreuze hat. Dann kommt das A-Dur mit 3 Kreuzen usw. Und auch wenn man zuerst nicht davon zu überzeugen ist, daß derlei Dinge für die Musik wichtig sind, kommt man irgendwann zu dem Punkt (wenn man sich trotzdem weiterhin mit Musik beschätigt), wo es durchaus gut ist, wenn man sich im Quintenzirkel auskennt. Und genau dafür gibt es eine Eselsbrücke für die Kreuztonarten G, D, A, E, H, Fis. Fis-Dur hat also 6 Kreuze und so sieht der Quintenzirkel aus.

Rechts rum ist für das Eselbook interessant, weil hier der Esel steckt.

Geh Du Alter Esel Hole Fische ist eine wunderbare Eselsbrücke für die Kreuztonarten und deshalb wurde hier der Quintenzirkel erwähnt. Es gibt natürlich auch die B-Tonarten. Die haben dann bˋs als Vorzeichen. Doch da wir hier nicht über Brötchen und Gesang reden, interessiert und das nicht.

 

Eselsohren in der Praxis

Liebe Leserinnen und liebe Leser, liebe Esel!

Damit niemand hier denkt, dem Eselbook wären die Themen ausgegangen, arbeite ich einfach erstmal die Esel-Weihnachtsgeschenke auf und hoffe, Ihnen damit auch eine Freude zu machen.

Stellen Sie sich vor, man würde Ihnen ein Buch schenken, welches nur darauf wartet ordentlich geknickt zu werden. Ein Buch, was zu Eselsohren einlädt. „Das können Sie knicken“ lautet das Motto und da wir uns dem Thema Eselsohren in theoretischer Form bereits widmeten, ist es nun an der Zeit, zügig zur Praxis zu kommen. Ja, ja, keine Hemmungen, nehmen Sie die Seite dort und machen Sie einen schönen Knick hinein.

(ESELSOHREN von Lea Kutz, Text Lea Kutz und Ulla Mothes, ein Projekt d. Bauhaus Universität Weimar, DuMont Buchverlag, Köln 2013

Das Buch ist selbstverständlich eine Pflichtknickerei für alle Eselfreundinnen und Eselfreunde.

 

 

Esel & Kraut & Rüben

Die Tage sind viel zu kurz, die kalten Tage sind zu dunkel und an den meisten Tagen habe ich viel zu viel zu tun. Arbeiten z.B. hält von vielen schönen Dingen ab. Arbeiten und Esel läßt sich bei mir z.B. nur schlecht kombinieren. Aber irgendwas ist ja immer. Also mache ich das Beste aus den Tagen, versuche nach der Arbeit mal etwas Sport zu treiben, mal lese ich oder übe ich Saxofon, dann tanze ich mit Tanz-Freundin Anja Swing, versuche redlich meine Freundschaften zu pflegen und manchmal denke ich an Esel. Gut, einige der Dinge kann ich verbinden – lesen und Esel ist durchaus möglich. Klar, es gibt auch Dinge die sich ausschließen: Windsurfen und Esel dürfte schwierig werden. Jedenfalls hörte ich bisher noch nicht von einem surfendem Esel. Es sei denn ich selber gehe als Esel durch (dagegen hätte ich nüscht). Aber lesen und Esel paßt prima. Glauben Sie mir, ich habe da auch gleich ein schönes Beispiel, worauf mich meine liebe Studienfreundin Mirjam aufmerksam machte.

(Alle Abbildungen wurden d. KRAUT&RÜBEN, 12/2017 entnommen. Fotos laut Zeitschrift von GAP Photos, F. Strauß, R. Haasmann/ Arco Images)

Gartenschmuck ist schön und gut, doch was könnte es Schöneres in einem Garten geben als einen Esel?

Einem Eselclub würde ich sofort beitreten.

„Esel statt Katze?“ ist keine Option. Beides!

Glauben Sie mir, ein gut ausgebildeter Wanderesel ist ein perfekter Weggefährte, wenn man nur erstmal geklärt hat wer der Boss ist.

