2017 – Wiedersehen mit Narcisse – Teil 1

Manche Ereignisse sind so schön und glücklich, daß man diese gern wiederholen möchte. Die Erinnerungen daran machen noch lange Zeit später die Tage hell und mit etwas Glück gelingt es, den Gedanken des Alltags etwas Fröhlichkeit entgegenzustellen – drole de vie.

Und da stehe ich nun im nassen, hohen Gras der unfertigen Eselkoppel, kämpfe mich den kleinen Hügel hinauf, schneide mit der Kettensäge kleine Äste und Sträucher weg, damit ich später den Elektrozaun installieren kann. Ich bin wieder in Frankreich, zu Hause bei Marie und kann mein Glück kaum fassen. Ich bin der König des Eselhofs und darf mit der Kettensäge spielen. Was könnte es Schöneres geben? Heute ist Sonnabend der 20. Mai 2017 und es ist, als würde sich ein kleines Stück Geschichte wiederholen. Vor fast genau einem Jahr begann ich hier meine Wanderung mit dem Esel Narcisse und was als Abschluß gedacht war, wurde zum Ausgangspunkt, zum Anfang einer Leidenschaft, einer wundervollen Freundschaft. Bisweilen muß man sich vom Leben überraschen lassen.

Also ganz von vorn und immer schön der Reihe nach. Was mache ich hier und wieso bin ich wieder da, warum schwinge ich im Urlaub die Kettensäge und laufe in Gummistiefeln umher? Die Antwort auf all diese Fragen könnte allein mit dem Wort Freundschaft abschließend umschrieben werden. Doch ganz so kurz will ich es mal nicht machen. Außerdem wär die Geschichte sonst an dieser Stelle vorbei und das wäre ja langweilig.

So beginnt meine zweite Reise nach Frankreich bereits im Frühjahr 2017 mit einem großen Unglück. Der Eselhof – also das alte Wohnhaus – in Le Plagnal brannte bis auf die Grundmauern nieder und als wäre das eine Unglück nicht genug, verstarb der gute Vick (Maries Partner) nach kurzer, schwerer Krankheit viel zu früh. Und weil Freundschaft für mich nur dann einen Sinn hat, wenn man auch bereit ist, sich gegenseitig zu helfen, stieg ich ins Auto, fuhr 1400 km bis zu Marie und vollende jetzt das, was Vick nicht mehr schaffte und wofür Marie vor lauter Arbeit auch die Kraft fehlt. Ich stelle die neue Eselkoppel in Luc (was von Le Plagnal nicht weit entfernt ist) fertig und siedle einen Großteil der Herde um. In Le Plagnal laufen die Bauarbeiten und Marie möchte die Tiere in ihrer Nähe haben.

Also los und über die Straße, rauf auf den Hügel und massenhaft Sträucher und kleine Bäume wegschneien, Holzpfosten setzen, Ösen für die Drähte einsetzen und Drähte spannen, den Tieren einen direkten Wasserzugang schaffen, zwei Tore einbauen und und und. Ja und dann war da noch das Wiedersehen mit meinem lieben Narcisse, meinem Esel, der mich zwölf Tage lang, über fast 240 km treu begleitete.

Wird er mich erkennen? Kann er sich nach einem Jahr an mich, meine Stimme, noch erinnern?

Es war ein einziger Pfiff, ein kurzes Rufen und schon kam mein Narcisse angetrabt. Kein Zweifel, der Esel erkannte mich und wenn man mit etwas Vorsicht menschliche Maßstäbe auf ein Tier übertragen mag, dann würde ich von Freude sprechen.

Für heute soll und muß der kurze Bericht erst einmal reichen. Schon morgen muß ich wieder auf eine Dienstreise und viele andere Dinge sind wichtig. Doch das Eselbook ist nicht vergessen und so nach und nach werde ich die Tage bei Marie Revue passieren lassen. Dann lernen meine Leserinnen und Leser zwei wunderbare Frauen, den riesigen Balou und zwei weitere Hunde, Kater Bernie und Katze Nebuleuze und ganz viele Esel kennen. Ich freu mich selber drauf. Bis bald.

