Ass, Assa, Asinus

Das Eselbook gibt heute einen kleinen Einblick ins Private. Doch auch hier spielt der Esel eine nicht ganz unwichtige Rolle. Was wäre eine Bilderwand ohne ein schönes Eselbild? Der eine Esel gibt dem Ganzen erst Charakter. Sehen Sie selbst. Gefunden?

Ich habe mir vor einiger Zeit, in der alten Spinnerei in Leipzig, den Nachdruck einer sehr frühen Lithographie, einer Inkunabel (incunabula/ Wiege/ Ursprung), aus dem Jahre 1801 gekauft. Es handelt sich dabei um eine Steingravur des Naturforschers George Shaw (1751-1813) aus dessen „Zoological lectures“ die, der damaligen Zeit entsprechend, den Esel mit Ass bezeichnet. Ass wird dabei vom altengl. Assa hergeleitet, welches dem lat. Asinus entstammt. Das kann entweder Esel oder auch Dummkopf bedeuten. Für die Verniedlichungsform nutzen Sie bitte den Asellus … das Eselchen, was viel freundlicher klingt als der Quadratesel.

Animals in War Memorial – NIE WIEDER KRIEG!

Es gibt einige Dinge, die niemals – von keiner Generation – vergessen werden dürfen und nicht ganz ohne Grund möchte auch das Eselbook heute politisch auftreten. Allein die Zahlen sollten jeden Rufer, der Gewalt und Vertreibung, Lagerhaft und Rache für was auch immer im Sinn hat, nachdenklich stimmen: 28. 7. 1914 bis zum 11. November 1918, 17 Millionen Menschen verloren in diesen 4 Jahren ihr Leben, 40 Staaten waren beteiligt, laut Wikipedia waren fast 70 Millionen Menschen in den Krieg gezogen, immer mehr Panzer kamen zum Einsatz, das Wort U-Boot-Krieg wird zum Synonym für Heimtücke und Gewalt, so wie der Graben- und Stellungskrieg, Giftgas kommt zum Einsatz und erste Luftschlachten werden geführt. Zurückblieben 20 Millionen Verwundete, dazu 7 Millionen zivile Kriegsopfer, 2 Millionen deutsche Männer waren tot, Kriegswaisen und Witwen im ganzen Land, bis zur Unkenntlichkeit entstellte Invaliden und in den folgenden Jahren sollten allein in Deutschland weitere 500.00 Menschen an den Folgen des Krieges sterben. Habe ich etwas vergessen? Ist der Schrecken noch nicht groß genug?

Das ANIMALS IN WAR MEMORIAL sollte uns Menschen daran erinnern, welches Leid wir mit unserem Tun genau den Geschöpfen zugefügt haben, und weiterhin zufügen, die nun am allerwenigsten für all die Ungerechtigkeiten und den Wahnsinn, die Lust an der Gewalt und kranke Herrschaftsansprüche können.

Foto: Jo Zarth, Animals in War Memorial

Und mein lieber Freund Jo Zarth, dem ich pers. die Gestaltung meiner eigenen Parfums verdanke, war einige Tage in London und hat dort das Denkmal ANIMALS IN WAR MEMORIAL des Bildhauers David Backhaus besucht. Dieses 2004 eingeweihte Denkmal (denke mal!) befindet sich im östlichen Teil des Hyde Parks, ganz in der Nähe der Park Lane und besteht aus zwei großen, geschwungenen Kalksteinwänden, die durch einen kleinen Spalt voneinander getrennt sind.

Foto: Jo Zarth, Animals in War Memorial

Und durch diesen Spalt schreiten schwerbeladene Maultiere hindurch, davor ein Pferd und dann ist da noch ein Hund. Auf den Reliefs werden Pferde, Ziegen, Elefanten und Dromedare gezeigt. Brieftauben und Esel finden sich auch. In den Krieg ziehen wollte bestimmt nie ein Tier und die Inschrift „The had no choice“ (sie hatten keine Wahl) sollte uns das niemals vergessen lassen.