Ich brauche Eselsohren.

2017 – Die Hauptdarsteller – Teil 2

Bevor ich meine diesjährigen franz. Eselerlebnisse so nach und nach aufschreibe, eine Einführung/ Teil 1 ist ja bereits online, möche ich die handelnen Personen/ alle Mitwirkenen vorstellen. Nicht das mir noch jemand durcheinander kommt bei den vielen Eseln, Hunden, Katzen, Gänsen und Hühnern … und die Menschen nicht zu vergessen.

Also mal los. Mit Marie möchte ich anfangen. Marie ist die Seele vom Ganzen, Mutter, Eselmama, absolut professionelle Reitlehrerin, Eseltrainerin und gute Freundin. Marie spricht wunderbar deutsch, liebt Musik und und und. Ohne Marie läuft hier nichts.

  1. Bild: Marie und ihr großer Poitouesel Copain. Copain heißt Freund.

Die nächste Hauptdarstellerin heißt Doriane. Doriane ist Maries Tochter und sie ist bezaubernd. Ihr Privatzoo ist so wunderbar wie ihr Garten und überhaupt ist sie nicht zimperlich. Herrlich direkt und offen, lustig und klug. Hach …

2. Bild: Doriane

Kommen wir zu Narcisse. Narcisse ist der Esel, der mich letztes Jahr auf meiner Wanderung begleitete und der die vielen Tage, über 240 km weit, immer treu an meiner Seite war. Narcisse ist für mich wie ein Freund, zumal ich Menschen kenne, die lange nicht so ehrlich und freundlich zu mir waren. Also manchmal läuft man beser mit einem Esel.

3. Bild: Narcisse

Als nächstes kommt Balou. Balou ist ein riesiger Owtscharka – ein kaukasischer Schäferhund. Marie hat ihn vor vielen Jahren aus Kirgistan mitgebracht und seitdem hat er den Eselhof in Plagnal bewacht. Jetzt ist er alt und genießt seine Rente bei Doriane. Ich habe ihm einen großen Knochen spendiert und er kam dafür zu mir ins Bett kuscheln.

4. Bild: Balou

Bernie. Da man im Leben bekanntlich auf vieles verzichten kann, nicht aber auf Katzen und Literatur, wird der kleine, schwarze Kater hier natürlich erwähnt. Er schlief, nachdem ich ihm eine Packung feinsten Kochschinken gekauft hatte, fast immer bei mir im Bett und ich habe mir sein Vertrauen bestimmt verdient.

5. Bild: Bernie

Nebuleuze ist auch eine Katze. Sie wohnt bei Doriane und ist sehr, sehr süß und sie klettert ohne Hemmungen auf dem großen Balou herum. Ja und weil sie gerade sterilisiert wurde, durfte auch Nebuleuze bei mir im Bett schlafen. Es war zum Glück ein großes Bett.

6. Bild: Nebuleuze

Gribouille. Die kleine Eseldame war der süße Höhepunkt zum Abschluß meiner Eselwanderung im letzten Jahr. Als Marie losgefahren war um Narcisse und mich zurückzuholen, da war sie noch nicht auf der Welt. Als wir einige Stunden später alle zusammen zurückkamen, stand sie auf wackeligen Beinchen da. Ihren Namen verdankt sie einer franz. Kindergeschichte, in der ein Mensch so viel Angst vor dem Regen hat, daß er in den Fluß springt. Wer Esel kennt wird nachvollziehen können, warum die süße Eseldame diesen Namen trägt.

7. Bild: Gribouille 2016

8. Bild: Gribouille 2017 und ich total entzückt.

Bahia gehört auch zur Familie. Sie ist ein kleines Couchpotato und oft, wenn ich in den Baumarkt oder nach Langogne fuhr, hat sie mich begleitet. Manchmal haben wir zusammen Doriane besucht.

