Ischka und Milka

Nach einem Wasserschaden waren wir gezwungen, große Teile der Wohnung umzuräumen, neu zu sortieren und gleichzeitig zu überlegen, an welchen Dingen das Herz hängt und welche Sachen vielleicht doch wegkönnen. Unzählige Bücher haben wir an Stadtteilbibliotheken und Lesecafes abgegeben und während wir so über den Kisten hockten um die Bestände zu sichten, fanden sich immer wieder alte Schätzchen und liebgewonnene Kindheitserinnerungen. Oft waren es die ersten, eigenen Bücher, die wir selber ohne elterliche Hilfe gelesen hatten. „Ein Teufel namens Fidibus“, „Ponny Pedro“, „Vierbeinige Freunde“ von Vera Tschaplina (ich wollte damals auch unbedingt einen kleinen Löwen zu Hause haben) und dann ist da noch dieses Büchlein im roten Leinen mit dem Eselchen vorne drauf: „Menschen und Tierkinder“ von Olga Perowskaja.

Die Ferien begannen. Als meine Schwestern und ich heimkamen, waren alle im Gemüsegarten. Wir liefen schnell hin und zeigten unsere Zeugnisse. Darauf stand MIT AUSZEICHNUNG! Tüchtige Mädels, lobte die Mutter. Dafür müssen Vater und ich euch etwas schenken. Was meinst du, Vater? Sonja stieß mich verstolen mit dem Ellenbogen an: Sagˋs jetzt …

Ich hüstelte vor Aufregung und brachte hervor: Wir brauchen keine Geschenke.

Nanu, wieso denn?

“Das heißt, wir brauchen schon, gebt uns jedem einen Rubel, und so jedes Jahr, wenn wir mit Auszeichnung versetzt werden. Wir sparen nämlich für einen Esel.

(…)

Vater steiß den Spaten in die Erde, richtete sich auf und kramte in seinen Taschen. Ich sehe, ihr habt die Sache solide aufgezogen. Da möchte ich Teilhaber werden. Hier sind noch fünf Rubel. Das ist mein Beitrag. Nehmt eure Kröten und heidi auf zum Viehmarkt.

Olga Perowskaja, „Menschen- und Tierkinder“, mit Zeichnungen von W. Watagin und I. Godin, übersetzt von Leoni Labas, Progress Verlag, Moskau 1966, 264 Seiten.

„Pepes Hut“ Illustration mit Esel

„Pepe ist glücklich. Er ist berühmt und hat eine Tat vollbracht. (…). Von dem Geld kaufte Pepe sich einen kleinen struppigen Esel und eine herrliche Santillodecke. Stolz wie an dem Tag, an dem sich Pepe zum ersten Mal mit dem großen Hut im Dorf sehen lassen wollte, reitet er heute auf seinem Esel.“

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Ich fand das Bild einfach schön und da ich grad nicht tanzen gehen kann, vertreibe ich mir die Zeit mit Esellektüre und dieses Kinderbuch ist gaaaanz toll und die Illustrationen von Ali Mitgutsch sind zauberhaft (der Text ist auch von ihm).

Ali Mitgutsch, „Pepes Hut“, Der Kinderbuchverlag, alle Rechte bei Parabel Verlag München. Ohne Jahres- und Auflagenangabe.

 

Das Kinderbuch „Jussuf Silberlocke“

Wenn der Gedanke an Esel sich einem Ohrwurm gleich erstmal im Kopf festgesetzt hat, entdeckt man das hübsche Grautier überall … selbst im heimischen Bücherregal. Genau, da war doch so ein Büchlein mit Illustrationen von Werner Klemke.

Titelbild J.Silberlocke image

Ich bin ja mit Kinderbüchern, die Klemke illustrierte, aufgewachsen und kann mich noch heute an den Bildern erfreuen. Und jetzt, wo ich fast fünfzig bin, erscheinen mir Kinderbücher mit Eselthema als besonders reizvoll.

Hiltraud Lind, „Jussuf Silberlocke“, mit Illustrationen von Werner Klemke, Alfred Holz Verlag, Berlin 1964