Foto: Jo Zarth, Animals in War Memorial

„This monument is dedicated to all the animals that served and died alongside British and allied forces in wars and campaigns throughout time.“

Die Zahl der allein bei den Alliierten getöten Transporttiere wird mit acht Millionen angegeben. Vergessen wir auch diese Lebewesen nicht!

Foto: Jo Zarth, Animals in War Memorial

Foto: Jo Zarth, Animals in War Memorial

Foto: Jo Zarth, Animals in War Memorial.

Die Bestie des Gévaudan – Teil 3

Rückblick: Die Bestie wütet und greift scheinbar wahllos und an unterschiedlichen Orten immer wieder Menschen an. Frauen, Kinder und Männer, niemand ist sicher vor ihr, nirgendwo. Doch wer oder was versetzte hier ein ganzes Land in Angst und Schrecken? War es ein Wolf, ein Hund oder gar ein Bär?

Die Bestie als Kunstwerk in Langogne

Niemand war sicher in dieser Zeit und selbst in den eigenen Gärten und den Straßen der Ortschaften schlug das Ungeheuer gnadenlos zu. So auch im Januar 1765, als der kleine Jean an einem kalten Wintertag mit einer ganzen Gruppe anderer Kinder unterwegs war. Gemeinsam gingen die sieben Jungs nach der Dorfschule zu den Viehweiden, als sie im Bergland von Margeride (Auvergne-Rhone-Alpes) angegriffen wurden. Lange wehrten sich die Kinder mit ihren Stöcken und Mistgabeln gegen das Ungeheuer, doch es gelang der Bestie, den kleinen Jean Veyrier zu packen und ins Sumpfland zu verschleppen. Doch an diesem Tag sollte es kein Opfer geben. Jacques Portefaix, der Anführer der Jungs, steckte die Bande mit seiner Tapferkeit an und gemeinsam verfolgten sie die Bestie. Immer und immer wieder stachen und schlugen die mutigen Jungs auf das Tier ein und es gelang ihnen, den nur leicht verletzten Jean zu befreien, der mit einer Wunde am Arm davonkam.

Nur was hatten die Jungs da für ein Tier gesehen? Gegen was für eine Bestie hatten sie gekämpft? Wölfe und Bären werden die Dorfkinder (vielleicht nur aus Erzählungen) sicher gekannt haben und mit Hunden dürften alle von ihnen vertraut gewesen sein. Gibt es überhaupt Hunde, die einen erwachsenen Menschen (was mehrfach passiert ist) über viele Kilometer hinweg verschleppen können? Welcher Hund ist in der Lage einem Menschen den Kopf abzubeißen? 15 Opfer wurden regelrecht geköpft. Hatte ein Seefahrer ein gezähmtes, bis dahin unbekanntes Tier aus Afrika mitgebracht und böse abgerichtet?

Heute geht man von ziemlich genau 100 Todesopfern und 80 Verletzten aus. Von 1764 bis 1767 wütete die Bestie im Gebiet des Gevaudan/ Departement Lozere und weil man immer wieder Tiere erlegte, die direkt mit Übergriffen in Verbindung gebracht werden konnten, gehen Historiker heute davon aus, daß mehrere Tiere an den Angriffen beteiligt waren. Womit auch die Theorie ausscheidet, es könne sich um ein einzelnes, von einer Reise mitgebrachtes Raubier handeln. Zumal man heute weiß, daß sich Wildtiere – Hyänen und Hyänenhunde, Wölfe, etc. – zwar zähmen, aber nicht in dieser Form abrichten lassen. Sie bleiben scheu und eher ängstlich und deshalb bleibt ungewiß, welche Bestie/ oder Bestien hier so viele Menschen tötete(n). Das National Geographic vertrat die Hypothese, es könne sich um einen aus Gefangenschaft entkommenen männlichen Löwen handeln.