9. Bild: Bahia

Reflet kommt gleich zur Sache. Ein sehr sympathischer Esel, der ein wunderbar zuverlässiger Wanderesel ist. Und wie jeder Esel, so hat auch Reflet eine Leidenschaft: Bevor er sich lange die Ohren kraulen läßt, nähert sich Reflet Hinterteil voran, „scatch my ass“ (kratz mir den Arsch), das liebt er ganz besonders. Also das lieben alle Esel. Doch ein Esel kommt erstmal und schnuppert, dann streichelt man gefälligst die Ohren, anschließend steckt man die Finger ruhig mal in die Ohren hinein und so nach und nach arbeitet man sich zum Hintern vor. Rechts und links der Schwanzwurzel befindet sich der G-Punkt der meisten Esel. Reflet schenkt sich das Vorspiel. Nein, wozu sich lange mit Streicheleinheiten am Kinn und den Ohren aufhalten. Reflet mag es halt gern von hinten. Noch Fragen?

10. Bild: Reflet, „scratch my ass“

Und dann waren da noch Plume (Feder), Max, Wapa, Matoutou, Marius und viele Esel mehr. Dazu Hühner und Gänse und jede Menge Herzlichkeit. Ach ja, und ich.

11. Bild: Ich

2017 – Wiedersehen mit Narcisse – Teil 1

Manche Ereignisse sind so schön und glücklich, daß man diese gern wiederholen möchte. Die Erinnerungen daran machen noch lange Zeit später die Tage hell und mit etwas Glück gelingt es, den Gedanken des Alltags etwas Fröhlichkeit entgegenzustellen – drole de vie.

Und da stehe ich nun im nassen, hohen Gras der unfertigen Eselkoppel, kämpfe mich den kleinen Hügel hinauf, schneide mit der Kettensäge kleine Äste und Sträucher weg, damit ich später den Elektrozaun installieren kann. Ich bin wieder in Frankreich, zu Hause bei Marie und kann mein Glück kaum fassen. Ich bin der König des Eselhofs und darf mit der Kettensäge spielen. Was könnte es Schöneres geben? Heute ist Sonnabend der 20. Mai 2017 und es ist, als würde sich ein kleines Stück Geschichte wiederholen. Vor fast genau einem Jahr begann ich hier meine Wanderung mit dem Esel Narcisse und was als Abschluß gedacht war, wurde zum Ausgangspunkt, zum Anfang einer Leidenschaft, einer wundervollen Freundschaft. Bisweilen muß man sich vom Leben überraschen lassen.

Also ganz von vorn und immer schön der Reihe nach. Was mache ich hier und wieso bin ich wieder da, warum schwinge ich im Urlaub die Kettensäge und laufe in Gummistiefeln umher? Die Antwort auf all diese Fragen könnte allein mit dem Wort Freundschaft abschließend umschrieben werden. Doch ganz so kurz will ich es mal nicht machen. Außerdem wär die Geschichte sonst an dieser Stelle vorbei und das wäre ja langweilig.

So beginnt meine zweite Reise nach Frankreich bereits im Frühjahr 2017 mit einem großen Unglück. Der Eselhof – also das alte Wohnhaus – in Le Plagnal brannte bis auf die Grundmauern nieder und als wäre das eine Unglück nicht genug, verstarb der gute Vick (Maries Partner) nach kurzer, schwerer Krankheit viel zu früh. Und weil Freundschaft für mich nur dann einen Sinn hat, wenn man auch bereit ist, sich gegenseitig zu helfen, stieg ich ins Auto, fuhr 1400 km bis zu Marie und vollende jetzt das, was Vick nicht mehr schaffte und wofür Marie vor lauter Arbeit auch die Kraft fehlt. Ich stelle die neue Eselkoppel in Luc (was von Le Plagnal nicht weit entfernt ist) fertig und siedle einen Großteil der Herde um. In Le Plagnal laufen die Bauarbeiten und Marie möchte die Tiere in ihrer Nähe haben.