 

 

Drahtesel

Da sich das Eselbook der Pflege des Eselbegriffs verschrieben hat, ist kein wie auch immer gearteter Esel vor dem Eselbook sicher und heute ist nicht ganz ohne Grund der Drahtesel dran. Nur denken Sie mal nicht, Sie wüßten sofort worum es gehen würde. Einfach nur an das Fahrrad denken, welches teils scherzhaft als Drahtesel bezeichnet wird, dies wäre viel zu einfach. Radfahren kann jeder – ich z.B. bin in meiner Jugend mehrfach über den Harz und den Kyffhäuser und einmal sogar weiter bis nach Prag geradelt und habe zudem beste Erinnerungen an eine 700km Radtour mit Freunden durch Südfrankreich – und oft wird um die fahrbaren Untersätze ein großes Primborium gemacht. Das Besondere ist gerade gut genug und manch einer läßt sein Rad nur ungern aus den Augen. Martin z.B., unser Pianist, schiebt seinen Edelrenner zu jeder Probe zwischen allen Stuhlreihen der Bigband hindurch, um das gute Stück hinterm Piano vor Dieben zu verstecken – sicher ist sicher. Wenn er doch nur die Schuhe anbehalten würde …

Sie sehen, man kann um einen Drahtesel einen mächtigen Rummel veranstalten und vielleicht ist radfahren besser als gar kein Hobby. Nicht ganz uninteressant ist ja auch die Entwicklung des Wortes selber. Was lange Zeit Bicycle (engl.) oder  le vélocipède bicycle (franz.) genant wurde, mußte im Zuge nationaler Bewußtseinsbildung während der Weimarer Republik natürlich eingedeutscht werden und auf Drängen deutscher Radfahrvereine – ohne Verein geht hier gar nichts – setzten sich die Begriffe Fahrrad, Radfahrer und Radler zunehmend durch. Doch was ein echter Drahtesel ist, war mir bis letzte Woche noch gar nicht klar und vermutlich wäre ich in meiner Jugend auch gekränkt gewesen, wenn jemand mein schickes Rennrad als Drahtesel bezeichnet hätte – heute wäre es in meinen Ohren natürlich so etwas wie der Ritterschlag für den fahrbaren Untersatz. E S E L! Was für ein schönes Wort und hier präsentiere ich Ihnen den einzig wahren und unglaublich kunstvollen DRAHTESEL.

Das tolle Drahteseltier wurde von der Mama meiner lieben Tanzfreundin Anja in Lagos (Algarve/ Portugal) aufgenommen und wie mir scheint, taugt der deutsche Drahtesel für viel mehr als nur zwei Räder mit Sattel, Lenker und Klingel … Platz da, jetzt komm ich. Merke! Ein echter Drahtesel nervt nicht.

Eselgrüße aus Hawaii

Wenn ich an Hawaii denke, oder besser … davon träume, dann sehe ich das Meer, die Wellen, Surfer, und mich mit einem Cocktail am Strand. Ich höre das Rauschen der Brandung und habe den Geruch tropischer Früchte und schöner Blüten in der Nase – Frangipani z.B. Auf Esel wäre ich dabei nie gekommen. Im Traume nicht und wie ich nun lernen mußte, waren meine geistigen Betrachtungen mal wieder viel zu einseitig. Jetzt, wo mir Freunde einen Eselgruß aus Hawaii schickten, kommt mir der Ort wirklich wie das Paradies vor. Pina Colada am Strand, Wellenrauschen, Frangipanibäume voller Blüten, aus einer alten Heule tönt Israel Kamakawiwo’Ole „Somewhere over the rainbow“ und dazu noch Esel. Das Paradies hat einen Namen, es heißt Hawaii.