Und während der Bischof von Mende, ein rückwärtsgewandter Mann, die Bestie des Gevaudan als Geißel Gottes beschrieb und den Leuten von der Kanzel herab vom Zorn Gottes predigte, schickte der König seine Jäger, später eine ganze Einheit seiner Dragoner und im Februar 1765 wurde die größte Treibjagd aller Zeiten organisiert: 20.000 Jäger und Soldaten, dazu zahlreiche für kurze Zeit bewaffnete Bauern, Treiber und natürlich Hunde. Interessant ist, daß die Bestie aufgestöbert wurde und dennoch entkam. Ein kluges Tier?

Wölfe, die oft im Verdacht standen, wurden mehrfach erlegt und ein besonders großes Exemplar wurde ausgestopft im Königspalast in Versailles ausgestellt. Doch es half alles nicht, die Angriffe gingen weiter, bis am 19. Juni 1767 ein großes Tier erschossen wurde.

Was für ein Tier? Das ist bis heute nicht geklärt.

 

 

 

Die Bestie des Gévaudan – Teil 2

Rückblick: Zu unwirklich klangen die Berichte und niemand hier konnte sich erinnern, jemals von auch nur einem annähernd ähnlichen Vorfall gehört zu haben. Doch jetzt hatte die Bestie ihr erstes, verbürgtes Opfer gerissen und das Grauen nahm seinen Lauf – Bete du Gévaudan.

Die kommenden Wochen und Monate zeigten schnell, daß der grauenhafte Mörder sein schreckliches Treiben nicht einfach aufgeben würde. Immer wieder kam es zu Angriffen und ein ganzes Departement – die Angriffsorte wechselten stark – war in Aufruhr, Angst und Schrecken versetzt. Klar war inzwischen nur: Der Mörder war kein Mensch sondern eine Bestie, wie man sie vorher noch nie gesehen hatte.

Abbildung Wikipedia.

Die einen sahen ein Tier von der Größe eines jungen Rindes, andere eine Art Raubtier mit rötlichem Fell auf dem Rücken und einem hellen Bauch. Mal mit dunklen Streifen an der Seite, dann wieder Flecken, buschiger Mähne und einer üppigen Schwanzquaste. Der Kopf riesig und flach auf der Oberseite, gedrungen die ganze Gestallt und stark wie ein Bär. Welches Tier  kann denn schon erwachsene Männer über eine weite Strecke verschleppen? Fährtensucher und Jäger konnten aus den Spuren lesen, daß die Bestie zu Sprüngen von fast 9 metern Weite in der Lage war und ihre schrecklichen Rufe wurden als „fürchterliches Bellen“ beschrieben.

Abbildung Wikipedia.

Oft griff die Bestie innerhalb von wenigen Tagen in ein und derselben Region mehrfach Menschen an, dann gab es mal längere und dann wieder kürzere Pausen, bevor das Grauen anderenorts weiterging. Und weil man die Bauern wegen der Kamisarden-Aufstände auf Befehl es Königs hin all ihrer Gewehre beraubt hatte – sogar die Schwerter waren von den Soldaten konfisziert worden – waren die Menschen zu ihrer Verteidigung nun auf ihre bäuerlichen Gerätschaften, Knüppel und Messer angewiesen.

Nur gegen wen oder was mußten sie sich da verteidigen? Was war das für ein Ungeheuer?

Für heute geht das Eselbook ins Wochenende. Bis bald.

Die Bestie des Gévaudan – Teil 1

Von einer wahren Geschichte des Grauens, einem Krimi und anderen spannenden Dingen, denen man unweigerlich begegnet, wenn man auf dem Stevenson Weg unterwegs ist.

Foto: Eselbook. Darstellung der Bestie in Langogne.