Also los und über die Straße, rauf auf den Hügel und massenhaft Sträucher und kleine Bäume wegschneien, Holzpfosten setzen, Ösen für die Drähte einsetzen und Drähte spannen, den Tieren einen direkten Wasserzugang schaffen, zwei Tore einbauen und und und. Ja und dann war da noch das Wiedersehen mit meinem lieben Narcisse, meinem Esel, der mich zwölf Tage lang, über fast 240 km treu begleitete.

Wird er mich erkennen? Kann er sich nach einem Jahr an mich, meine Stimme, noch erinnern?

Es war ein einziger Pfiff, ein kurzes Rufen und schon kam mein Narcisse angetrabt. Kein Zweifel, der Esel erkannte mich und wenn man mit etwas Vorsicht menschliche Maßstäbe auf ein Tier übertragen mag, dann würde ich von Freude sprechen.

Für heute soll und muß der kurze Bericht erst einmal reichen. Schon morgen muß ich wieder auf eine Dienstreise und viele andere Dinge sind wichtig. Doch das Eselbook ist nicht vergessen und so nach und nach werde ich die Tage bei Marie Revue passieren lassen. Dann lernen meine Leserinnen und Leser zwei wunderbare Frauen, den riesigen Balou und zwei weitere Hunde, Kater Bernie und Katze Nebuleuze und ganz viele Esel kennen. Ich freu mich selber drauf. Bis bald.

 

 

Drahtesel

Da sich das Eselbook der Pflege des Eselbegriffs verschrieben hat, ist kein wie auch immer gearteter Esel vor dem Eselbook sicher und heute ist nicht ganz ohne Grund der Drahtesel dran. Nur denken Sie mal nicht, Sie wüßten sofort worum es gehen würde. Einfach nur an das Fahrrad denken, welches teils scherzhaft als Drahtesel bezeichnet wird, dies wäre viel zu einfach. Radfahren kann jeder – ich z.B. bin in meiner Jugend mehrfach über den Harz und den Kyffhäuser und einmal sogar weiter bis nach Prag geradelt und habe zudem beste Erinnerungen an eine 700km Radtour mit Freunden durch Südfrankreich – und oft wird um die fahrbaren Untersätze ein großes Primborium gemacht. Das Besondere ist gerade gut genug und manch einer läßt sein Rad nur ungern aus den Augen. Martin z.B., unser Pianist, schiebt seinen Edelrenner zu jeder Probe zwischen allen Stuhlreihen der Bigband hindurch, um das gute Stück hinterm Piano vor Dieben zu verstecken – sicher ist sicher. Wenn er doch nur die Schuhe anbehalten würde …

Sie sehen, man kann um einen Drahtesel einen mächtigen Rummel veranstalten und vielleicht ist radfahren besser als gar kein Hobby. Nicht ganz uninteressant ist ja auch die Entwicklung des Wortes selber. Was lange Zeit Bicycle (engl.) oder  le vélocipède bicycle (franz.) genant wurde, mußte im Zuge nationaler Bewußtseinsbildung während der Weimarer Republik natürlich eingedeutscht werden und auf Drängen deutscher Radfahrvereine – ohne Verein geht hier gar nichts – setzten sich die Begriffe Fahrrad, Radfahrer und Radler zunehmend durch. Doch was ein echter Drahtesel ist, war mir bis letzte Woche noch gar nicht klar und vermutlich wäre ich in meiner Jugend auch gekränkt gewesen, wenn jemand mein schickes Rennrad als Drahtesel bezeichnet hätte – heute wäre es in meinen Ohren natürlich so etwas wie der Ritterschlag für den fahrbaren Untersatz. E S E L! Was für ein schönes Wort und hier präsentiere ich Ihnen den einzig wahren und unglaublich kunstvollen DRAHTESEL.

Das tolle Drahteseltier wurde von der Mama meiner lieben Tanzfreundin Anja in Lagos (Algarve/ Portugal) aufgenommen und wie mir scheint, taugt der deutsche Drahtesel für viel mehr als nur zwei Räder mit Sattel, Lenker und Klingel … Platz da, jetzt komm ich. Merke! Ein echter Drahtesel nervt nicht.