Ok ok, es geht um die Donkey Balls – also keine ganzen Esel – aber man soll nicht immer nur meckern. Das Logo zeigt einen Esel und was will man denn noch? Die Frage ist nur, was sind Donkey Balls? In diesem Moment fällt mir ein, daß zeitgleich während ich hier schreibe in Paaren Glien ein Seminar zur Esel-Kotuntersuchung stattfindet und damit wären wir fast schon beim Thema. Nein, die verkaufen in Hawaii kein Eselkacka, die Donkey Balls sind kleine Schokoladenkügelchen in verschiedenen Geschmacksrichtungen und die heißen halt Donkey Balls, weil … na Sie wissen schon. So, jetzt is’es raus. Um echtes Eselkacka ging es heute in Paaren Glien und die leckeren Donkey Balls kommen aus Hawaii.

Auf nach Hawaii. Einige Bilder hab ich noch und damit bedankt sich das Eselbook bei Tanja und Markus und 1000 Kroküsse gehen hinaus in die Welt.

Und hier noch ein Link: Donkey Balls Factory auf tripadvisor

Schön, Dank Esel – ein Besuch in Halle

Noch nie zuvor war ich in Halle an der Saale. Irgendwie gab es wohl nichts, was mich hätte nach Halle locken können und so mußte ich erst 50 werden und wegen der neuen Arbeit eine Dienstreise dorthin unternehmen. Ich kannte zwar Burg Giebichenstein und die dortige Kunsthochschule, wo der berühmte Maler Willi Sitte Ende der 50er Jahre zum Professor für Bildende- und angewandte Kunst berufen wurde, nur mehr wußte ich nicht über die größte Stadt von Sachsen-Anhalt. An dieser Stelle fällt mir natürlich der Spruch „Lieber vom Leben gezeichnet als von Sitte gemalt“ ein. Doch wenn ich ehrlich bin, dann mag ich die großen und ausdrucksstarken Gemälde mit ihren kraftvollen Farben, und das Sitte als Präsident des Verbandes Bildender Künstler natürlich Staats- und linientreu war, ist mir bis heute ziemlich schnurz. Jedenfalls gingen mir genau diese Gedanken im Kopf herum, als ich nahe der Burg den ersten Termin hatte. Um ehrlich zu sein, ich erschrak beim Anblick der Straßen. So kaputte und traurige Häuser sah ich schon lange nicht mehr. Leerstand, bröckelner Putz und vernagelte Fenster, die Straßen in schlechtem Zustand. Es war zwar nur ein kleiner Bereich, der mich so empfing, doch genau dieser erste Eindruck paßte zum nasskalten, grauen Wintertag. Dann ging es weiter in die uniformen Betonklotz-Stadtbezirke, von denen ich noch nie einen Menschen gut sprechen hörte. Neubaublöcke so weit das Auge reicht, große Flächen mit Garagenplätzen, Einkaufszentren mit auffällig vielen, leerstehenden Ladeneinheiten und immer wieder diese langweiligen Schnäppchenparadiese. Woher kommt eigenlich die Idee, daß das Paradies immer billig/ ein Schnäppchen ist?

Halle und ich, wir taten uns zu Anfang recht schwer und in Gedanken war ich wieder zu Hause in Berlin, als ich am Nachmittag im Vorbeifahren plötzlich eine alte Mühle sah, die so gar nicht zur Umgebung paßte. Also fix umgereht und ausgestiegen. Wäre doch gelacht, wenn ich nicht auch die schönen Seiten der Stadt würde entdecken können. Das Gartentor steht offen und Müll liegt herum, Türen und Fenster sind verrammelt – ich begreife es nicht. Gibt es denn zwischen all dieser architektonischen Langeweile, zwischen all diesen abgewirtschafteten Einkaufszentren und der offensichtlichen Ärmlichkeit (natürlich nur im Vergleich mit anderen Städten zu verstehen) keinen Bedarf für solch einen Ort, für eine Mühle mit Garten? Massenhaft Einkaufszentren und weitverbreitet prekäre Arbeits- und Lebensverhältnisse passen nicht zueinander. Zumal ich die Reduzierung des Menschen auf den Status des Konsumenten nicht sonderlich sympathisch finde.