Der 30. 6. 1764 war ein kühler Tag, ein Sonnabend, und die junge, vierzehn Jahre alte Hirtin Jeanne Boulet eilte um nach Hause zu kommen. Die ganze Woche über hatte sie mit den Tieren auf den Weiden verbracht und nun freute sie sich auf den freien Sonntag, ein Bad mit warmem Wasser und das Abendbrot im Kreise der ganzen Familie. Mutter hatte sicher schon das hübsche Kleid für den morgigen Gottesdienst herausgelegt und Vater würde bestimmt eine Kleinigkeit spendieren, wenn sie alle aus der Kirche kamen. Schnellen Schrittes eilte sie in Richtung Saint-Étienne-de-Lugdarès, wo sie sich sicher fühlen konnte. Zu gut noch hatte sie die schrecklichen Berichte eines Händlers aus Saint-Flour-de-Mercoire im Gedächtnis, der von einem brutalen Überfall auf eine Hirtin sprach.  Die Frau war nie zu Hause angekommen und man hatte ihren grauenvoll zugerichteten Körper später im Wald aufgefunden. Ängstlich blickte sie sich um und lief schnell weiter in Richtung Dorf. Noch ein paar Biegungen und hinter dem nächsten Hügel könnte sie bereits den Kirchturm sehen. War sie wirklich allein hier draußen? So allein hier draußen fühlte sie sich plötzlich unwohl und beobachtet. Ein Frösteln jagde ihr über die Schultern den Rücken hinab, als sie für einen letzten, kurzen Moment einen Schatten auf dem sandigen Weg erkennen konnte. Ein gewaltiger Schatten, der sie packte und zu Boden riß.

Foto: Eselbook. Darstellung d. Bestie an einer Hauswand in Luc.

Am nächsten Tag fanden Bauern die ins Haut-Vivarais verschleppte und verstümmelte Leiche des Mädchens. Kaum wiederzuerkennen, zerfleischt und teilweise aufgefressen. Schlimmer als alles bisher Dagewesene. Bis zu diesem Tage hatte niemand den Schreckensmärchen der Leute aus Saint-Flour-de-Mercoire so richtig Glauben schenken wollen. Zu unwirklich klangen die Berichte und niemand hier konnte sich erinnern, jemals von auch nur einem annähernd ähnlichen Vorfall gehört zu haben. Doch jetzt hatte die Bestie ihr erstes, verbürgtes Opfer gerissen und das Grauen nahm seinen Lauf – Bete du Gévaudan.

Hier endet für heute Teil 1 der Geschichte und ich gebe unumwunden zu, die historisch überlieferten Fakten etwas ausgeschmückt zu haben. Doch die Namen, Orte und zeitlichen Fakten, die Sache an sich und selbst die pathologischen Befunde sind wahr und gut dokumentiert.

 

 

 

Erich Honecker und der Esel

Das Eselbook wird politisch und erinnert sich und seine LeserInnen an das aufregende Jahr 1989. Ein Jahr voller wichtiger Ereignisse und eine Begebenheit ist dabei für das Eselbook von ganz besonderer Bedeutung: Am 15.8.1989 sprach mit Erich Honecker (1912-1994) endlich mal ein Regierungs-Chef von einer wirklich wichtigen Sache …. jaaaa, richtig gehört … an diesem Tage sprach Erich Honecker von einem Esel. Er dürfte damit zu den wenigen Politikern gehören, die überhaupt von Eseln sprachen und deshalb wird Erich Honecker an dieser Stelle ausdrücklich gelobt – natürlich nur in Bezug auf Esel. Was denn sonst.

Zur Vorstellung der ersten 32-Bit-Chips aus DDR Produktion bemühte der schwerverständliche Saarländer gar das Tierreich, um die Stärke der sozialistischen Planwirtschaft im Allgemeinen und die Überlegenheit des ganzen politischen Systems im Besonderen zu verdeutlichen.

Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

Ok, den Ochsen lassen wir jetzt mal links liegen. Um den soll sich das Ochsenbook kümmern, wenn es das gibt und falls nicht, dann hat der Ochse halt Pech gehabt. Wir interessieren uns hier ausschließlich für Esel und auch der hat den Sozialismus auf seiner Talfahrt nicht aufgehalten. Kluges Tier. Schließlich hätte man mit etwas Weitblick das Ende der DDR schon zu diesem Zeitpunkt vorhersagen können. Flüchteten doch gerade massenhaft DDR-Bürger über Ungarn in den Westen, während andere in der Prager Botschaft der Bundesrepublik ein Sommercamp eröffnet hatten. Wie sollte denn unter diesen Umständen ein 32-Bit-Chip den Sozialismus retten? Darüber lachen ja die Hühner bis heute.