Aber auch wenn die Mühle verlassen steht, so ist sie der erste Lichtblick des Tages. Um ehrlich zu sein, die Mühle ist die zweite, positive Erfahrung. Doch dazu komme ich noch. Erstmal gehe ich um die Mühle herum und entdecke zu meiner Freude … sehen Sie selbst.

ESELSMÜHLE (das schreib ich doch gleich in Versalien und fett), die haben in Halle eine ESELSMÜHLE! Ich bin natürlich schwer begeistert und übelege, ob ich nach Halle umsiedeln sollte. Die Stadt gefällt mir immer besser. Halle braucht mehr Eselsmühlen und weniger Einkaufszentren mit Schnäppchenparadiesen. Zumal ich das Pardies mit Esel logischer als mit Schnäppchen finde.

Logischer und schöner! Fenstergitter mit Esel und restlos begeistert streife ich über das verlassene Grundstück. Da hinten entdecke ich noch einen alten Aufsteller und inzwischen suche ich mittels iPad nach etwas Geschichte und Information zur Eselsmühle.

Erbaut wurde die Mühle 1887 auf dem Grund der Gemeinde Nietleben, welcher heute zu Halle-Neustadt gehört, und bis Ende er 60er Jahre diente die Mühle wirklich als Mühle. Danach erfolgte der Umbau zur Ausflugsgaststätte und an den Wochenenden stürmten die Hallenser den gemütlichen Ort (was man von den zahlreichen Schnäppchenparadiesen wirklich nicht behaupten kann), wo die Kinder sogar manchmal auf einem Esel reiten konnten. Die Mühle wurde berühmt, das Eselchen natürlich auch, und bis 1974 war die Eselsmühle in Betrieb. Wegen der heranrückenden Braunkohle gab es eine Zwangspause von zwei Jahren, bis es von 1976 bis zur Wende weiterging. Oben auf der Mühle reitet der Teufel auf einem Esel im Wind und seit Jahren schon wartet die Mühle aus neue, glücklichere Tage … und einen Esel.

Und der zweite Lichtblick? Die Hallenser scheinen ein freundliches Völkchen zu sein.

Der Esel Cosidesimo

Gebrauchsanweisung für schöne Stunden.

Man benötigt, wenn kein gutes Wetter zur Hand ist, 1 Couch oder einen bequemen Sessel. Ich selbst bevorzuge unbedingt eine Couch – doch ein Sessel mit Hocker davor geht natürlich auch. Dazu eine Decke und diverse Kissen, 1 Tasse Tee (zum Nachmittag hin Kaffee), Kekse oder Schokolade (besser beides), bei Bedarf eine Lesebrille, wenigstens ein oder zwei Katzen, Ruhe und ein gutes Buch. Die Frage, was ein gutes Buch ist, die läßt sich relativ leicht beantworten: Ein gutes Buch handelt von wenigstens einem Esel und hier kommt mein Vorschlag für dieses Wochenende.

„Der Esel Cosidesimo“ von Bettina Weber

Von klein auf hört Cosidesimo, dass Esel dumm, störrisch und völlig überflüssig sind. Inzwischen glaubte er es schon selbst, bis er in dem liebenswerten Clown Cosimo und dem patenten Zirkusmädchen Chiara zwei Freunde findet, die mit ihm durch dick und dünn gehen.

 

Die Fabel vom Pferd und dem Esel

In einer Zeit, in der Menschen davon sprechen nur noch tun zu wollen was ihnen Spaß macht und zugleich betonen, ein jeder wär ganz allein für sein Glück und Wohl verantwortlich, kann es nicht schaden, sich die eine oder andere Fabel anzuschauen.

Das Pferd und der Esel

Es war einmal ein Bauer, der hatte sein Pferd und seinen Esel gleichmäßig beladen und führte sie zum Markte, wo er mit seinen Waren Handel treiben wollte. Nach einer guten Strecke des Weges fühlte der Esel seine Kräfte schwinden und so bat er das Pferd kläglich: „Du bist viel größer und stärker als ich, musst nicht schwerer tragen. Nimm doch bitte einen Teil meiner Last, sonst werde ich bald am Boden liegen.“

Hartherzig antwortete das Pferd: „Ich habe selbst genug an meiner Last zu tragen.“

Keuchend schleppte sich der Esel weiter, bis er erschöpft zusammenbrach. Der Bauer drosch noch auf den Esel ein, aber er war schon tot. Da blieb nichts weiter übrig, als die ganze Last des Esels auf das Pferd zu packen. Auch wollte der Bauer noch etwas von dem Esel retten, zog ihm das Fell ab, und legte es dem Pferd oben auf.

Das Pferd bereute nun seine Hartherzigkeit und klagte: „Ach, wie leicht hätte ich dem Esel ein Stück Last abnehmen können. Wäre er noch lebendig, müsste ich nicht gleich alles tragen.“

Ob Aesop (gr. Aisopos oder lat. Aesopus), der ein berühmter Dichter der griechischen Antike war und unzählige Fabeln und Gleichnisse aufschrieb, wirklich so um 6. Jh. vor Chr. lebte, nach Plutarch einem Justizmord zum Opfer fiel (nach einer fadenscheinigen Anklage von einem Felsen gestoßen wurde) oder so wie Herodot berichtet in Delphi zu Tode kam, ist heute Teil der Sagenwelt – Genaues ist nicht überliefert. Doch mit Sicherheit darf der Dichter als Vorbild für die gesamte, europäische Fabeldichtung angesehen werden.

Ein Esel auf Rosen und kein Jubel für den Kaiser

Schön ist es Postkarten zu bekommen und ich gehöre zu den glücklichen Menschen, die immer wieder, mal von hier und mal von dort, eine Postkarten im Briefkasten finden. Es sind kleine Zeichen der Freundlichkeit, schau her, du wurdest nicht vergessen und deshalb ist es auch schnurzpiepegal, woher die Postkarte kommt – die Geste zählt. Und weil solche Dinge wichtig sind, schreibe ich natürlich selber immer viele Postkarten und vergesse nie mich zu bedanken. Das ist ganz einfach, es macht die Welt immer auch ein Stück größer und ganz plötzlich wird man an Halle a.d. Saale und den Eselbrunnen erinnert. So ist das mit den Freunden die ein Wochenende in Halle verbringen, dort den Eselbrunnen bestaunen, justament an den Erik und sein Eselbook denken, eine Karte schreiben, mir eine Freude machen, mich eine Geschichte erzählen lassen (geht gleich los) und sich schon jetzt auf eine Karte aus Paris freuen dürfen – weil der Erik dort Weihnachten und Silvester verbringen wird.

Eselpostkarte Eselbrunnen Halle

Und jetzt will ich mal die Geschichte zu dem Brunnen erzählen, der auf der Postkarte zu sehen ist. Schließlich sind Eselbrunnen ziemlich selten und diesen Eselbrunnen sollte man unbedingt kennen (wenn man sich für Esel interessiert).

Foto: OmiTs/ Wikipedia entnommen.

Foto: OmiTs/ Wikipedia entnommen.

Und wie jede gute Geschichte fängt auch diese Geschichte vor vielen, vielen Jahren an, man könnte auch „es war einmal …“ schreiben. Da war ein großer König, ein Müllerbursche und ein Esel und heute, viele Jahre später, hat man dem Jungen und seinem Esel ein Brunnendenkmal errichtet. Denk mal … an den Esel und den Müllerburschen, denke mal.