Sucht man nach einer realistischen Vorstellung von den politischen Verhältnissen dieser Tage, dann wird man allerdings bei Horst Haitzinger (geb. 1939) fündig. Der politische Karikaturist nahm sich des gewagten Ausspruchs an und zeichnete ein viel passenderes Bild zum besagten Zitat. Und das Eselbook freut sich, diese Karikatur an dieser Stelle präsentieren zu dürfen.

Karikatur von Horst Haitzinger, München, http://www.horst-haitzinger.de

Horst Haitzinger hat dabei, wie schon viele andere politische Karikaturisten vor ihm, in ganz wundervoller Art und Weise die politischen Ereignisse vorweggenommen.

Das Zitat selber geht natürlich nicht auf Erich Honecker (der von 1971 bis 1989 Generalsekretär der SED und damit der mächtigste Politiker der DDR war) zurück und auch seine Redenschreiber haben es sich nicht ausgedacht. Er selbst hat wohl, angesprochen auf die Quelle, August Bebel genannt und genau hier wird es interessant, weil dies zum einen sehr wahrscheinlich und zum anderen bei Bebel selber leider nicht nachweisbar ist. Aber die Richtung – also die Gründungsphase d. deutschen Sozialdemokratie – wird mit Sicherheit stimmen.

 

 

Wilhelm Busch und die doppelte Moral

O heiliger Antonius von Padua, bleib mir zu jeder Stunde nah, und laß mich doch auf dieser Erden, Auch so ein frommer Heil`ger werden! – O heiliger Antonius von Padua, Du kennst mich ja!

Da sitz ich nun am Sonntagmorgen und trinke Kaffee ohne Sorgen, ich lese hier und schmunzel da, über den Antonius von Padua aaa.

Es geht also noch etwas weiter mit dem heiligen Antonius und seinem Esel. Wobei diese Geschichte hier für den Esel, das sage ich lieber gleich vorweg, kein gutes Ende nimmt. Das ist nichts für schwache Nerven und taugt sicherlich nicht als Gutenachtgeschichte für jüngere Eselfreunde. Ist aber auf jeden Fall gut geeignet um noch eins draufzusetzen und dem Ernst des Alltags mit einem Augenzwinkern zu begegnen. Wilhelm Busch eignet sich prima für eine Esel-Sonntagsgeschichte.

Denkt man an Wilhem Busch, dann sicherlich in erster Linie an die Bildergeschichten von Max und Moritz (eine Bubengeschichte in sieben Streichen).

Max und Moritz gar nicht träge, sägen heimlich mit der Säge, Ritzeratze! voller Tücke, In die Brücke eine Lücke, und als diese Tat vorbei, hört man plötzlich ein Geschrei:

He, heraus! Du Ziegen-Böck, Schneider, Schneider, meck, meck, meck. – Alles konnte Böck ertragen, ohne nur ein Wort zu sagen; aber wenn er dies erfuhr, ging`s ihm wider die Natur. Schnelle springt er mit der Elle, über seines Hauses Schwelle, denn schon wieder ihm zum Schreck, tönt ein lautes: meck, meck, meck!

Nun, Sie wissen ja bestimmt, daß die Geschichte kein gutes Ende nimmt. Zuerst natürlich nicht für den Schneider und zum Schluß nicht für die beiden Bösewichter. Wobei das gute Ende nicht unbedingt Buschs Sache gewesen sein muß. Egal ob der Rabe Hans Huckebein oder die fromme Helene, Fipps der Affe oder Plisch und Plum, meist gibt es Ärger im Paradies und selbst das kleine Glück zum Schluß erscheint mitunter etwas zweifelhaft.