Aber zuerst beginnt alles mit dem König, der damals schon Kaiser war. König Otto 1, der große Liudolfinger, lebte von 912 bis 973 und weil sonst nichts zu tun hatte, sammelte er Adelstitel wie andere Leute Schuhe (Briefmarken gab es damals noch nicht): Herzog von Sachsen, König der Ostfranken, König von Italien und am Ende gar Römisch-Deutscher Kaiser. Sein Sohn, Otto II., wurde besonders durch seine byzantinische Ehefrau Theophanu bekannt. Doch darum geht es hier nicht. Unser Otto I. wollte eine Reise unternehmen (man war damals als König viel auf Achse, zog von Ort zu Ort, von Kaiserpfalz zu Kaiserpfalz, Tilleda im Harz z.B., weil kein Landstrich auf Dauer i.d. Lage war, so einen Hofstaat längere Zeit durchzufüttern. War die Gegend leergefressen zog man einfach weiter) und zu diesem Zwecke hatte er sich die schöne Stadt Halle an der Saale als Reiseziel ausgesucht. Sie können sich ja vorstellen, wie die Stadt in Aufregung war, der Kaiser kommt, der Kaiser kommt. In Ermangelung von Tageszeitungen machte die Nachricht von Mund zum Ohr usw. schnell die Runde und weil man keinen roten Teppich zur Hand hatte, über den der König hätte reiten können, wurden massenhaft Rosenblüten auf die Wege gestreut, damit der Kaiser sich beim Einzug in die Stadt nicht verreiten würde. Doch wie so oft kam es anders als geplant, ein schlimmes Hochwasser zwang den Kaiser die Route zu ändern, die vielen Rosenblüten lagen völlig umsonst auf der Erde, also fast, und kein Volk rechts und links der Straße, was dem Kaiser zujubelnd wollte. Ach ja richtig, der kam ja auf einem anderen Weg in die Stadt eingeritten und während er dies tat und sich wegen der ignoranten Hallenser wunderte, kam ein Müllersbursch mit seinem Esel auf genau der Route daher, die der Kaiser ursprünglich hatte nehmen wollen. Muß man sich mal vorstellen: Das ganze Volk, welches auf den Kaiser wartete, säumt die mit Rosenblüten bedeckten Straßen, vom Kaiser keine Spur und dann kommt ein jungscher Kerl mit seinem Esel daher. Tolle Sache und schon damals muß die Szene nicht einer gewissen Komik entbehrt haben, und weil die Hallenser an diesem Tage einen Jubeltag fest eingeplant hatten, jubelten sie trotzdem und hießen den Müllerburschen und seinen Esel herzlich willkommen.

Eine schöne Geschichte und weil Geschichten (ich hab die natürlich etwas ausgeschmückt) immer schön sind, wurde dem Burschen und dem Esel ein Denkmal errichtet. Der ESELBRUNNEN ist wirklich ein ganz bekannter Brunnen von Halle und wer sich die Bronze von Heinrich Keiling anschauen will, der findet den Brunnen in Halle auf dem Alten Markt.

Kleine Dinge – große Wirkung

Oft sind es ja die kleinen Dinge, die uns berühren und die uns eine besondere Freude machen. Kleinigkeiten, die manchmal mehr bedeuten als ein großes Geschenk (nichts gegen große Geschenke) und die uns dennoch zeigen, wie wichtig wir sind. Mit Eseln ist es ganz genau so, doch darauf komme ich noch. Vielleicht liegt es auch daran, daß etwas Kleines leichter zu überschauen und uns damit irgendwie näher ist. Wir selbst sind ja, so rein im Weltmaßstab betrachtet, recht klein und unbedeutend, obwohl wir uns oft für die Größten halten. Daher vielleicht der weitverbreitete Größenwahn. Aber darum soll es nicht gehen. Zurück zur Überschrift: Kleine Dinge, große Wirkung. Ich kann mich noch gut an eine USA-Reise erinnern, wo wir natürlich einen Blick in den Grand Canyon werfen wollten und uns zu diesem Zweck an einem der zahlreichen Aussichtspunkte einfanden. Doch während wir in die tiefe Schlucht schauten, versammelten sich immer mehr und mehr Menschen um einen Graben und fotografierten wie wild. Was gab es dort wohl zu sehen? Ok, der Graben hatte auch etwas von einer Schlucht, aber eine Verwechslung mit dem Grand Cayon schien ausgeschlossen und nachdem wir unsere Fotos gemacht hatten, schlenderten wir von Neugier getrieben zu dem Graben. Was könnte wohl interessanter als der Grand Canyon sein? Ich weiß nicht was ich erwartet hatte, aber mit einem Häschen hatte ich nicht gerechnet. Klein und niedlich hockte es dort, mümmelte friedlich vor sich hin und lief dem Grand Canyon mit Leichtigkeit den Rang ab. Ein Häschen. Und mit Eseln ist es wie mit Häschen auch. Je kleiner der Esel, umso größer die Wirkung.

Eselkind

Und weil gestern eine liebe Freundin einen Gruß schickte, komme ich auf das Thema mit den kleinen Dingen und den teils recht großen Wirkungen. Klar, Eselkinder sind besonders niedlich und besitzen sehr viel Charme, doch der Tierbezug allein ist nicht von Belang. Ich z.B. hatte schon einmal das Vergnügen von einem Babyelefanten berüsselt zu werden, der ebenfalls sehr niedlich war. Allerdings hatte der rund 140kg schwere Wonneproppen den Charme eines Bulldozers (niedlicher Bulldozer).

Doch dies ist nur der eine Teil des Gedankens, auf den der Eselgruß von gestern mich brachte. Vielmehr erinnerte mich der kurze Gruß daran, wie schön und wichtig die Geste selber war. Die schlichte Nachricht, das freundliche Hallo und dazu die vielen Eselbilder. Ein Gruß, der mir zeigt, daß ich nicht vergessen wurde und der, in Kombination mit den Eselbildern, deutlich macht: Meine Freunde wissen wie und womit man mir eine Freude macht/ machen kann. Ganz einfach. Logisch, ein Eselgruß ist eine schöne Sache (grußtechnisch kaum zu toppen), aber wenn keine Postkarte oder ein anderes Bild von und mit Eseln drauf zur Hand ist, tut es natürlich auch jedes andere Viech. KatzenliebhaberInnen und Hundefreunde sind bestimmt mit Schnurris und Wuffis zufrieden und Blümchen sind ebenfalls gut. Allein die Geste zählt und nehmen Sie dabei niemals Rücksicht auf die neue Mode, wonach man seine freundschaftlichen Gefühle möglichst nicht mehr zeigen darf, weil andere sich dann verpflichtet fühlen könnten. Diese Form unverbindlicher Freundschaft wird nur von Menschen präferiert, die ausschließlich mit sich selber beschäftigt sein möchten und sind. Kommen noch der zeitgemäße Spruch „ich mache nur noch was mir Spaß macht“ und der Hinweis „für sein Glück ist jeder selbst verantwortlich“ dazu, sollten alle Alarmglocken läuten. Das heißt nämlich im Klartext, daß man hier wirklich nichts erwarten darf und das ist total langweilig! Schreiben Sie Postkarten, schreiben Sie Briefe und eMails, schicken Sie Bilder und Nachrichten und zeigen Sie ihren Freunden das Sie ihre Freunde sind. Mit oder ohne Esel ist dabei völlig schnurz. Wobei ein Eselbild hilfreich sein kann. Diese kleinen Gesten sind natürlich kein Ersatz für Gespräche und gemeinsame Zeit, doch sie können über jede Entfernung hinweg erhalten was so wichtig ist – Freundschaft. Und genau deshalb habe ich mich gestern so über die Nachricht aus Schwaan (liegt bei Rostock) gefreut. Danke.