„Der heilige Antonius von Padua“ ist auch so eine Bildergeschichte von Wilhelm Busch und wenn man die Zeichnungen genauer betrachten, dann fällt die antiklerikale Einstellung mit der Busch hier zu Werke geht sofort ins Auge. Entstanden ist die Geschichte, die sich nicht in allen Ausgaben findet, in den Jahren von 1865 bis 1870 und es ist eine ausgesprochen hintersinnige Abrechnung mit der abergläubischen Frömmelei und dem Dogmatismus, die sich auch in den Überlieferungen zum heiligen Antonius finden. Versucht man sich jetzt noch das Umfeld der 1870er Jahre vor Augen zu führen, dann wird schnell klar, gegen wen und was W. Busch hier mittels Federstrich zu Felde zieht. Schon die zweite Zeichnung der Antonius-Geschichte – sie zeigt eine Nonne im Keller – spielt auf ein Vorkommnis in einem österreichischen Kloster an, wo eine Nonne von ihren Mitschwestern eingemauert worden sein soll, während die Heiligenmalerei sich steigender Beliebtheit erfreute … wegen ihrer Nützlichkeit. Da mußte sich einfach Widerspruch regen. Zumal die Geschichte im ersten Anlauf nicht einmal gedruckt werden konnte. Verleger Eduard Hallberger war nämlich auch für die Herausgabe der katholischen Bilderbibel verantwortlich und sah hier ein gewisses Konfliktpotential. Witzig ist, daß man daran dachte, Wilhelm Busch zum Teil mittels einer Ladung Zigarren zu entlohnen. Als die Geschichte vom Heiligen Antonius dann wenig später bei Schauenburg in Lahr erschien, war sie völlig unfreiwillig von höchster Aktualität. Kaum im Handel verkündete man auf dem 1. Vatikanischen Konzil unter Papst Pius dem IX. das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes und die badischen Behörden, in deren Amtsbereich die Veröffentlichung des Büchleins fiel, beschlagnahmten sofort alle Exemplare derer sie habhaft werden konnten. Was für eine Idiotie. Gegen den Verleger wurde wegen Erregung eines öffentlichen Ärgernisses, Herabwürdigung der Religion und Verbreitung unzüchtiger Schriften Anklage erhoben und vermutlich hätte man auch den Urheber der Bildergeschichte gern verhaftet. Doch weil dieser für die badische Staatsanwaltschaft nicht erreichbar war, stand am 27. März 1871 erstmal nur der Verleger selber vor Gericht. So kann`s gehen, wenn man in die Mühlen der Behörden gerät. Am Rande sei vermerkt, daß am gleichen Tage ein Pfarrer wegen Kindesverführung und Mißbrauch vor Gericht erscheinen mußte und sich der Prozess gegen Buschs Homor, der die Unnatürlichkeit des Zölibats aufs Korn nimmt, somit selber ad absurdum führte. An dieser Stelle sei das damals sehr beliebte katholische Erbauungsbuch „Unser Lieben Frauen Calender“ erwähnt, wo für jeden Tag wenigstens eine Wundertat zu Ehren der Jungfrau Maria zu finden ist und ein frommer Klosterbruder an den Brüsten der Heiligen Jungfrau saugen darf. Allein die Vorstellung paßt so gar nicht zur verordneten Prüderie und Moral jener Zeit. Der Verleger wurde zum Leidwesen der Staatsanwaltschaft freigesprochen und die beschlagnahmten Werke mußten zurückgegeben werden. Was aber nicht bedeutete, daß fortan frei gelacht werden durfte. Österreich, Preußen und das zaristische Rußland verboten das Werk auch weiterhin und ließen immer wieder ganze Auflagen konfiszieren, und im Königreich Bayern hat man Busch seine Respektlosigkeiten bis zu seinem Tode nie verziehen. Obwohl einstimmig von den Mitgliedern vorgeschlagen, wurde ihm die Aufnahme in den Maximiliansorden und die damit verbundene Erhebung in den Adelsstand verweigert. Gestört haben wird es ihn nicht. War ihm doch alles Getu von Herzen zuwider.

Antonius jedenfalls beginnt seine Wallfahrt mit einem Esel.