Und hier noch mehr schöne Eselchen aus Schwaan. Diesen bedeutenden Ort muß ich mir demnächst unbedingt mal anschauen. Wenn es dort so viele Esel gibt, dann ist Schwaan garantiert ein Zentrum der Lebensfreude.

Eselbild v. Judi 2 img_9994 img_9995 img_9996 img_9997

Von einer Eselpostkarte, von Erinnerungen und anderen Dingen

Es ist ein wenig still um das Eselbook geworden und vielleicht ist der Winter nicht die richtige Jahreszeit, um über Esel nachzudenken. So viele andere Dinge sind und waren in den letzten Wochen wichtig und der Herbstblues – diese Mischung aus fallenden Blättern und kurzen Tagen – tut seinen Teil dazu. Ein Frösteln liegt in der Luft und wir mußten einen guten Freund begraben. Was bleibt schon, wenn ein Mensch geht? Kinder, ein Haus, ein Garten, unzählige Erinnerungen und für mich zudem ein Tenorsaxophon, was ich zur Reparatur bringen und mit Sicherheit auch spielen werde; wozu Dir lieber André keine Zeit mehr blieb. Du hast Dir immer gewünscht, dem Instrument einige Töne zu entlocken und ich frage mich, warum ich Dir nicht wenigstens ein Kinderlied beibrachte. Plötzlich war für das alles keine Zeit mehr und jetzt, nachdem wir gestern mit einer Buddhistischen Zeremonie endgültig Abschied von Dir nahmen, wird mich das Saxophon bestimmt oft an Dich erinnern. Ich wollte heute schon mit einer große Portion Zuckerei (Ei, Zitrone und Zucker im Blender zu Schaum geschlagen) auf Dein Wohl trinken, doch in unserem Lowcarb-Haushalt war leider kein Zucker zu finden. Bei Gelegenheit werde ich dies aber nachholen und in Kombination mit einer dicken Scheibe Kassler wird es doppelt schön – ich werde nie vergessen, wie wir Dir zu Weihnachten mal ein großes Wiener Schnitzel schenkten. Du siehst, es gibt viele Erinnerungen und Xenia hat heute sogar eine alte Postkarte aus Bulgarien von Euch gefunden. Eine Postkarte, die wunderbar hier in das Eselbook paßt.

Eselpostkarte Bulgarien vorn

und auf der Rückseite habt Ihr alle unterschrieben.

Postkarte Bulgarien hinten

Am Dienstag werde ich Dein Saxophon zu Hanno Braun bringen und mir einen Kostenvoranschlag machen lassen, das Buddhistischen Zentrum (wo Du so gerne warst) bekommt eine Spende und wenn das Instrument spielbar ist, werde ich es natürlich benutzen. In der Big Band spiele ich zwar Altsaxophon, aber so ein Tenorsax macht auch Spaß.

Und wenn ich vom Windsurfen zurück bin, geht es mit dem Eselbook weiter. Versprochen.

 

 

Sie war ein Blümlein – ein Eselgedicht von Wilhelm Busch

Blumen im Maul

SIE WAR EIN BLÜMLEIN

Sie war ein Blümlein hübsch und fein, hell aufgeblüht im Sonnenschein. Er war ein junger Schmetterling, der selig an der Blume hing.

Oft kam ein Bienlein mit Gebrumm, und nascht und säuselt da herum. Oft kroch ein Käfer kribbelkrab, am hübschen Blümlein auf und ab.

Ach Gott, wie das dem Schmetterling, so schmerzlich durch die Seele ging.

Doch was am mesten ihn entsetzt, das Allerschlimmste kam zuletzt. Ein alter Esel fraß fraß die ganze von ihm so heiß geliebte Pflanze.

 

Wilhelm Busch