Ein Christ verspüret großen Drang, das heil`ge Grab zu sehn, Drum will Antonius schon lang, Dahin wallfahren gehen. Es schickt sich, daß ein frommer Mann, die Sache überlegt; er schafft sich einen Esel an, der ihm den Ranzen trägt.

Und so ziehen Antonius und sein Esel gen Jerusalem.

Jetzt ist Mittagspause, dann Mittagsschlaf, anschließend werde ich mehrere Tassen Espresso benötigen und dann geht es weiter. Schließlich ist heute Sonntag.

So, pünktlich um 16:25 geht es mit der Eselei und dem heiligen Antonius bei Wilhelm Busch weiter. Versprochen ist versprochen.

Wie also der Antonius und der Esel so durch die Gegend ziehen, kommt hinter einem Gebüsch ein Bär hervorgesprungen und der frißt den Esel von hinten nach vorne komplett auf.

Wunderbar dargestellt ist an dieser Stelle die Seelenruhe, mit der unser frommer Antonius das Leid des Esels erträgt.

Um am Ende den Bären für seine Zwecke einzuspannen. Klar, Strafe muß sein und ich habe da wenig Mitleid mit Meister Petz. Doch die zur Schau gestellte Gleichgültigkeit des heiligen Mannes illustriert sehr schön, worum es wirklich geht: Um das alleinige Seelenheil des Antonius.

In diesem Sinne wünscht das Eselbook noch einen schönen Sonntagabend.

 

Die Eselsbrücke – Brücken braucht, wer mit Eseln wandert.

Wenn man mit einem Esel wandert, kann es vorkommen, daß ein Wasserlauf den Weg versperrt und wenn man dann Pech hat, entpuppt sich der Esel als wasserscheues Tier. Regen ist kein Problem, aber ein Bach, gar ein Fluß, manchmal langt auch schon eine große Pfütze, und schon geht nix mehr, weil der Esel partout nicht durch das Wasser will. Damit es weitergeht, muß man dem Esel eine Brücke bauen. Sie merken hoffentlich, daß ich es nicht ganz so wörtlich meine. Doch glauben Sie mir, so ein Wasserlauf kann Probleme machen. Jedenfalls dann, wenn keine Brücke da ist. Läuft alles glatt, sieht es so aus:

Foto: Astrid Mechau, Eselin Camilla auf Brücke.

Foto: Astrid Mechau, Eselin Camilla auf Brücke, auf Eselsbrücke.

Und dabei ist es nicht das Wasser selber, was einen Esel am Weiterlaufen hindert, sondern die ungewisse Trittsicherheit der spiegelnden Wasseroberfläche. Der gutmütige Leo, mit dem ich manchmal in der Uckermark spazierengehe, würde niemals einen kleinen Bach durchlaufen. Einmal wären wir beide fast vor einer großen Pfütze verhungert. Mein lieber Narcisse aus Frankreich dagegen war diesbezüglich mutiger. Aber hin und wieder braucht es Brücken, damit es weitergeht, damit weitergedacht werden kann. Es braucht einen gedanklichen Bogen, mit dem zwei Enden eines Weges in Beziehung gebracht werden können, eine Eselsbrücke als Verbindung zum Ziel, womit ich den Begriff wohl umfassend erklärt habe.

Die Eselsbrücke ist ein Merkspruch, eine assoziative Brücke für das Gedächtnis, eine Technik des Memorierens. Auf visuelle oder akustische Art helfen wir uns oder anderen auf die Sprünge, über Hindernisse hinweg … pons asinorum sollte richtig sein.

Und im Brockhaus von 1941 steht unter Eselbrücke:

Gesners Esel – das Eselbook unternimmt einen Ausflug in die Kulturgeschichte des Esels

Wer sich für Esel interessiert, oder so wie ich auf den Esel gekommen ist, wird vielleicht die folgende Abbildung kennen.

Gesners Esel

Der etwas zu langestreckte Esel mit der Löwenmähne und den zu kurzen Ohren. Ein Holzschnitt, den der berühmte schweizer Gelehrte Conrad Gesner vor rund 451 Jahren zur Illustration der Abhandlung über den Esel benutzte, und bevor das Eselbook sich mit dem dazugehörigen Textteil beschäftigen wird, werfen wir doch kurz einen Blick auf den Arzt und Naturforscher, Altphilologen und Künstler, den in der Schweiz jedes Kind kennt, dem man im Botanischen Garten von Zürich ein kleines Denkmal setzte, dessen Konterfei die 50-Franken-Banknote ziert und der neben dem berühmten Thierbuch von 1565 auch noch ein Buch über die Fische und eins über Vögel schrieb. Fische, Vögel und Tiere, eine erste Systematik (die sich natürlich an den Schriften von Aristoteles orientierte) und postum kamen noch Schlangen und Insekten dazu.

Gesner

Conrad Gesner (1516 bis 1565) – manchmal mit doppeltem ss oder ß geschrieben – nutze für seine Schriften nicht ausschließlich antike Aufzeichnungen und Erzählungen dem Hörensagen nach, sondern setzte auf seine eigenen Naturbeobachtungen, die er sorgfältig niederschrieb. Bebildert sind die Bücher mit ausgesuchten Holzschnitten – so finden sich z.B. Dürers Rhinocerus

Dürrers Rhino

und Breidenbachs Giraffe – und weil Gesner selber ganz wunderbar zeichnen konnte, stammen viele der Abbildungen von ihm selber. Ob der Esel von ihm ist, weiß ich aber nicht.

Gesner war jedenfalls ein echtes Universalgenie. Die Gründung des ersten botanischen Gartens der Schweiz geht auf ihn zurück, er legte Pflanzensystematiken an, galt als guter Arzt und noch 300 Jahre später war sein Werk die Arbeitsgrundlage für Charles Darwin. Und wer sich für Pflanzen interessiert, wird vielleicht die Gesneriengewächse kennen, die Charles Plumier in Erinnerung an Conrad Gesner benannte (C. von Linné machte daraus dann etwas später die Gattung Gesneria). Conrad Gesner starb im Alter von 49 Jahren an der Pest. Doch weil sein berühmtes Thierbuch eine ausführliche Abhandlung über den Esel beinhaltet, die in Kürze hier näher vorgestellt wird, sollte Gesner auf jeden Fall im Eselbook erwähnt werden.

Der Anti-Esel, Nietzsches Zarathustra

Niezsche

„Und wahrlich, das ist das Seltsame an einem Weisen, wenn er zu alledem auch noch klug und kein ESEL ist.“ (Zarathustra IV, Abendmahl, 4/355)

Ich muß mein Verhältnis zu Nietzsche überdenken und ungewiß ist, ob ich mich weiterhin als Nietzscheaner bezeichnen werde. Der Frontalangriff gegen den Esel trifft mich persönlich. Mir scheint der Herr Philosoph, der das Militärische so sehr schätzte und sich dabei selber gern in Uniform hoch zu Ross abgebildet sah, hatte keine Ahnung vom Eselgemüt. Alles Herdische, das Massenvieh und jenes stumme Aushalten äußerer Umstände waren ihm ehrlich zuwider. Das Ganze im Zarathustra auf die Spitze getrieben – im Schnelldurchlauf eile ich dahin – ein Aufschrei der Verzweiflung; ist doch die Entwicklung des Menschen zur Höhe, zu Größe und Stärke, Autonomie und Wahrheit, in Gefahr. Vorbei der unnütze Tag des Suchens nach dem höheren Menschen. Ein Abendmahl, welches in voller Freude lachend endet, das Eselfest als Pendant zur religiösen Verehrung des Goldenen Kalbs, um das so gern getanzt wird. Hier wird dem Esel die Ehre zuteil Zeitzeuge und Repräsentant des ewig Gestrigen zu sein, das Alte Testament als unernste Veranstaltung und die Gänse gar begreifen das sich langweilig wiederholende Dasein als Leben, und Zarathustra fühlt seine Stunde gekommen und bricht auf …

ich wette, er hätte einen Esel mitgenommen.